Wie viele Tassen Kaffee Sie täglich brauchen, um Ihre Leber zu schützen

Stand: 28.07.2026, 06:30 Uhr

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Da eine neue Studie den Konsum unseres liebsten Muntermachers mit einem geringeren Risiko für Leberzirrhose in Verbindung bringt, erfahren Sie hier, wie Sie die Vorteile ausschöpfen können.

München – Wissenschaftler entdecken zunehmend, dass Kaffee verschiedene Teile unseres Körpers stärken kann, vom Darm bis zum Gehirn. Doch einige der deutlichsten Vorteile betreffen die Leber, ein lebenswichtiges, aber empfindliches Organ, das wir zum Filtern von Schadstoffen und Medikamenten aus dem Blut sowie zum Speichern wichtiger Vitamine und Mineralstoffe benötigen.

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Dieser Artikel von David Cox entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk

Eine neue Studie, die 355.000 Erwachsene im Vereinigten Königreich über 13 Jahre hinweg verfolgte, hat ergeben, dass Menschen, die am meisten Kaffee konsumierten – fünf oder mehr Tassen pro Tag –, ein deutlich geringeres Risiko für Leberzirrhose (fortgeschrittene Vernarbung der Leber) und Leberkrebs hatten.

Kaffee kann einige Teile unseres Körpers stärken.

Kaffee kann einige Teile unseres Körpers stärken. ©  IMAGO / Bihlmayerfotografie

Bluttests zeigten sogar höhere Werte von Proteinen, die mit einer gesunden Leberfunktion in Verbindung stehen. Hinzu kommt ein aktueller Bericht der American Heart Association, demzufolge bis zu fünf normal große Tassen Kaffee pro Tag (bis zu 400 mg Koffein) für die meisten Erwachsenen sicher sind – unser Lieblingsmuntermacher wirkt damit gesünder denn je.

Die Ergebnisse wecken besonderes Interesse bei Forschern, weil es so aussieht, als könnte Kaffeekonsum vor der Entwicklung einer Fettleber schützen – einer der sich weltweit am schnellsten ausbreitenden chronischen Erkrankungen, die in manchen Fällen letztlich zu Leberkrebs führen kann.

Fettleber und Leberkrebs sind auf dem Vormarsch

Schätzungen zufolge könnte im Vereinigten Königreich jeder dritte Erwachsene irgendeine Form von Fettleber haben, während in Europa die Zahl der Todesfälle durch Leberkrebs seit dem Jahr 2000 um 50 Prozent gestiegen ist. „Diese Form der Lebererkrankung entwickelt sich typischerweise, weil sich Fett in der Leber ansammelt, das die Leber als fremd wahrnimmt“, sagt Hyunseok Kim, Assistenzprofessor für Medizin an der Cedars-Sinai Health Sciences University, der die jüngste Studie leitete.

„Die Leber greift das Fett an, was Entzündungen verursacht, und wenn diese anhalten, führt dies zu fortschreitender Vernarbung, die wiederum als Nährboden dienen kann, damit Leberkrebs entsteht“, erklärt Kim. Es scheint, dass Kaffee diesen Prozess unterbrechen und zudem andere Erkrankungen verlangsamen könnte.

Warum Kaffee so gut für Ihre Leber ist

Wenn Jonathan Dranoff, Professor für Medizin an der Yale University, Patienten mit Anzeichen einer Fettleber sieht, gibt er vier Empfehlungen: mehr Bewegung, weniger Zucker und raffinierte Kohlenhydrate, Alkohol reduzieren oder ganz darauf verzichten – und mehr Kaffee trinken. „Ich verschreibe tatsächlich therapeutischen Kaffee für Menschen, die gefährdet sind“, sagt Prof. Dranoff.

Ende der 1980er Jahre fanden norwegische Wissenschaftler heraus, dass Menschen mit höherem Kaffeekonsum geringere Werte von drei wichtigen Leberenzymen aufweisen – ein Zeichen dafür, dass ihre Leber weniger belastet ist.

Neben dem Schutz vor Vernarbung und Krebs scheint Kaffeetrinken sogar das Fortschreiten der Erkrankung bei Menschen mit Hepatitis C zu verlangsamen, einer durch Blut übertragenen Virusinfektion, die Leberentzündungen verursacht. Die populärste Erklärung bezieht sich auf Koffein, ein starkes Stimulans mit vielen Wirkungen.

Studien haben gezeigt, dass Koffein bei Menschen mit Fettleber die Leber schützen kann, indem es die Bildung von Narbengewebe verhindert. Diese Koffein-Theorie wird durch Untersuchungen gestützt, denen zufolge Menschen, die Tee als bevorzugtes Heißgetränk trinken – mit deutlich weniger Koffein –, offenbar nicht denselben Schutz für die Leber erhalten.

Mehr als nur Koffein: Pflanzliche Stoffe im Kaffee

Doch dies scheint nicht die ganze Geschichte zu sein. Neben Koffein enthält Kaffee mindestens 100 verschiedene Pflanzenstoffe, die die körpereigenen antioxidativen Abwehrmechanismen der Leber anregen und Leberzellen vor Schäden schützen. Die Cedars-Sinai-Studie zeigte, dass Menschen, die täglich mehrere Tassen entkoffeinierten Kaffee konsumierten, ebenfalls einen gewissen Schutz der Leber zu haben schienen.

