Platznot in Schweizer Deponien: Katzenstreu im Fokus der Politik
Publiziert28. Juli 2026, 06:29
57’000 Tonnen KatzenstreuZu viele Büsis: Schweizer Abfalldeponien geht der Platz aus
Bereits ab 2027 könnte den ersten Abfalldeponien hierzulande der Platz ausgehen. Ein unscheinbarer Übeltäter: Katzenstreu. Verbessert sich die Situation nicht, droht eine Grünen-Nationalrätin gar mit einem Verbot für mineralische Varianten.

Darum gehts
- 57’000 Tonnen Katzenstreu-Abfall fallen in der Schweiz jährlich an – mehr als der gesamte Kartonabfall.
- Die mineralische Streu besteht meist aus Bentonit, das nicht verbrennt und als Schlacke deponiert werden muss.
- Da die Deponiekapazitäten bereits ab 2027 nicht mehr ausreichen könnten, zieht Nationalrätin Laura Gantenbein ein Verbot mineralischer Katzenstreu in Betracht.
Wer eine Katze als Haustier hält, kennt es gut: erst ein Rascheln, dann ein Scharren. Das Chistli wurde benutzt. Mit der Siebschaufel werden die Klumpen herausgefischt und im Kehricht entsorgt. Ein unscheinbarer Handgriff, der die Schweiz aber gerade in eine Abfallkrise führt.
Engpässe auf Abfalldeponien
Rund die Hälfte des Schweizer Siedlungsabfalls wird in Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt. Die daraus gewonnene Wärme wird zur Stromproduktion und zum Heizen von Gebäuden genutzt. Doch nicht alles verbrennt: Keramik, Glas und andere mineralische Stoffe bleiben als sogenannte Abfallschlacke zurück. Dieses schwarzgraue Gemisch muss anschliessend auf speziellen Deponien gelagert werden.

Pro Tonne verbranntem Abfall entstehen so rund 190 Kilogramm Schlacke. Ganze 8 Prozent davon sind gemäss dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) auf ein einziges Produkt zurückzuführen: Katzenstreu. Das Auffangmaterial für die Ausscheidungen unserer Stubentiger besteht häufig aus Bentonit, einem quellfähigen Tongestein, das nicht verbrennt. Von den insgesamt rund 1,5 Millionen Katzen in der Schweiz häufen sich jährlich etwa 57’000 Tonnen Streu-Abfall an, die in den schweizweit 25 Deponien Platz finden müssen. Das ist mehr als der gesamte Kartonabfall, der hierzulande pro Jahr anfällt – und im Vergleich zu Streu verbrennt Karton fast vollständig.
Das Problem: Den Schlackedeponien geht der Platz aus – und zwar sehr bald. Gemäss einer Studie des Verbands der Betreiber Schweizerischer Abfallanlagen (VBSA) könne die Entsorgungssicherheit bereits ab 2027 nicht mehr garantiert werden. Selbst wenn alle neu geplanten Deponien fristgerecht in Betrieb genommen würden, wäre das Problem damit lediglich um vier bis sieben Jahre hinausgeschoben.

Was danach geschieht, bleibt ungewiss. Ein Export der Schlacke ins Ausland sei dann grundsätzlich möglich, schreibt das Bafu auf Anfrage. Vorrangig sei jedoch die Abfallvermeidung. Angesichts ihres hohen Anteils an der Schlacke dürfte Katzenstreu einer der grössten Hebel sein.
Kommt nun das Verbot?
So fordert eine Standesinitiative des Kantons Genf, dass «Produkte, bei denen durch die Verbrennung besonders viel Schlacke entsteht oder die Toxizität besonders stark steigt, zu verbieten oder stark zu besteuern sind, wenn es ein Alternativprodukt gibt». Im Fokus steht dabei ausdrücklich mineralische Katzenstreu.
Der Westschweizer Kanton leidet besonders unter Kapazitätsproblemen seiner Schlackedeponien. Deshalb läuft dort bereits seit 2021 eine Kampagne, um Katzenhalterinnen und Katzenhalter für das Problem zu sensibilisieren. Konkret will der Kanton den Wechsel von mineralischer zu pflanzlicher Katzenstreu fördern. Organische Streu verbrennt nahezu rückstandslos und ist pro Liter teilweise sogar günstiger als die mineralische Variante.

Ein neuer Vorstoss der Grünen-Nationalrätin Laura Gantenbein geht in die gleiche Richtung: Führen Sensibilisierungskampagnen und Opt-out-Pläne, wie dies etwa beim Torf gemacht wurde, nicht zu einem deutlichen Umdenken, «muss der Bundesrat ein Verbot der nicht abbaubaren Katzenstreu in Erwägung ziehen», so die Solothurnerin.
Wie gehst du als Haustierhalter mit dem Thema Nachhaltigkeit um?
Ich achte sehr darauf, nachhaltige Produkte zu verwenden.
Ich versuche es, wo es geht, aber es ist nicht immer einfach.
Für mein Haustier ist mir nur das Beste gut genug, egal wie nachhaltig.
Ich habe mir darüber noch nie viele Gedanken gemacht.
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Thomas Leu (tle) arbeitet seit 2026 bei 20 Minuten. Er ist Praktikant im Ressort Politik.
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