Zwei Opern mit einer Klappe: 2027 „Lohengrin“ und „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen
Stand: 24.07.2026, 17:53 Uhr
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Die Bayreuther Festspiele beugen sich dem veränderten Publikumsverhalten und zeigen ab 2027 zwei Neuproduktionen pro Sommer. Besonders der „Lohengrin“ verspricht, aufregend zu werden.
Nur ein Premierenaufschlag pro Sommer, das ist ab kommendem Jahr in Bayreuth Geschichte. Die Festspiele bringen dann zwei Neuproduktionen heraus – und beugen sich damit auch dem veränderten Publikumsverhalten, wie Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense am Freitagabend bei der Jahres-Pressekonferenz einräumte. Für 2027 bedeutet das ein beziehungsreiches Doppel: „Lohengrin“ und „Parsifal“, Letzterer ist der Sage nach ja der Vater des Ersteren.
Für den „Lohengrin“ holt Festspielleiterin Katharina Wagner zwei Neulinge auf den Grünen Hügel. Dirigieren wird Tarmo Peltokoski, Jahrgang 2000. Der Finne gilt als Senkrechtstarter der Szene und wird gerade bei immer mehr renommierten Orchestern herumgereicht.
Ein 27-Jähriger dirigiert den „Lohengrin“
Inszenieren wird die Italienerin Ilaria Lanzino, eine der aufregendsten Regisseurinnen der jüngeren Zeit. Am Staatstheater Nürnberg zum Beispiel hat sie Donizettis „Lucia di Lammermoor“ als schwule Outing-Story auf die Bühne gebracht und Verdis „La traviata“ als schockierende Missbrauchsgeschichte von heute. Die beiden hochambitonierten Konzepte, das war verblüffend, gingen auf. Wundertenor Michael Spyres singt den Lohengrin, Elsa Dreisig – irgendwie folgerichtig – die Elsa.
Zweite Neuproduktion ist 2027 der „Parsifal“. Christian Thielemann steht hier am Pult, er stellt damit einen neuen Rekord auf. Zwar hat er bereits alle Opern, die zum Bayreuther Kanon gehören, dirigiert, den „Parsifal“ allerdings noch nie in einer Premiere. Das Maler-Paar Neo Rauch und Rosa Loy gestaltet das Bühnenbild (wie schon 2018 beim Bayreuther „Lohengrin“), es inszeniert Ersan Mondtag. Piotr Beczala wurde als Parsifal engagiert, Mika Kares als Gurnemanz und Michael Volle als Amfortas.
Letztmals Tobias Kratzers „Tannhäuser“
Überdies werden 2027 die „Meistersinger“ wiederaufgenommen (Dirigentin: Simone Young, Sachs: Michael Volle, Stolzing: Klaus Florian Vogt), letztmals ist der „Tannhäuser“ in Tobias Kratzers kultiger Inszenierung zu erleben. Hier gibt es im Graben einen Debütanten: Thomas Guggeis, hochgelobter Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt (und auch einmal für München im Gespräch), betreut dieses „Tannhäuser“-Finale.
Das Problem: Für die künftigen zwei Premieren pro Sommer kann der Etat nicht erhöht werden. Wie Heinz-Dieter Sense erläuterte, steht jeder Neuproduktion nur die Hälfte der ursprünglichen Premierenmittel zur Verfügung. Ein Verkaufserfolg waren heuer die „Packages“, mit denen mehrere Opern als Abonnement angeboten werden. Dies wird 2027 fortgesetzt. Für die Tickets gibt es fünf Prozent Rabatt. Dieser Vorverkauf startet an diesem Samstag. Bekanntlich ist in diesem Jahr erstmals Richard Wagners Frühwerk „Rienzi“ im Festspielhaus zu sehen, Premiere ist am Sonntag. Katharina Wagner kündigte an, dies bleibe eine einmalige Sache. Damit wird der Kanon (vorerst) nicht erweitert, die zehn dort üblichen Opern werden durch die Verdoppelung der Premierenzahl also häufiger neuinszeniert.