ZDF-Sommerinterview: Söder verteidigt den Kabinettumbau von Merz

Markus Söder sieht die Verantwortung für die aktuellen Probleme bei der Umbildung des Bundeskabinetts nicht bei Friedrich Merz. »Wenn man mit jemandem am Abend ausmacht, dass er kommt, und dann in der Früh um vier Uhr hört, dass es nicht klappt, das macht es manchmal nicht leichter. Da liegt also die Verantwortung sicher nicht beim Bundeskanzler«, sagte der bayerische Ministerpräsident im ZDF-Sommerinterview. Das hätte sich »der Kollege« vorher überlegen sollen.

Söder reagierte damit auf die Vorgänge rund um die Besetzung des Verkehrsministeriums. Merz möchte im Zuge der Neuaufstellung des Kabinetts seinen Parteifreund Patrick Schnieder als Verkehrsminister entlassen. Doch zunächst kam es nicht dazu, der als Nachfolger vorgesehene CDU-Finanzexperte Fritz Güntzler sagte dem Kanzler kurzfristig ab.

Söder stellte sich hinter die Entscheidung von Merz, das Kabinett nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) größer umzubauen. »Also ich fand, dass es angemessen der Situation ist und eines Bundeskanzlers. Der Bundeskanzler muss Entscheidungen treffen, die sind gar nicht leicht. Das ist wie beim Fußballtrainer, der muss ein- und auswechseln«, sagte Söder.

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Das Verkehrsministerium sei eine große Herausforderung, »weil da viele Milliarden endlich verbaut werden müssen«. Infolge der Absage des Wunschkandidaten gebe es jetzt zwar »ein bisschen Zeitverzögerung, am Ende kommt es darauf an, wie die Gesamtlösung ist«.

Söder wurde vom ZDF-Journalisten Wulf Schmiese in Tutzing am Starnberger See interviewt. Er trug das Hemd aufgeknöpft und einen Trachtenjanker.

Die Aufzeichnung fand statt, bevor am Sonntagabend der im Kabinettsgerangel beschädigte Verkehrsminister Patrick Schnieder ankündigte, nun seinerseits Merz um seine Entlassung bitten zu wollen.

»Mit diesem Schritt ziehe ich die Konsequenzen aus den Entwicklungen der vergangenen Tage und will zugleich den unwürdigen Zustand beenden, der die notwendige sachliche Arbeit unmöglich macht«, so Schnieder in einer Erklärung. (Mehr zu Schnieders Entscheidung und seinem möglichen Nachfolger lesen Sie hier.)

Für Merz fand Söder im Sommerinterview nur positive Worte. Die bisher bekannten, vom Kanzler initiierten Personalwechsel – Nina Warken wird neue Kanzleramtschefin, Carsten Linnemann Gesundheitsminister und Thorsten Frei Unionsfraktionschef – finde er »sehr gut«, betonte Söder.

Lobend äußerte er sich auch zur bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Er bezeichnete sie als »sehr gute Kandidatin« für das Amt des ​Bundespräsidenten. Wenn er einen Namen erwähne, dann gehe er »zwingend« davon aus, dass die Person auch geeignet sei, fügte Söder mit Blick auf eine frühere Erwähnung Aigners für diesen Posten hinzu . »Ich glaube, sie wäre eine sehr gute Kandidatin. Sie ​würde auch für Deutschland was bringen.«

Schmiese und Söder in Tutzing: »Wenn die Partei und die Wähler das wollen, ja gern«

Schmiese und Söder in Tutzing: »Wenn die Partei und die Wähler das wollen, ja gern«

Foto: Nadine Rupp / ZDF / dpa

Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz hatte angekündigt, dass die Frage der Nachfolge von ‌Präsident Frank-Walter Steinmeier im letzten ​Quartal 2026 geklärt werde. ‌Dazu müssen sich zunächst die Parteichefs von CDU und ‌CSU ​absprechen. Bisher beharrt die CDU auf ihrem Vorschlagsrecht. Als andere mögliche Kandidatinnen waren bisher Familienministerin ​Karin Prien, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner ⁠und die Chefin der Konrad-Adenauer-Stiftung, Annegret ​Kramp-Karrenbauer (alle ​CDU), genannt worden.

Über seine persönliche Lebensplanung gab Söder in der Sendung ebenfalls Auskunft: So bestätigte er, dass er 2028 erneut als Spitzenkandidat der CSU bei der Landtagswahl antreten wolle und wies Kritik an seiner Person zurück. »Wenn die Partei und die Wähler das wollen, ja gern«, ‌sagte der CSU-Chef. Er bestritt den Eindruck, dass die CSU eine herbe Schlappe bei den Kommunalwahlen habe einstecken müssen. Es stimme, dass man in einigen Landkreisen verloren habe. Aber die CSU habe insgesamt das gleiche ​Ergebnis wie bei den vorigen Wahlen erzielt und einige Städte überraschend dazugewonnen.