Riesen-Zoff um neue Regel am Urlaubsstrand – „Sehe das Meer nicht mehr“

Wut im Portugal-Urlaub: Neue Strand-Regel sorgt für heftigen Zoff – „Sehe das Meer nicht mehr“

Stand: 18.07.2026, 18:00 Uhr

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Sonnenschirm-Streit in Portugal: Eine neue Regelung erlaubt Gratis-Schirme direkt vor Badebuden – und bringt zahlende Urlauber auf die Palme.

Nazaré  – Wer im Sommer nach Portugal fährt, erwartet Sonne, Atlantik und Erholung. Was viele Urlauber stattdessen erleben, ist Streit – und zwar direkt am Strand. Eine Klarstellung der Umweltministerin hat eine Debatte ausgelöst, die längst nicht mehr nur juristisch ist. Sie trifft einen Nerv, der tiefer reicht: Wer darf eigentlich wie viel vom öffentlichen Strand beanspruchen – und zu welchem Preis?

Portugal Sonnenschirme

In Portugal gibt es bestimmte Zonen, in denen das Aufstellen privater Sonnenschirme untersagt ist. © Jean-Christophe Bott/picture alliance/dpa

Der Auslöser klingt zunächst harmlos. Umweltministerin Maria da Graça Carvalho erläuterte, was das portugiesische Recht schon immer vorsah: Privat mitgebrachte Sonnenschirme dürfen überall dort aufgestellt werden, wo keine Konzessionsfläche oder Sicherheitszone ausgewiesen ist. Was als Klarstellung gedacht war, entpuppte sich als Zündschnur. Denn jahrzehntelang galt am portugiesischen Strand eine ungeschriebene Regel – und die hat die Ministerin mit wenigen Sätzen außer Kraft gesetzt.

Neue Strand-Regel in Portugal: Sonnenschirm-Freiheit trifft auf Frust der zahlenden Urlauber

Konkret geht es um die Zonen vor den lizenzierten Strandbuden. Bislang war es gängige Praxis, dass eigene Sonnenschirme dort nicht aufgestellt werden durften – unmittelbar vor den gemieteten Badebuden blieb der Blick aufs Meer frei. Nun ist das anders. Wer keinen Platz mietet, darf seinen Schirm trotzdem aufschlagen. Allerdings nur, sofern er sich innerhalb der öffentlichen Zone befindet, nicht in der konzessionierten Fläche selbst.

Für diejenigen, die für ihre Strandbude bezahlen, ist das schwer zu ertragen. Regina Almeida, Feriengast im mittelportugiesischen Badeort Nazaré, zeigte sich im SRF empört: „Von meiner Badebude aus sehe ich das Meer nicht mehr. Alles ist voller Sonnenschirme.“ Und weiter: „Während wir hier teuer bezahlen, zahlen die mit ihren Sonnenschirmen gar nichts!“

Ihre Nachbarin Maria Luisa Ramos, die nach eigenen Angaben rund 97 Euro pro Woche für ihre Bude zahlt, zog daraus eine klare Konsequenz: „Dann bringe ich das nächste Mal einen Sonnenschirm mit und mache es mir am Meer bequem. Bürgermeister Serafim Silva hält die aktuelle Debatte für unangebracht, man habe in Nazaré schließlich „lange Stränge mit viel Platz“ für alle.

Polizei musste eingreifen: An der Algarve eskalierte der Streit am Strand

Während in Nazaré die Lage vergleichsweise ruhig blieb, kam es an anderen Küstenabschnitten zu handfesteren Konflikten. Vor allem an der Algarve, Portugals bekanntester Ferienregion und laut den World Travel Awards 2025 weltweit bestes Ziel für Strandurlaub, musste die Polizei stellenweise einschreiten, um aufgebrachte Badegäste und Konzessionsinhaber zu trennen.

Die Betreiber der Strandbuden stehen besonders unter Druck. Sie investieren erhebliche Summen in ihre Lizenzen und tragen zugleich die Kosten für die Rettungsschwimmer an den Badestränden. Dass nun Besucher ohne jede Gebühr den besten Platz einnehmen können, empfinden viele als wirtschaftliche Bedrohung.

Um weiteren Konflikten vorzubeugen, stellte die portugiesische Regierung laut euronews an den Zugängen zu Stränden in der Algarve und an der Alentejo-Küste offizielle Strandkarten auf. Sie zeigen auf einen Blick, wo private Sonnenschirme erlaubt sind und wo nicht – inklusive Sperrzonen rund um Rettungsposten, Dünen und Fußwege. Mancherorts können sich die Zonengrenzen durch Gezeiten täglich verschieben; QR-Codes an Strandeingängen sollen dann tagesaktuelle Informationen liefern.

Griechenland geht einen anderen Weg: 251 Strände komplett gesperrt

Portugal ist nicht das einzige Mittelmeerland, das den Umgang mit seinen Küsten neu regelt, auch wegen des Massentourismus. Griechenland hat für das Jahr 2026 die Zahl seiner sogenannten „Apatites Paralies“ – der unberührten Strände – auf 251 ausgeweitet. An all diesen Orten sind Liegestühle, Sonnenschirme und jede Form kommerzieller Nutzung vollständig untersagt.

Der Hintergrund ist ernst: Knapp 38 Millionen Touristen besuchten Griechenland im vergangenen Jahr – das Dreieinhalbfache der eigenen Bevölkerungszahl. Auf Rhodos kommen statistisch 117 Übernachtungsgäste auf jeden Einwohner. Santorini und Mykonos stoßen in den Sommermonaten regelmäßig an die Grenzen ihrer Strom-, Wasser- und Müllentsorgungskapazitäten. Die Regierung plant daher zusätzlich eine Obergrenze für Bettenkontingente auf den am stärksten frequentierten Inseln. (Quellen: SRF, Euronews) (jaka)