Weltkonferenz: Xi wirbt für KI als Chance für Entwicklungsländer
Wie Xi Jinping Schwellen- und Entwicklungsländer für seine KI-Politik gewinnen will
An der von China initiierten Weltkonferenz für künstliche Intelligenz plädiert Chinas Staats- und Parteichef für eine KI-Governance. Sie soll sowohl Chancen als auch Sicherheitsaspekte der neuen Technologie berücksichtigen.
17.07.2026, 13.23 Uhr
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Angebote an den globalen Süden: Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping bei der Eröffnung der Weltkonferenz für künstliche Intelligenz in Schanghai.
Ng Han Guan / Pool via Getty
Wie meistens an multilateralen Anlässen schlug Xi Jinping auch bei der Eröffnung der Weltkonferenz für künstliche Intelligenz in Schanghai den ganz grossen historischen Bogen. «Die Welt sieht sich mit Veränderungen konfrontiert, wie es sie seit einem Jahrhundert nicht mehr gegeben hat», rief Chinas Staats- und Parteichef am Freitag dem Publikum zu. Die wachsende Bedeutung von KI gehört für Xi zu diesen Veränderungen.
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«Die globale Entwicklung von KI ist in eine Phase nie da gewesener Aktivität eingetreten», sagte Chinas Staatschef, «dies birgt grosse Chancen, aber auch grosse Herausforderungen für die Governance.»
Bis Sonntag wollen Abgesandte aus 29 Ländern über die Folgen der rasanten Entwicklung der künstlichen Intelligenz für die internationale Gemeinschaft beraten. Peking hatte die Konferenz initiiert; zu den Besuchern zählen vor allem Vertreter des Technologiesektors des globalen Südens sowie Regierungsabgesandte aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Unter ihnen sind der kasachische Präsident Kasym-Schomart Tokajew und die Regierungschefs von Kambodscha und Thailand. Vertreter westlicher Konzerne und Regierungen waren nicht anwesend.
Balance zwischen Entwicklung und Sicherheit
Xi gerierte sich einmal mehr als Anwalt und Wohltäter weniger entwickelter oder abgehängter Staaten. KI müsse ein öffentliches Gut bleiben und in erster Linie den Menschen zugutekommen, sagte Xi und versprach, China werde weiterhin auf Open-Source-Modelle setzen. Gleichzeitig müsse die Politik die richtige Balance zwischen «Entwicklung und Sicherheit» finden.
Erst vergangene Woche hatten chinesische Regierungsvertreter hochrangigen Abgesandten hiesiger Tech-Konzerne signalisiert, sie hätten künftig den Zugang für Ausländer zu ihren KI-Modellen einzuschränken. Peking befürchtet Risiken für die nationale Sicherheit. Dazu könnten Cyberangriffe aus dem Ausland mithilfe chinesischer KI-Modelle gehören. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuerst über das Treffen berichtet.
Xi skizzierte in Schanghai vier sehr allgemein gehaltene Eckpunkte, an denen sich eine globale KI-Governance auszurichten habe. Zunächst müssten Offenheit und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure nach dem «Win-win-Prinzip» gewährleistet sein. Länder sollten die Chancen nutzen und bei KI auf Open-Source-Entwicklungen setzen.
Des Weiteren müsse das Risikobewusstsein gestärkt werden, so dass KI sicher und «unter Kontrolle» bleibe. Regierungen rund um den Globus hätten rechtliche und regulatorische Rahmen sowie Kontrollmechanismen und Frühwarnsysteme zu entwickeln, die den Missbrauch der neuen Technologie verhindern.
Xi Jinping bei der Weltkonferenz für künstliche Intelligenz.
Reuters
Versprechen an den «globalen Süden»
Ferner machte sich Xi in seinem Vortrag dafür stark, dass künstliche Intelligenz den Dialog und das gegenseitige Verständnis unterschiedlicher Kulturen und Zivilisationen befördert. Schliesslich gelte es, dafür zu sorgen, dass der sogenannte globale Süden im Zuge der KI-Revolution nicht abgehängt werde.
Es sind dies alles Punkte, denen sich zunächst wohl niemand entgegenstellen mag. Wie eine globale und vor allem langfristig wirksame Umsetzung ohne eine Beteiligung europäischer Staaten und der Tech-Nation USA aussehen könnte, ist allerdings unklar.
So zielt die Weltkonferenz für künstliche Intelligenz denn auch wohl vor allem darauf ab, dass China Sympathien unter Schwellen- und Entwicklungsländern gutmacht. Auf diese Weise will China im Rennen mit den USA um die technologische Vorherrschaft Freunde und Verbündete gewinnen.
Eine neue Organisation für KI-Governance
Xi machte den Besuchern aus dem globalen Süden darum auch eine Reihe von Versprechen. So will Peking 5000 KI-Ausbildungsplätze für Teilnehmer aus Entwicklungsländern schaffen. Darüber hinaus will China in Südostasien, den arabischen Ländern sowie in Afrika und Lateinamerika sogenannte Zentren für die Anwendung und Kooperation bei KI gründen.
Auch um der amerikanischen Dominanz bei der Entwicklung und Governance von KI etwas entgegenzusetzen, gründeten am Vorabend der Konferenz 29 Länder unter der Federführung Chinas die Weltorganisation für die Zusammenarbeit bei künstlicher Intelligenz (Woica). Zu den teilnehmenden Staaten gehören neben Russland und Pakistan auch Laos und Indonesien. Die Woica wird in Schanghai ansässig sein.
In vielen Ländern fallen solche Angebote auf fruchtbaren Boden. Gemäss einer neuen Umfrage des Pew-Research-Instituts sehen viele Länder China inzwischen positiver als die USA. Und zwar nicht nur Schwellen- und Entwicklungsländer.
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