Wimbledon: Sinner zu stark - Zverev verliert umkämpftes Finale

Alexander Zverev und Jannik Sinner geben sich nach dem Spiel die Hand

Niederlage trotz Satzführung Sinner zu stark - Zverev verliert umkämpftes Wimbledon-Finale

Stand: 12.07.2026 • 21:13 Uhr

Alexander Zverev hat seinen ersten Triumph beim Rasenklassiker in Wimbledon verpasst. Im Finale verlor der Hamburger trotz Satzführung gegen den Weltranglistenersten Jannik Sinner nach vier Durchgängen mit 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6 und 4:6.

Von Nicolas Herold

Zverev verpasste es damit, nach Boris Becker (1985, 1986, 1989) und Michael Stich (1991) der dritte Deutsche zu werden, der im Herren-Einzel das bedeutendste Tennis-Turnier der Welt für sich entscheiden konnte. "Jannik hat auch heute gezeigt, warum er der beste Spieler der Welt ist. Glückwunsch an dich, Jannik. Trotzdem waren die letzten zwei Monate für mich unglaublich", erklärte Zverev nach der Niederlage.

Zverev holt ersten Satz im Tiebreak

Schon im ersten Satz schenkten sich beide nichts. Bis zum Tiebreak gab es lediglich einen Breakball - für Sinner. Der Südtiroler vergab jedoch eine einfache Rückhand, was sich später im Durchgang rächen sollte. Im entscheidenden Tiebreak ließen beide Spieler bis zum 8:7 aus Sicht des Hamburgers bei eigenem Aufschlag gar nichts zu, dann sicherte sich Zverev mit einer krachenden Vorhand den ersten Durchgang nach mehr als einer Stunde.

Direkt nach dem Satzgewinn folgte der erste emotionale Ausbruch des Deutschen, der in die Partie mit der Horror-Bilanz von neun Niederlagen in Serie gegen den Südtiroler gestartet war. Es sollte nicht der letzte Ausbruch gewesen sein an diesem sonnigen und heißen Nachmittag im Südwesten Londons.

Sinner schlägt in Satz zwei zurück

Durchgang Nummer zwei unterschied sich überhaupt nicht von Nummer eins. Break-Möglichkeiten waren vor den Augen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) weit und breit nicht zu sehen, sowohl Sinner als auch Zverev servierten sicher und mit enormer Präzision. Wieder musste der Tiebreak entscheiden, wieder dauerte der Satz mehr als eine Stunde.

Im Gegensatz zum ersten Satz war dieser Tiebreak deutlich einseitiger. Sinner zeigte sich hochkonzentriert und führte rasch mit 4:0. Ein Vorsprung, den sich der Südtiroler nicht mehr nehmen ließ. Nach mehr als zwei Stunden ging dieses Wimbledon-Finale von vorne los.

Charlotte und Friedrich Merz in der Royal Box

Dritter Satz als Vorentscheidung

Der dritte Durchgang geriet dann zur Vorentscheidung. Beide Kontrahenten schenkten sich nichts, servierten mit beeindruckender Konstanz. Beim Stand von 3:3 hatte der Hamburger dann seinen ersten Breakball überhaupt, Sinner konnte diesen abwehren, auch weil Zverev auf dem Rasen ausrutschte.

Ein Schreckmoment - der den Hamburger neben dem Spiel auch ein wenig die Konzentration kostete. Im Anschluss daran verlor der 29-Jährige als erster Spieler in diesem Finale sein Service. Da Sinner im Anschluss konzentriert ausservierte, war das eine verlorene Aufschlagspiel gleichbedeutend mit dem 3:6-Satzverlust. Zverevs Schläger flog auf den Rasen, die erste echte negative Emotion des Deutschen.

Nach dem dritten Satz wurde Alexander Zverev mehr und mehr ratlos.

Erster Matchball gleich verwandelt

Sinner war nun nicht nur vom Spielstand her in Front. Auch mental tat dem Südtiroler die 2:1-Satz-Führung sichtlich gut. Beim Stand von 3:3 erspielte er sich die nächsten Breakbälle und griff beherzt zu - die Vorentscheidung. Zverev begann zu hadern und fand keinen Weg mehr zurück in den vierten Durchgang. Nach 3:45 Stunden verwandelte Sinner seinen ersten Matchball zu seinem zweiten Wimbledon-Triumph.

Nach seinem Matchball ließ sich Jannik Sinner auf den Rasen fallen.

Trotz der Final-Niederlage ist Zverev nun der 13. Spieler der Herren-Profi-Ära überhaupt, der bei allen vier Grand-Slam-Turnieren im Finale stand. Zudem hat der Hamburger durch den Final-Einzug in Wimbledon bewiesen, dass er auf allen Belägen die Chance hat, um die großen Titel zu spielen.

Sinner-Lob für Zverev

"Du warst heute so nah dran. Wenn du so weiterspielst, bin ich sehr sicher, dass du diesen auch zu Hause haben wirst", erklärte Sinner mit Blick auf den goldenen Pokal in seinen Händen in Richtung Zverev: "Ich weiß, eins deiner Ziele ist, Nummer eins der Welt zu werden. Du bist sehr nah dran. Wir müssen sehr vorsichtig sein."

Als Trostpreis darf sich der Hamburger zumindest über den Sprung auf Rang zwei der Weltrangliste, der ihm mit dem Einzug in das Endspiel gelungen war, und über ein stattliches Preisgeld in Höhe von umgerechnet 2,11 Millionen Euro freuen. Mutmacher, die Zverev an diesem Sonntag trotzdem wahrscheinlich erst einmal nicht helfen werden.