Wiener Grüne verlangen mehr Aufklärung in Causa Marktamtschef

MA 59

Vorwürfe von Rassismus, Sexismus und Mobbing gegen den Beamten wurden bekannt

21. Juli 2026, 13:11

Wien – Nach den massiven Vorwürfen gegen den ehemaligen Leiter der Wiener Magistratsabteilung 59 (Marktamt), Andreas Kutheil, haben die Wiener Grünen am Dienstag mehr Aufklärung verlangt. In einer schriftlichen Anfrage an Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) will die Fraktion wissen, "wer, was, wann gewusst hat", so Vorsitzender Peter Kraus bei einer Pressekonferenz. In der Causa rund um den Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck verlangten die Grünen dessen Rücktritt.

Gegen Kutheil waren in den vergangenen Tagen Vorwürfe von Rassismus, Sexismus und Mobbing medial bekannt geworden, die dazu führten, dass er sein Amt zurücklegte. "Was in der MA 59 passiert ist, ist kein Einzelfall einer Person, sondern das Symptom eines Systems. Das Problem ist nicht nur der Abteilungsleiter, bei dem viele Missstände eindeutig belegt sind. Das Problem ist, dass ein ganzes System weggeschaut hat", kritisierte Kraus.

Den Wiener Grünen zufolge dürften nicht nur die Neos seit Juni über die Missstände gewusst haben, sondern seit geraumer Zeit auch die Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) und damit auch Ludwig. Mit der schriftlichen Anfrage will die Fraktion dies nun klären. "Es stellen sich viele personal- und disziplinarrechtliche Fragen, die endlich klar und transparent geklärt werden müssen", sagte Personalsprecherin Barbara Huemer. Damit derartige Fälle künftig besser verhindert werden können, verlangte sie die Einrichtung einer unabhängigen Beschwerdestelle für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Wien.

Ein Mann steht an einem Rednerpult im Wiener Rathaus und spricht in ein Mikrofon. Im Hintergrund ist die detailreiche Holzvertäfelung des Saals zu sehen.
"Was in der MA 59 passiert ist, ist kein Einzelfall einer Person, sondern das Symptom eines Systems", kritisierte der Wiener Grünen-Vorsitzende Peter Kraus.

Missbrauch durch Männernetzwerke

Angesichts der Vorwürfe von Machtmissbrauch und Sexismus rund um den Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck verlangten die Wiener Grünen dessen Rücktritt. Es dürfe nicht sein, dass "Männernetzwerke demokratische Institutionen für ihre eigenen Interessen missbrauchen", so Frauensprecherin Julia Malle. Ruck müsse ebenfalls persönliche Konsequenzen ziehen und zurücktreten.

In der Causa kritisierten sie auch die Nähe Rucks zur Wiener SPÖ und besonders zu Bürgermeister Ludwig. Allerdings vernahm Malle nun nur "ein lautes Schweigen" seitens der SPÖ. Vor allem die Frauenstadträtin Elke Hanel-Torsch müsse sich wegen der kolportierten sexistischen Äußerungen des Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten zu Wort melden. "Gerade vor dem Hintergrund eines modernen Frauenbildes, das die SPÖ nach außen vermitteln möchte, sind die geschilderten Vorgänge beschämend", so Malle. (APA, 21.7.2026)