Trump verhängt Zölle: Schweizer Firmen unter Druck, Jobs in Gefahr?

Publiziert24. Juli 2026, 13:15

Grosse Unsicherheit«Zermürbend»: Müssen Schweizer wegen Zöllen um ihren Job bangen?

Die neuen Zölle auf Schweizer Importe in die USA und mögliche weitere Zölle sorgen für Unsicherheit. Die Situation setzt Firmen und Angestellten gleichermassen zu.

Fabian Pöschl

Darum gehts

US-Präsident Donald Trump hat in der Nacht auf Freitag neue Zölle verhängt, wegen angeblich ungenügender Massnahmen gegen Zwangsarbeit. Auf Schweizer Importe in die USA gilt neu ein Zoll von 12,5 Prozent für die meisten Produkte. Für die EU sind es 10 Prozent.

Was bedeuten die schlechteren Bedingungen für Schweizer Exportfirmen und die Schweizer Wirtschaft? Sind jetzt Jobs bedroht? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was bedeuten die Zölle für den Schweizer Jobmarkt?

Tausende Angestellte in Exportbetrieben fragen sich, wie es weitergeht, heisst es bei der Arbeitnehmenden-Organisation Angestellte Schweiz. Die Angestellten fragten sich, ob die Aufträge versiegen, Investitionen verschoben werden und ihr Arbeitsplatz langfristig gesichert sei. Erst recht, wenn der Betrieb bereits in Kurzarbeit sei.

Wenn niemand wisse, wie sich der wichtigste Exportmarkt entwickelt, verschiebe man persönliche Pläne, sorge sich um die Zukunft und verliere das Vertrauen darin, das eigene Berufsleben noch planen zu können. «Das Hin und Her bei den Zöllen führt zu grosser Unsicherheit, die zermürbt», sagt Sprecherin Tanja Tanneberger zu 20 Minuten. Unternehmen müssten deshalb ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihren Plänen teilhaben lassen und transparent kommunizieren, wie es um sie steht.

Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin, bleibt mit Blick auf den Arbeitsmarkt auch im Falle von höheren Zinsen zuversichtlich. «Die Zinsdifferenz zum Euro-Raum weitet sich aus und es wird im Moment keine grossen Kapitalzuflüsse in die Schweiz geben. Das spricht gegen einen stärkeren Franken und hilft den Exportfirmen auch in Zukunft», sagt Junius zu 20 Minuten.

Wie gehst du damit um, wenn Unsicherheit dein Berufsleben beeinflusst?

Ich versuche, proaktiv zu sein und mich auf Veränderungen vorzubereiten.

Ich bleibe ruhig und vertraue darauf, dass sich eine Lösung findet.

Es macht mich nervös und ich mache mir viele Gedanken.

Ich spreche mit Kollegen oder Vorgesetzten darüber.

Ich bin es gewohnt, dass sich die Bedingungen ändern, das gehört dazu.

Mein Berufsleben ist von solchen Einflüssen kaum betroffen.

Ich bin nicht berufstätig.

Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor und Leiter Wirtschaftspolitik des Tech-Industrie-Verbands Swissmem, sieht ebenfalls keine Jobkrise kommen. «Unsere Firmen sind es gewohnt, Krisen zu managen.» Die Schweizer Politik müsse dafür aber für gute Rahmenbedingungen sorgen. «Wenn Länder wie die USA sich abschotten, ist es wichtig, dass sich neue Märkte öffnen.» Dafür müsse die Politik neue Freihandelsabkommen vereinbaren und damit Zölle abbauen.

Was sind die Folgen für die Schweizer Wirtschaft?

Schweizer Firmen sind zwar benachteiligt, der geringe Unterschied spielt aber keine grosse Rolle im Konkurrenzkampf mit der EU, sagt Sarasin-Chefökonom Junius. Weil sich der Schweizer Franken in den letzten Monaten abgeschwächt hat, profitierten Schweizer Exportfirmen und könnten die höheren Zölle kompensieren.

Gut für die Schweizer Wirtschaft sei auch, dass es weiterhin Ausnahmen gibt, etwa für Pharmaprodukte. Denn die Pharmaindustrie ist mit einem Anteil von rund 50 Prozent aller Gesamtausfuhren mit Abstand die wichtigste Exportbranche der Schweiz.

Viel grösser als die Zollunterschiede sei die Gefahr durch die Unsicherheit. Denn die Trump-Regierung prüft zusätzliche Zölle wegen industrieller Überkapazitäten. «Firmen hätten lieber höhere Zölle und dafür Gewissheit, damit sie endlich planen und kalkulieren können. Solange Trump Präsident ist, wird es keine Sicherheit geben», sagt Junius.

Auch Swissmem-Vizedirektor Kohl sieht die Ungewissheit als Hauptproblem. Das schrecke auch Kunden in den USA ab und habe auch im zweiten Quartal für rückläufige Exportzahlen in der Branche geführt. «Das Risiko besteht, dass wir wieder viel höhere Zölle haben im Vergleich zu anderen Ländern. Dann werden wir noch mehr benachteiligt», sagt Kohl.

Wie gehen Firmen mit den Zöllen um?

Die Unternehmen werden versuchen, die Zölle auf die US-Kunden zu überwälzen, falls das möglich ist, sagt Kohl. «Im schlimmsten Fall übernehmen Unternehmen die Zölle auf die eigene Marge, um keine Kunden zu verlieren.

Was sagt die Wirtschaft gegen die Vorwürfe der Zwangsarbeit?

Die Begründung, dass die Schweiz zu wenig gegen Zwangsarbeit unternehmen, sei absurd, sagt Kohl. In der Tech-Industrie stammten die Zulieferer in der Regel aus der EU, die keine Probleme mit Zwangsarbeit kenne. «Zudem habe die Schweiz bereits, was die USA fordert. Wir nennen es einfach anders. Die Schweizer Unternehmen müssen Sorgfalts- und Berichterstattungspflichten zu Konfliktmineralien und Kinderarbeit einhalten.»

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Fabian Pöschl

Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft