Wie die Welt ohne Mond wäre
Gedankenexperiment
Der heutige Internationale Tag des Mondes erinnert an die erste bemannte Mondlandung im Jahr 1969. Der Mond ist aber weitaus mehr als eine Destination für Astronauten: Gäbe es ihn nicht, würde sich die Erde radikal verändern – und mit ihr das Leben auf dem Planeten.
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Dass der 2021 von der UNO ins Leben gerufene Mondtag auf einen Montag fällt, ist Zufall. Er wird jährlich am 20. Juli begangen, jenem Tag, an dem Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin die Landefähre „Eagle“ auf der Mondoberfläche aufsetzten. Armstrongs Satz vom kleinen Schritt, der für die Menschheit ein großer sei, fiel wohl nicht ganz spontan. Kurz zuvor hatte er – nicht minder zitabel – zur Erde gefunkt: „Houston, hier ist Tranquility Base. Der Adler ist gelandet!“
3.476 Kilometer beträgt der Durchmesser des Mondes, sein Bahnradius ist etwa zehn Mal so groß. Während er um die Erde kreist, zeigt er uns immer die gleiche Seite, unter wechselnden Positions- und Lichtverhältnissen bekanntlich. Diese Mondphasen sind es, die sich tief in unsere Existenz eingeprägt haben, von Schlaf- und Menstruationszyklen über den Kalender bis hin zu den Leuchterscheinungen der Mythologie: Selene, die Göttin des Mondes, heißt übersetzt „die Strahlende“.
Folge einer Katastrophe
Was wäre, wenn es den Mond nicht gäbe? Die Frage ist gar nicht so weit hergeholt. In Urzeiten hatte die Erde nämlich gar keinen Mond. Dieser entstand erst vor 4,5 Milliarden Jahren, als die junge Erde mit einem etwa Mars-großen Planeten, Theia genannt, kollidierte. Eine globale Katastrophe, die alles Leben zunichte gemacht hätte, wäre es damals schon auf der Erde vorhanden gewesen.
Tatsächlich ist es umgekehrt: Langfristig hat der Mond die Bedingungen auf unserem Planeten stabilisiert und die Entstehung von Leben wohl unterstützt. Etwa dadurch, weil das Auf und Ab der Gezeiten zur Anreicherung von Molekülen in porösem Gestein führen kann. Die allerersten Lebensformen sind mit großer Wahrscheinlichkeit nicht im Freiwasser der Ozeane entstanden, sondern in küstennahen Hohlräumen, die nach Austrocknung immer wieder geflutet wurden.
Würde der Mond von jetzt auf gleich verschwinden, wäre eine unmittelbare Folge: deutlich geringe Gezeiten. Sowie ein deutlich dunklerer Nachthimmel, inklusive weitreichender Wirkungen auf die Ökosysteme. Die Fortpflanzung von Korallen wäre gestört, Eulen, Fledermäuse und Insekten hätten es schwerer, sich zu orientieren und die Blüh- und Wachstumsrhythmen von Pflanzen gerieten aus dem Takt. Langfristig wären die Folgen viel dramatischer: Der Mond stabilisiert die Erdachse – fiele dieser Faktor weg, käme Planet Erde häufiger und stärker ins Schlingern.
Welt ohne Menschen
Das würde die Jahreszeiten massiv verändern und zu klimatischen Extremen führen, mit Eiszeiten und tropischen Verhältnissen an den Polen. Das könnte so weit gehen, dass tierisches Leben auf unserem Planeten langfristig gar nicht mehr möglich wäre, aber das ist nur eines von vielen Szenarien. Von Exoplaneten weiß man jedenfalls: Ein Mond kann für lebensfreundliche Bedingungen sorgen, sofern die „Abstimmung“ mit dem Planeten passt. Im Fall der Erde passt es offenbar.
Käme der Erde der Mond abhanden, hätte das auch Konsequenzen für die Tageslänge. Das zeigen etwa die Verhältnisse in der Erdfrühzeit. Vor 1,4 Milliarden Jahren hatte der Tag bloß 18 Stunden. Warum? Weil die sogenannte Gezeitenreibung die Erdrotation verlangsamt. Die Tage werden also immer länger, derzeit um 0,000013 Sekunden pro Jahr.
Das Gedankenexperiment lässt sich auch in einer historischen Variante durchspielen, im Sinne von: Der Mond verschwindet nicht, es hat ihn vielmehr niemals gegeben. Es gibt Forscher, die sagen, dann wäre gar kein Leben auf der Erde entstanden. Zumindest ist davon auszugehen, dass sich unter diesen Bedingungen ganz andere Lebensformen gebildet hätten. Jedenfalls keine Menschen. Was für eine Welt das wäre, ohne „Dark Side of the Moon“, „De la Terre à la Lune“ und „mondbeglänzte Zaubernacht“ – die Frage wäre müßig. Man möchte sich fast bedanken beim Mond, dass sie es nicht ist.