Wie René Schimanek trotz Urteil wegen Wiederbetätigung von der FPÖ versorgt wird
Wie René Schimanek trotz Urteil wegen Wiederbetätigung von der FPÖ versorgt wird
2025 schied der Ex-Stadtrat von Langenlois als Büroleiter von Rosenkranz aus, 2026 wurde er wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt, einen blauen Job hat er weiter, andere mussten gehen
14. Juli 2026, 17:58
Ein Jahr bedingte Haft wegen NS-Wiederbetätigung: Dieses rechtskräftige Urteil ist selbst in der FPÖ ein politisches Problem - zumindest nach außen. Er werde aus der Partei austreten und als Stadtrat in Langenlois zurücktreten, kündigte deshalb René Schimanek nach seiner Verurteilung im März 2026 noch im Gerichtsgebäude in Krems vor Medien an.
Er wurde verurteilt, weil er die Todesanzeige seines Vaters einschlägig gestaltet hatte. Als Stadtrat ist er tatsächlich zurückgetreten.
Blaue Karriere
Doch hat Schimanek wirklich alle Verbindungen zur FPÖ gekappt, für die er seit Jahrzehnten tätig war – etwa als Bürochef von Nationalratspräsident Walter Rosenkranz oder einst als Kabinettschef von Verkehrsminister Norbert Hofer?
Recherchen des STANDARD zeigen: Nein. So soll Schimanek schon vergangenes Jahr im Freiheitlichen Bildungsinstitut (FBI) angedockt haben. Damals legte er, angeblich freiwillig, seinen Posten bei Rosenkranz zurück. Tatsächlich wurden kurz zuvor E-Mails bekannt, die Schimanek mit seinem älteren Bruder Hans Jörg Schimanek junior, der im Februar ebenfalls wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt wurde, und deutschen Rechtsextremen und Neonazis ausgetauscht hatte. Gezeichnet hatte er diese unter anderem mit "Üblicher Gruß".
Terrorverdacht
Zu Hausdurchsuchungen und Ermittlungen gegen beide Brüder war es gekommen, weil zwei Söhne von Hans Jörg Schimanek in Dresden mit der Gruppe "Sächsische Separatisten" seit Anfang des Jahres unter Terrorverdacht vor Gericht stehen.
Der Weggang von René Schimanek als Büroleiter von Rosenkranz ging 2025 durch alle Medien. Etwas anderes aber bisher überhaupt nicht: Schimanek wurde offenbar umgehend mit einem Job im Freiheitlichen Bildungsinstitut (FBI) versorgt.
Der Geschäftsführer des FBI, Fritz Simhandl bestätigte diese Information auf STANDARD-Anfrage: "Rene Schimanek ist Mitarbeiter des Freiheitlichen Bildungsinstituts und hat sich als solcher keinerlei Fehlverhalten geleistet. Auch die Verurteilung aufgrund der Parte seines verstorbenen Vaters hat nichts mit seinem Dienstverhältnis zum FBI zu tun."
Das heißt, selbst nach seiner Verurteilung wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung im März 2026 gab es für das Bildungsinstitut keinen Grund, sich von Schimanek zu trennen.
Subsahara-Afrika
Obmann des Freiheitliches Bildungsinstituts ist Axel Kassegger, der sich als Nationalratsabgeordneter als Obmann der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Österreich–Subsahara-Afrika als passionierter Afrikareisender hervortat. Als außenpolitischer Sprecher der FPÖ musste er aber wegen der von ihm mitorganisierten Visite des Ex-Abgeordneten Johannes Hübner und des FPÖ-Urgesteins Andreas Mölzer bei den Taliban in Afghanistan zurücktreten.
Seit 2022 ist Kassegger auch Obmann der Grazer Stadtpartei, wo die seit Jahren mit einem Finanzskandal beschäftigte Partei zuletzt bei der Grazer Wahl am 28. Juni hinter ihren Erwartungen blieb.
René Schimanek war in dieser Legislaturperiode der erste freiheitliche Mitarbeiter im Parlament, der für viel Kritik sorgte. Er sollte freilich nicht der letzte bleiben.
Nach einer Recherche des STANDARD und des ORF Report Ende April wurden die (teils früheren) Führungskader der Identitären Bewegung, die bei Nationalratsabgeordneten tätig sind, zum Thema. Einer davon, G.S., wird verdächtigt, an einer Gewaltattacke auf einen Taxifahrer in Leoben beteiligt gewesen zu sein.
Mitarbeiter-Kehraus
Sein Dienstverhältnis soll am 22. Juni, zwei Tage nach dem Vorfall in Leoben, beendet worden sein. Aber auch sonst ist offenbar seit Wochen der große Kehraus bei blauen Mitarbeitern im Parlament im Gange. Auch ein weiterer Identitärer soll plötzlich nicht mehr für den Abgeordneten Maximilian Weinzierl, den Chef der blauen Jugend, arbeiten.
Weiterhin im Parlament beschäftigt wird allerdings Fabian R., ein Identitärer der ersten Stunde. Fotos zeigen ihn, wie er 2016 in Graz an einer Auseinandersetzung mit Antifaschisten samt Teleskopschlagstock beteiligt war. Die Causa wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt.
Ein weiterer FPÖ-Mitarbeiter sorgte in den vergangenen Tagen für Aufsehen: Antonio Morelli. Er zerstörte ein Kunstprojekt des jüdischen Künstler Alon Ishay, das dieser neben dem Lueger-Denkmal in Wien installiert hatte. Fotos belegen, wie Morelli ein Banner herunterreißt und es in seine Studentenverbindung, die K.Ö.St. Frankonia, verbringt. Interne Dokumente des Parlaments belegen, dass Morelli im FPÖ-Klub beschäftigt ist.
"Falsche Seite"
Unmittelbar nach Berichten über das zerstörte Kunstprojekt und seine Involvierung löschte Morelli viele Informationen von seinen Social Media-Profilen. Er soll sich auch bei einer christlich-extremistischen Gesellschaft engagieren.
Der grüne Abgeordnete Lukas Hammer hatte die Vorfälle am Lueger-Denkmal scharf verurteilt und sagt am Dienstag: "Nach den Identitären-Skandalen ist das der nächste Skandal im Umfeld des FPÖ-Parlamentsklubs. Wer Kunst zerstört, die an Antisemitismus erinnert, stellt sich auf die falsche Seite der Geschichte und zeigt einmal mehr, dass sich die FPÖ nicht von ihren braunen Wurzeln lösen kann." (Colette M. Schmidt, Fabian Schmid, 15.7.2026)