WM 2026 - Traumtore und VAR-Zoff: England stoppt Norwegens Höhenflug

Jude Bellingham

Matchwinner Bellingham Traumtore und VAR-Zoff: England stoppt Norwegens Höhenflug

Stand: 12.07.2026 • 01:46 Uhr

Dieses Viertelfinale zwischen Norwegen und England war längst nicht nur das Duell der beiden Torjäger Erling Haaland und Harry Kane. Die packende Partie bot neben Traumtoren auch VAR-Zoff und eine Kuriosität, die mit der Spider-Cam zu tun hatte.

Von Johannes Holbein

Der herausragende Akteur war Englands Jude Bellingham: In der Verlängerung war er nach einem Fehler von Norwegens Torhüter Örjan Nyland gedankenschnell und schob den Ball zum 2:1-Endstand über die Linie (93.). Sein sechster Turniertreffer. Bereits in der regulären Spielzeit hatte der Mittelfeldspieler von Real Madrid England mit einer sehenswerten Einzelaktion zum 1:1 zurück ins Spiel gebracht (45. +2). Andreas Schjelderup war zuvor für die Norweger ein traumhafter Schlenzer gelungen (36.).

Doch die Zuschauerinnen und Zuschauer in Miami sahen nicht nur beeindruckende Tore, sondern auch absolut kuriose Szenen, die für jede Menge Gesprächsstoff sorgten.

Tuchel lobt Bellingham

England-Coach Thomas Tuchel fand für Bellinghams Leistung nur ein Wort: "Weltklasse." Insgesamt war er allerdings nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft. "Wir hatten Glück", sagte er und kritisierte, dass sich sein Team das Leben selbst schwergemacht habe. "Wir haben schlampig und langsam gespielt, viele Fehler gemacht." Überzeugt habe ihn vor allem die Einstellung seiner Spieler. "Das war pure Mentalität."

Traumtor von Schjelderup bringt Norwegen in Front

Wie spektakulär die Partie werden würde, war zunächst nicht absehbar. Die erste halbe Stunde dieses Viertelfinals war zäh. Norwegen stand tief, England hatte meist den Ball, ohne gefährlich zu werden. Ob die Hitze in Miami oder der gegenseitige Respekt dafür ausschlaggebend waren?

Jedenfalls schalteten die Norweger plötzlich einige Gänge höher. Ins Rampenlicht rückten allerdings weder Haaland noch Kane, sondern: Schjelderup, Norwegens linker Offensivspieler, den Trainer Stale Solbakken anstelle von Leipzigs Antonio Nusa in die Startelf rotierte. Nach einem Ballverlust von Kane im Mittelfeld setzte Martin Ödegaard Schjelderup an der linken Strafraumkante in Szene. Der Flügelspieler zog etwas überraschend mit links ab und traf den Ball perfekt, so dass er vom rechten Innenpfosten ins Netz prallte (36.). Ein Traumtor.

Zwei Vorlagen gegen Brasilien im Achtelfinale, gegen England trifft Schjelderup dann selbst traumhaft.

Bellingham trifft herausragend zum Ausgleich

Die Partie nahm an Fahrt auf. Alexander Sörloths Volleyschuss flog knapp drüber (40.). Eine Kontersituation spielte der norwegische Stürmer nicht gut aus, weil er es selbst probierte, anstatt den besser positionierten Haaland zu bedienen (43.). Norwegen drängte auf den zweiten Treffer - doch der fiel auf der anderen Seite.

Bellingham, durch ein flaches Zuspiel von Anthony Gordon eingesetzt, nahm den Ball perfekt mit dem ersten Kontakt in den Strafraum mit und traf am Fünfmetereck per Linksschuss zum 1:1 (45. +2). Zwei herausragende Aktionen prägten die erste Hälfte.

Englands Jude Bellingham setzt sich stark durch und trifft zum 1:1.

