Wie halten Wälder dem Klimawandel stand?
Stand: 13.07.2026, 17:00 Uhr
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Rund 40 Interessierte beteiligten sich an Rundgang und Arboretum-Führung mit den Grünen und dem Pflanzenspezialisten Olaf Schachtschneider.
Hockensberg – Wie können Wälder den Folgen des Klimawandels standhalten? Und welche Baumarten haben unter veränderten Bedingungen eine Zukunft? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Veranstaltung „Natur im Klimawandel“ der Dötlinger Gruppe von Bündnis 90/Die Grünen. Rund 40 Interessierte waren bei bestem Sommerwetter auf den Hof der Familie Martens in Hockensberg gekommen, um sich vor Ort über zukunftsfähige Waldbewirtschaftung und klimaresistente Gehölze zu informieren.
Nach der Begrüßung durch Marcus Martens führte der erste Teil der Veranstaltung in einen nur wenige hundert Meter entfernten Privatwald. Bereits beim Betreten war der Unterschied deutlich spürbar. „Der Wald kühlt sich runter und ist zudem ein Staubfilter“, erklärte der Hofbesitzer und machte damit auf die wichtige Bedeutung von Wäldern für das lokale Klima aufmerksam.

Anhand des dreieinhalb Hektar großen Waldes erläuterte Martens dessen wechselvolle Geschichte. Ursprünglich habe es sich um eine Heidefläche gehandelt, die Ende des 19. Jahrhunderts mit Kiefern aufgeforstet worden sei. Aufgrund der sandigen Böden sei eine landwirtschaftliche Nutzung kaum möglich gewesen. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs seien die Kiefern durch Splitterbomben weitgehend zerstört worden. Anschließend habe man vorwiegend Amerikanische Roteichen und Fichten gepflanzt – eine Kombination, die sich langfristig als wenig günstig erwiesen habe.
Martens verwies auf die besonderen Standortbedingungen der Wildeshauser Geest. Zwar falle dort jährlich durchschnittlich rund 750 Millimeter Niederschlag. Das entspricht 750 Litern pro Quadratmeter. Dieser konzentriere sich inzwischen jedoch überwiegend auf die Wintermonate. Gefragt seien deshalb Baumarten, die mit langen Trockenperioden umgehen könnten und ihre Wurzeln durch die bis zu zwei Meter starke Sandschicht bis in tiefere Bodenschichten treiben. Die Amerikanische Roteiche erfülle diese Voraussetzungen ebenso wie die Douglasie, die sich trotz ihres flachen Wurzelsystems als vergleichsweise klimaresistent erwiesen habe.
Arboretum nur selten öffentlich zugänglich
Anschließend öffnete Gärtnermeister Olaf Schachtschneider sein nur selten zugängliches Arboretum. Auf einer Fläche von rund einem Hektar wachsen dort etwa 1.000 verschiedene Baumarten von nahezu allen Kontinenten. Für seinen Vortrag stellte sich Schachtschneider auf eine Trittleiter, damit ihn alle Teilnehmer gut sehen konnten. „Ich reise gerne und kehre von einer Reise niemals ohne einen neuen Baum zurück“, sagte er schmunzelnd.
Das Arboretum sei zugleich Sammlung und Freilandversuch. Immer wieder werde geprüft, welche Gehölze mit den sich wandelnden Klimabedingungen zurechtkämen. „In Zukunft reden wir nicht mehr von 700 bis 800 Millimetern Niederschlag, sondern eher von 1.000 bis 1.200 Millimetern – allerdings an immer weniger Tagen im Jahr“, erklärte Schachtschneider. Der früher typische Landregen werde zunehmend durch kurze, heftige Starkregen ersetzt. „Das müssen die Baumarten abkönnen. Wir haben welche ins Land geholt, die Trockenheit richtig gut vertragen, dafür aber keine Nässe.“ Manche Bäume überstünden diesen Praxistest deshalb nicht. Pflanzen, die sich am Standort nicht bewährten, nehme er konsequent nicht in das Sortiment seines Gartencenters auf.
Zahlreiche ungewöhnliche Fakten
Während des Rundgangs erfuhren die Besucher zahlreiche ungewöhnliche Fakten. So komme die weltweit seltenste Pflanzenart in Deutschland vor, und die artenreichste europäische Baumgattung sei die Eberesche, von der im Arboretum zahlreiche Vertreter wachsen. Schachtschneider warb für einen differenzierten Blick auf die Diskussion um heimische und nicht heimische Pflanzen. Viele der unterschiedlichen Ebereschenarten seien im Landkreis Oldenburg ebenfalls nicht ursprünglich zu Hause. Statt pauschaler Forderungen nach mehr ortsansässigen Pflanzen wünsche er sich ein vielfältiges Miteinander geeigneter Arten. Gleichzeitig betonte er die Verantwortung des Gartenbaus. Pflanzen, die sich als problematisch für die heimische Natur erwiesen, müssten aus dem Sortiment verschwinden. Als Beispiel nannte er den Sommerflieder.

Immer wieder nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, Fragen zu stellen und ihre Erfahrungen einzubringen. Beim anschließenden gemeinsamen Ausklang im Spieker auf dem Hof der Familie Martens wurden die Gespräche bei kühlen Getränken und Grillbratwürsten fortgesetzt. Die Veranstaltung machte deutlich, dass der Klimawandel längst auch in den Wäldern der Region angekommen ist – und die Suche nach geeigneten Lösungen bereits begonnen hat.