Wegen explodierender Werkstattkosten: Allianz will Autos reparieren lassen statt Teile zu tauschen
Stand: 17.07.2026, 13:13 Uhr
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Der Versicherer Allianz sieht allein bei defekten Scheinwerfern ein Einsparpotenzial von über 100 Millionen Euro, wenn diese repariert würden...
München – Angesichts rasant gestiegener Werkstattkosten hat der Versicherer Allianz seine Forderung bekräftigt, Schäden am Auto nach einer Panne zu reparieren, anstatt das defekte Teil auszuwechseln.
Weil in Deutschland Pflicht zur Reparatur fehlt: „komplettes Ding wird weggeschmissen“
„In Deutschland gibt es keine Pflicht zur Reparatur, also wird ausgetauscht“, sagte der Chef der Allianz Versicherungs-AG, Frank Sommerfeld, gestern in Unterföhring im Landkreis München. Die Allianz schätzt, dass in Deutschland jedes Jahr 870.000 Scheinwerfer beschädigt werden. „Bei jedem kleinen Schaden im Scheinwerfer wird das komplette Ding weggeschmissen“, kritisierte der Manager. Schäden wie Parkplatzrempler machten einen Großteil der Regulierungen in der Kfz-Versicherung aus.
Zahlen des Allianz Zentrums für Technik (AZT) in Ismaning zeigen: Kostete ein Frontscheinwerfer in Deutschland im Jahr 2015 im Schnitt noch 708 Euro, lag der Preis 2025 bei 1251 Euro – eine Verteuerung um 77 Prozent. Bei zehn Prozent aller Scheinwerferdefekte sei allerdings eine Reparatur statt eines Tausches möglich, schätzt das AZT. Demnach ergibt sich daraus ein Einsparpotenzial von etwa 4000 Tonnen CO₂ sowie rund 104 Millionen Euro.
Zwar äußerte Sommerfeld Verständnis dafür, dass speziell die deutschen Hersteller angesichts der aktuellen Absatzkrise auf das lukrative Geschäft mit Ersatzteilen nicht verzichten wollen, gleichzeitig wirft er ihnen vor, das Recht auf Reparatur nicht ernst zu nehmen. Insbesondere bei teuren Fahrzeugkomponenten werde keine Reparaturmöglichkeit angeboten. „Am Ende zahlt das der Verbraucher indirekt“, sagte Sommerfeld – etwa über höhere Versicherungsprämien.
Dass man es besser machen kann, beweist seiner Ansicht nach der japanische Autobauer Toyota mit seinem Elektro-SUV bZ4X. Der Scheinwerfer des Fahrzeugs lässt sich in acht Komponenten zerlegen, etwa Halterung, Gehäuse, Leuchteinheit und Steuergerät. Komplett kostet der Scheinwerfer 2737 Euro, die Kosten für einen Austausch liegen bei rund 3000 Euro. Wird bei einem Defekt am Gehäuse aber nur dieses ausgetauscht, fallen Kosten von 500 Euro an. Eine Reparatur der Halterung kostet nur 300 Euro.
Neben den Autobauern sieht die Allianz den Gesetzgeber in der Pflicht: Technisch wäre eine Reparatur von Scheinwerferglas bei leichten Kratzern oder Steinschlägen in der Werkstatt möglich, nur: „In Deutschland ist die Reparatur verboten“, sagte Sommerfeld. Gleichzeitig würden im Baumarkt billige Reparaturkits für Scheinwerferglas verkauft – aber eine Reparatur außerhalb einer Werkstatt sei noch weniger eine Lösung.