Mehr Kaffeekonsum könnte der Leber auch zugutekommen, indem er den Darm in verschiedener Hinsicht positiv beeinflusst. Übermäßige Mengen an Alkohol, Zucker und gesättigten Fetten fördern das Wachstum krankmachender Bakterien im Darm und lösen lokale Entzündungsreaktionen aus, die die Darmwand durchlässiger machen. In der Folge gelangen vermehrt Mikroben in den Blutkreislauf und lösen eine systemische Entzündungsreaktion aus, die die Leber schädigt.

Es scheint, dass Kaffee eine beruhigende Wirkung auf den Darm haben und das Wachstum nützlicher Bakterien fördern kann. Die pflanzlichen Inhaltsstoffe im Kaffee könnten die Zusammensetzung der Darmflora verbessern und dadurch Entzündungen reduzieren.

Wie viele Tassen Kaffee sind ideal für die Leber

Wie viel Kaffee für Sie sinnvoll ist, hängt stark davon ab, wie gut Sie Koffein vertragen – ein Stimulans, das nicht für jeden geeignet ist, weil Menschen es je nach genetischer Ausstattung unterschiedlich verstoffwechseln. Schwangere und stillende Frauen sollten nicht mehr als 200 mg Koffein pro Tag zu sich nehmen.

Becher mit Kaffee und Herzmuster im Milchschaum.

Kaffee kann die Herzgesundheit sogar fördern – bei einer bestimmten Verzehrmenge. © picture alliance/dpa | Michael Brandt

Wenn Sie größere Koffeinmengen gut vertragen und keine Nebenwirkungen wie Nervosität, Schlaflosigkeit oder Herzrhythmusstörungen bemerken, empfiehlt Dranoff, zwischen zwei und vier normal großen Tassen Kaffee (etwa 200 ml) täglich zu trinken – mit bis zu 90 mg Koffein pro Tasse. Kim ist der Ansicht, dass der maximale Leberschutz bei fünf Tassen Kaffee pro Tag liegen könnte, basierend auf seinen aktuellen Daten.

„Über fünf Tassen hinaus flachte der Lebereffekt ab, während Menschen möglicherweise Herzklopfen bekommen oder andere Organe unter dem Koffein leiden könnten“, sagt er. „Für mich liegt der ideale Bereich zwischen drei und fünf Tassen am Tag.“

Was bringt entkoffeinierter Kaffee

Insgesamt gibt es die meisten Belege für koffeinhaltigen Kaffee. Doch Kims Studie zeigt, dass auch entkoffeinierte Varianten die Leber unterstützen können und eine gute Alternative für alle sind, die unter zu viel Koffein leiden oder an Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen erkrankt sind. Für diese Menschen ist es möglich, die Lebergesundheit zu verbessern, indem sie drei bis fünf Tassen entkoffeinierten Kaffee pro Tag trinken.

Einige der günstigsten Arten, Kaffee zu konsumieren, könnten zugleich die effektivsten sein. Wenn Dranoff therapeutischen Kaffee empfiehlt, rät er zu Filterkaffee – etwa aus der Pressstempelkanne oder durch langsames Aufgießen von heißem Wasser über Kaffeepulver in einem Papierfilter. Er ist zudem überzeugt, dass Instantkaffee ähnliche Vorteile bietet.

Einige Studien deuten darauf hin, dass weder Espresso noch Americano beim Schutz vor dem Fortschreiten der Fettleber so günstig sind. Eine Untersuchung ergab, dass Filterkaffee die Vernarbung der Leber zu stoppen schien, während Espressotrinken diesen Effekt nicht zeigte.

Ein Teil des Unterschieds könnte am geringeren Koffeingehalt liegen: Eine 60-ml-Tasse Espresso enthält etwa 80 mg Koffein, während eine 230-ml-Tasse Filterkaffee je nach Bohnenart und Brühzeit zwischen 115 und 175 mg enthält.

Welche Kaffeeart und Zubereitung am besten ist

Wenn Sie Espresso lieben, empfiehlt Dranoff, die Wirkung zu verstärken, indem Sie einen Americano wählen – dieser wird mit einem doppelten Espresso zubereitet und enthält daher mehr Koffein. Derzeit spricht die stärkste Evidenz jedoch für Filter- oder Instantkaffee. Ein Schuss Milch für zusätzlichen Geschmack gilt ebenfalls als unproblematisch.

Forscher stehen populären Milchshake-ähnlichen Kaffeegetränken jedoch äußerst skeptisch gegenüber – Kreationen, die nicht nur aus gerösteten Bohnen bestehen, sondern auch große Mengen Milch, Sahne und Zucker enthalten, etwa ein Frappuccino. In solchen Fällen gehen sie davon aus, dass der hohe Kaloriengehalt die gesundheitlichen Vorteile des eigentlichen Kaffees eindeutig zunichtemacht.

Espresso ist ein beliebter Muntermacher.

Espresso ist ein beliebter Muntermacher. © picture alliance/dpa/dpa-tmn | Christin Klose

In seiner Studie stellte Kim fest, dass Menschen, die ihren Kaffee süßen – ob mit Zucker oder künstlichen Süßstoffen – offenbar mehr Leberentzündungen hatten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie Ihr Leben lang nur schwarzen Kaffee trinken müssen. Dranoff sagt, ein wenig Süße schade nicht, solange sie in Maßen genossen werde.

„Es klingt ein bisschen nach Mary Poppins, aber wenn jemand einen Löffel Zucker oder etwas Milch braucht, um die ‚Medizin‘ herunterzubekommen, halte ich das für in Ordnung.“