Willy Millowitsch: Der Kölner, den ganz Deutschland liebte

Stand: 22.07.2026, 21:35 Uhr

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Schauspieler Willy Millowitsch zwischen den kölschen Figuren Tünnes und Schäl in der Kölner Altstadt.

Schauspieler Willy Millowitsch zwischen den kölschen Figuren Tünnes und Schäl in der Kölner Altstadt im Jahr 1997. © IMAGO

Graue Haare, dickes Brillengestell, eine Stimme, die schon vor der Pointe zum Lachen bringt. So ist Willy Millowitsch (†90) immer noch in Erinnerung.

Köln – Schauspieler, Regisseur, Sänger, Theaterdirektor – Willy Millowitsch war das alles gleichzeitig, und trotzdem lässt sich sein Wirken kaum in Berufsbezeichnungen fassen. Er wurde zur Ikone einer ganzen Stadt, zum Synonym für rheinischen Singsang und Frohsinn, in der ganzen Republik bekannt. Im September 1999 starb er im Alter von 90 Jahren. Ein Rückblick von yeswe.koeln.

Vom Puppenspieler zum Familienoberhaupt

Bei einem Presse-Hausbesuch schaut Millowitsch seiner Tochter Katarina beim Klavierspielen zu.

Bei einem Presse-Hausbesuch schaut Millowitsch seiner Tochter Katarina beim Klavierspielen zu. © IMAGO/Wolfgang Kühn

Die Millowitschs spielten Theater, lange bevor Willy überhaupt geboren wurde. Sein Urgroßvater unterhielt mit einem Stockpuppentheater die Wartenden an der Deutzer Schiffsbrücke, während sie auf die Öffnung der Brücke warteten. Erst der Großvater traute sich, echte Schauspieler statt Puppen auf die Bühne zu stellen. 1936 zog die Familie an die Aachener Straße, dorthin, wo bis heute das Millowitsch-Theater steht.

Die Schule interessierte den kleinen Willy nie besonders. Mit dreizehn schmiss er sie hin, ohne Abschluss, und ging dorthin, wo für ihn schon immer das echte Leben stattfand: auf die Bühne seines Vaters. Mit gerade einmal 31 Jahren übernahm er 1940 dann auch offiziell die Leitung. Es sollte kein ruhiger Antritt werden: Im Krieg musste das Ensemble als Fronttheater durch das besetzte Belgien und Frankreich ziehen. Das Kölner Haus überstand die Bombenangriffe fast unbeschadet – und Konrad Adenauer, damals Kölner Oberbürgermeister, ließ die Bühne bereits im Oktober 1945 wieder öffnen. Bis 1949 gab es täglich Vorstellungen.

Der Auftritt, der ihn bundesweit bekannt macht

Millowitsch mit Heinz Erhardt (l.) und Gila von Weitershause in „Charley‘s Onkel“ im Jahr 1969.

Millowitsch mit Heinz Erhardt (l.) und Gila von Weitershause in „Charley‘s Onkel“ im Jahr 1969. © IMAGO

Am 27. Oktober 1953 übertrug der NWDR das Stück „Der Etappenhase“ aus dem Millowitsch-Theater live im Fernsehen – die erste Live-Übertragung eines Theaterstücks in der deutschen Fernsehgeschichte überhaupt. Über Nacht kannte ganz Deutschland den Namen Millowitsch. Willy stand fortan gemeinsam mit seiner Schwester Lucy auf der Bühne, die beiden galten als Traumbesetzung für streitlustige, temperamentvolle Paare. Ihr Genre: der derb-komische Schwank, laut, direkt, ohne Anspruch auf Feinsinn – aber genau damit eroberten sie das Land.

Vom Ulk-Willy zum ernsten Schauspieler

Willy Millowitsch mit Tochter Mariele (l.), Schwiegertochter Barbie  und Sohn Peter 1985 auf der Bühne.

Willy Millowitsch mit Tochter Mariele (l.), Schwiegertochter Barbie und Sohn Peter 1985 auf der Bühne. © IMAGO

Jahrzehntelang wollte das Publikum nur eines von ihm sehen: den polternden Frohsinn, den Willy, der in Unterhosen über die Bühne stolpert oder eine melkende Zenzi gibt. Er spielte neben Romy Schneider in „Scampolo”, tauchte sogar neben Chevy Chase in einer amerikanischen Komödie „Hilfe die Amis kommen“ auf.

Erst spät ließ man ihn auch anders. 1980 gab er Molières Herrn Jourdain, später den Totengräber im „Hamlet“ am Bonner Theater – Rollen, mit denen selbst kritische Theaterkenner ihn ernst nahmen. Berühmter wurde eine andere Rolle: der knurrige „Kommissar Klefisch", den er von 1990 bis 1996 im WDR spielte.

Der Bronze-Willy in der Altstadt

Der Bronze-Willy am Willy-Millowitsch-Platz in der Kölner Altstadt.

Der Bronze-Willy am Willy-Millowitsch-Platz in der Kölner Altstadt. © IMAGO/Horst Galuschka

1989 machte ihn die Stadt Köln zum Ehrenbürger, 1994 bekam er das Große Bundesverdienstkreuz. 1992 stellte man ihm ein Denkmal am Eisenmarkt hin: Willy Millowitsch, sitzend auf einer Bank, für immer in Bronze gegossen. Seit 2014 steht das auf dem Willy-Millowitsch-Platz in der Altstadt.

Als er 1999 mit 90 Jahren starb, hielt ein Weihbischof die Trauermesse im Kölner Dom – eine Ehre, die sonst fast nur kirchlichen Würdenträgern zuteilwird. Der Trauerzug zum Melatenfriedhof wurde von Zehntausenden gesäumt und hielt vor seinem Theater an der Aachener Straße zwei Minuten inne. Der WDR übertrug live. Ein letzter Applaus für den Mann, der Köln jahrzehntelang zum Lachen brachte.