Selenskyj will nach Explosionen bei Kyjiw Manager abstrafen
Zerstörte Gebäude in Wyschnewe bei Kiew (6. Juli) Foto: Volodymyr Tarasov / Ukrinform / IMAGO
Bei einem russischen Raketenangriff gingen vor einigen Tagen nahe Kyjiw Munitionslager in die Luft. Nun will der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die verantwortlichen Manager bestrafen. Es sei eindeutig verboten gewesen, Depots in der Stadt Wyschnewe anzulegen, »doch all diese Vorschriften wurden missachtet«, klagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Dabei gebe es genügend Plätze in der Ukraine, um solche Depots in sicherer Entfernung von Wohnhäusern aufzubauen.
Laut Selenskyj waren für den Verstoß gegen die Sicherheitsvorschriften Leiter zweier Staatsbetriebe verantwortlich. Gegen sie und andere Manager werde ermittelt.
Das russische Militär hatte in der Nacht zum 6. Juli einen massiven Angriff mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern auf die Ukraine gestartet. Ziel war neben Kyjiw auch die Stadt Wyschnewe unmittelbar westlich der ukrainischen Hauptstadt. Durch den Einschlag und die Folgeexplosionen kamen in Wyschnewe nach Behördenangaben neun Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Wegen der andauernden Explosionsgefahr mussten die Behörden Hunderte Anwohner evakuieren. Tagelang kämpften die Einsatzkräfte gegen die Flammen.
Neue russische Attacken
Russland startete am Samstag weitere Angriffe mit Raketen, Drohnen und Lenkbomben. Dabei wurden nach ukrainischen Angaben acht Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Staatschef Selenskyj erklärte via X, Russland habe sein Land in der Nacht mit mehr als 120 Drohnen und zwölf Raketen angegriffen. Er appellierte an die USA, die zugesagte Lizenz zur Herstellung von Patriot-Abwehrsystemen rasch zu erteilen (mehr hier ).
»Zivile Infrastruktur wurde getroffen, bevor Luftalarm ausgerufen wurde«, erklärte Selenskyj. Die ukrainische Armee habe bei den landesweiten Angriffen die meisten Geschosse abgefangen, »nur nicht die ballistischen«.
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Das Patriot-System spielt eine wichtige Rolle beim Schutz ukrainischer Städte und Infrastruktur – insbesondere vor ballistischen Raketen. Nato-Staaten haben der Ukraine mehrere Patriot-Systeme zur Verfügung gestellt, bislang liefern sie ihr auch die Raketen. Zuletzt gingen die ukrainischen Bestände jedoch zur Neige. Die Flugabwehr hatte daher erhebliche Probleme beim Abfangen der Raketen.
US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch bei einem Treffen mit Selenskyj am Rande des Nato-Gipfels in der türkischen Hauptstadt Ankara bekannt gegeben, sein Land werde der Ukraine »das Recht geben, Patriots herzustellen«. Selenskyj sagte am Donnerstag, es seien noch technische Details zu klären.
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Bei den Angriffen vom Samstag schlugen russische Raketen zum zweiten Mal binnen einer Woche in der Ukraine ein, bevor der Luftalarm aktiviert wurde. Serhij Sternenko, ein Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums, erklärte, dies könne darauf zurückzuführen sein, dass die russische Armee Flugabwehrraketen vom Typ S-400 für Angriffe am Boden eingesetzt habe. Derartige Angriffe seien schwerer von Radarsystemen zu orten, erläuterte der Experte im Onlinedienst Telegram.
hda/dpa/AFP