VAR-Stress wegen Spider-Cam beim 1:1

Extrem kurios: In der Entstehung hatte Norwegens Torhüter Nyland mit einem Abstoß die Aufhängung einer Spider-Cam touchiert, die Flugbahn des Balles wurde dadurch beeinflusst. Hätte diese Szene abgepfiffen werden müssen, weil England davon profitierte? Ein irreguläres Tor? Die FIFA stellte noch während des Spiels klar, dass der Sensor im Ball keinen "Herzschlag" gezeigt habe, "es gibt daher keinen Beweis, dass der Ball das Kabel berührt und die Bewegung des Balls verändert hat." Die Norweger hatten sich beschwert.

Beinahe wäre es für sie noch bitterer gekommen, weil Kane im Torjägerduell vorlegte: Bei seinem Lupfer zum vermeintlichen 2:1 stand er allerdings im Abseits (45.+5).

Norwegen trifft - VAR schreitet ein

Thomas Tuchel brachte nach der Halbzeit Bukayo Saka und Eberechi Eze für Noni Madueke und Declan Rice - offenbar versprach er sich mehr Tempo und Offensivpower. Es waren aber die Norweger, die die Partie dominierten und für den nächsten Höhepunkt sorgten. Nach einer Ecke stocherten sie den Ball zu Torbjörn Heggem, der ihn über die Linie drückte (55.).

Doch dann wurde es abermals kurios: Weil Haaland seinen Gegenspieler Elliot Anderson zuvor leicht umgestoßen hatte, schaute sich Schiedsrichter Clement Turpin aus Frankreich die Szene am Bildschirm an. Seine Entscheidung: kein Tor. Aber: Die Norweger durften die Ecke wiederholen, weil das Foul im Vorfeld des Eckballs stattgefunden hatte. Eine Situation, die für Gesprächsstoff sorgen wird.

Und diese Partie hatte noch mehr zu bieten: etwa die nächste große Chance für Norwegen. Innenverteidiger Kristoffer Ajer kam nach einer Ecke zum Kopfball, der Ball landete auf der Latte. England erneut im Glück (76.).

Bellingham dreht das Spiel in der Verlängerung

Wer sollte das bessere Ende für sich haben? Schwer abzusehen in der Schlussphase der Partie, in der beide Teams ihre offensiven Momente und ihre defensiven Unsicherheiten hatten. Das Spiel ging in die Verlängerung. Und England schockte die Norweger oder besser gesagt: Norwegen schockte sich in gewisser Weise selbst. Torhüter Nyland konnte einen Distanzschuss von Morgan Rogers nur nach vorne abprallen lassen, Bellingham war zur Stelle und brachte England in Führung (93.).

Nyland patzt, Bellingham ist zur Stelle und sorgt für englische Ekstase.

Längst nicht der Schlusspunkt eines dramatischen K.o.-Spiels. Wieder einmal rückte der VAR in den Mittelpunkt: Im Zweikampf mit Oscar Bobb ging Englands Djed Spence im Strafraum zu Boden. Schiedsrichter Turpin entschied erst auf Elfmeter, wurde dann aber vom VAR an den Bildschirm geschickt und korrigierte seine Entscheidung. Kein Elfmeter, Norwegen blieb im Spiel. Allerdings nicht Torjäger Haaland, der in der Pause der Verlängerung ausgewechselt wurde. Für ihn war es das erste Spiel der laufenden WM, in dem er nicht traf.

England verpasste es, die Partie endgültig zu entscheiden. Pechvogel Nyland parierte gegen Spence und Saka zwei Mal glänzend und bewies, was für ein herausragender Torhüter er sein kann und in diesem Turnier war (110.). Und den Norwegern fehlte in den entscheidenden Momenten die Präzision. Es blieb beim 2:1. England feierte, Norwegen weinte.

Halbfinalgegner Argentinien oder Schweiz

Der Gegner der "Three Lions" im Halbfinale am Mittwoch (21 Uhr) wird dann entweder Argentinien oder die Schweiz sein. Für die Norweger bleibt nach einer beeindruckenden WM ein bitterer Makel: Sie haben weiterhin noch kein WM-Spiel gegen ein europäisches Team gewinnen können.

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