Weiterer Migrant in den USA von ICE-Beamten erschossen
"Die getötete Person war nicht diejenige, nach der sie suchten", sagte der parteilose Senator Angus King aus dem Bundesstaat Maine dem Sender CNN unter Berufung auf das US-Heimatschutzministerium und bestätigte damit Medienberichte. Es ist bereits der zweite tödliche Vorfall mit Beamten der Einwanderungsbehörde der Vereinigten Staaten ICE binnen einer Woche.
Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft von Maine sollte am Montag in der Stadt Biddeford ein Abschiebungsbescheid durchgesetzt werden. Als der Verdächtige versucht habe, mit einem Auto in Richtung eines ICE-Beamten zu fliehen, habe dieser das Feuer eröffnet. Der Mitarbeiter sei suspendiert worden. Laut Senator King trugen die beteiligten Beamten wohl keine Körperkameras.
Ein Sprecher der Einwanderungsbehörde bestätigte die tödlichen Schüsse. Der Beamte habe "aus Sorge um die öffentliche Sicherheit" auf das Auto des fliehenden Mannes geschossen. "Der Fahrer des Fahrzeugs wurde getroffen, und die Rettungskräfte wurden sofort alarmiert", sagte der ICE-Sprecher. "Er erlag seinen Verletzungen."
Entsetzte Reaktionen
Lokalen Bürgerrechtsorganisationen zufolge handelt es sich bei dem Getöteten um einen 26 Jahre alten Mann aus Kolumbien. Er habe eine Aufenthaltserlaubnis in den USA gehabt.
In der 23.000-Einwohner-Stadt Biddeford protestierten nach dem Zwischenfall zahlreiche Menschen gegen das Vorgehen der Einwanderungsbehörde. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie "ICE raus" und "Mörder".

"Klare Antworten" verlangte der Bürgermeister von Biddeford, Liam LaFountain. Auch Maines Gouverneurin Janet Mills von den Demokraten äußerte sich entsetzt über den Vorfall. Das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde nannte sie unter Verweis auf die zu diesem Zeitpunkt noch unbestätigten Medienberichte "rücksichtslos" und "planlos".
Vierter Fall in diesem Jahr
Die demokratische Kongressabgeordnete Chellie Pingree sagte: "Uns liegen Berichte vor, dass die Familie des Opfers den Vorfall möglicherweise miterlebt hat - darunter auch ein dreijähriges Kind." Der Fall müsse gründlich und transparent untersucht werden.
Es handelt sich bereits um den vierten Todesfall bei einem Einsatz der Bundesbehörde seit Jahresbeginn. Vor einer Woche hatte ein ICE-Mitarbeiter in Houston im Bundesstaat Texas bei einer Fahrzeugkontrolle einen Mexikaner niedergeschossen. Der Mann erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.
gri/AR (afp, kna, dpa)