Waldbrand im Müritz-Nationalpark: Landrat geht von Brandstiftung aus

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Stand: 19.07.2026 • 18:25 Uhr

Rund 325 Einsatzkräfte bekämpfen weiter den Brand im Müritz-Nationalpark. Die Lage entspannt sich nach einsetzendem Regen langsam, aber es gibt weiter keine Entwarnung. Inzwischen geht der Landrat zudem von Brandstiftung aus.

Seit fast einer Woche lodert der Waldbrand im Müritz-Nationalpark und beschäftigt Feuerwehr, THW, Bundeswehr sowie zahlreiche weitere Einsatzkräfte. Er erstreckt sich mittlerweile auf rund 390 Hektar und wird weiter aktiv bekämpft. Die Zahl der Einsatzkräfte wurde mittlerweile auf rund 325 reduziert.

Einsetzender Regen entspannt die Lage zusätzlich

Man habe in den letzten Tagen viel erreicht, so der Landrat des Kreises Mecklenburgische Seenplatte, Thomas Müller (CDU) im Gespräch mit dem NDR. Einsetzender Regen hat am Sonntagnachmittag die Lage zusätzlich entspannt. Entwarnung wollte der Sprecher des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Marten Schröder, zwar nicht geben. Doch er sagte: "Wir sind auf einem guten Weg."

Erste Einsatzkräfte bereits auf der Heimreise

Die ersten Einsatzkräfte konnten nach seinen Worten bereits die Heimreise antreten. Dabei handele es sich um 22 Feuerwehrleute aus Niedersachsen mit ihren Löschfahrzeugen. Sie waren demnach am Samstagabend eingetroffen, um den Waldbrand an dessen östlichem Rand in Richtung der Bahnstrecke zwischen Neubrandenburg und Rostock zu bekämpfen. Das Gelände dort sei nicht munitionsbelastet, sagte er.

Feuer könnte absichtlich gelegt worden sein

Während die Einsatzkräfte weiter gegen die immer wieder auflodernden Brandherde vorgehen, stellt sich vermehrt die Frage nach der Brandursache. Landrat Müller betont zwar, dass von der Polizei in alle Richtungen ermittelt wird, hat aber auch seine eigene Vermutung: "Ich persönlich gehe auch davon aus, dass dieser Brand nicht von allein entstanden ist und für mich ist es auch seltsam, dass wir innerhalb so kürzester Zeit zwei so große Brände haben." Müller verweist hier auf den Brand auf dem ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatz im Müritz-Nationalpark nördlich von Neustrelitz vor gut drei Wochen.

Der Pressesprecher der Mecklenburgischen Seenplatte, Marten Schröder, verwies auf die Indizien, dass bei beiden Bränden kein Blitzeinschlag festgestellt und bislang auch keine alte Munition als Auslöser des Feuers entdeckt wurde. Noch gebe es aber auch keine Beweise für eine Brandstiftung.

Waldbrand breitet sich aktuell nicht weiter aus

In der Nacht zu Sonntag hat sich das Feuer lediglich "geringfügig" ausgebreitet, so ein Sprecher des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte. Weiträumig kommt es immer noch zu Geruchsbelästigungen - von Granzin über Neubrandenburg bis hin nach Friedland. Inzwischen können auch die Drohnen wieder eingesetzt werden, um sich ein genaueres Bild der Lage zu machen. Diese habe sich zwar "noch nicht entspannt und es ist noch nicht zu Ende", so Müller, aber es gibt keinen Zuwachs mehr. Es würde lediglich kleinere Feuer geben, die aufgrund des Windes immer wieder aufflammen.

Wasserwerfer der Landespolizei haben heute zudem beim Löschen unterstützt und das Gebiet zwischen Granzin und der Brandfläche bewässert. Die beiden Bundeswehrhubschrauber waren am Sonntag nicht bei der Brandbekämpfung eingesetzt, weil die Piloten ihre Ruhezeiten einhalten. Sie haben in den letzten Tagen allerdings allein 1,5 Millionen Liter Wasser über dem Brandort abgelassen.

Unterstützung aus Niedersachsen

Ebenfalls beteiligt an den Löscharbeiten waren am Sonntag auch Spezialeinheiten der Feuerwehr aus Niedersachsen - vor allem in der Nähe der Bahnstrecke Berlin-Neustrelitz-Rostock. Sie gingen mit speziell ausgerüsteten Waldbrandtanklöschfahrzeugen in den Einsatz. Die sind besonders robust, können viel Wasser aufnehmen und schützen die Besatzungen unter anderem gegen Rauchgas. Die Bahnstrecke war aber nicht gefährdet. Eine breite Schneise zwischen dem Brandgebiet und der Bahntrasse sei so stark bewässert worden, dass ein Überschlagen der Flammen in Richtung Bahnstrecke unmöglich ist.

Evakuierung von Granzin vorerst aufgehoben

Nach mehreren Tagen im Ausnahmezustand gab es für 100 Einwohnerinnen und Einwohner von Granzin einen ersten Lichtblick: Die Evakuierung des Dorfes wurde am Sonnabend vorläufig aufgehoben. Es müsse aber weiter damit gerechnet werden, dass das Dorf erneut evakuiert werden könnte, so ein Kreissprecher. Dies hänge vom weiteren Verlauf des Großbrandes ab. Von einer Entspannung der Lage könne noch keine Rede sein.

Brandgebiet vollständig mit "Kreisregnern" eingekesselt

Nach Angaben der Einsatzleitung ist das Brandgebiet inzwischen vollständig mit Linien aus sogenannten Kreisregnern eingekesselt. Die Beregnungsanlagen laufen mit voller Leistung und halten den Waldboden rund um die Brandherde feucht. Dadurch breitet sich das Feuer inzwischen deutlich langsamer aus als noch in den vergangenen Tagen.

Hier Kreisregner in der Nähe von Kratzeburg.

Parallel dazu nahmen die beiden Transporthubschrauber vom Typ CH-53 Wasser aus umliegenden Seen auf und warfen es großflächig über gefährdeten Bereichen ab. Wegen der Munitionsbelastung durften sie die eigentlichen Brandherde jedoch nicht direkt überfliegen. Nach Angaben des Landkreises haben die Hubschrauber die Einsatzkräfte deutlich entlastet und waren deshalb auch am Sonnabend wieder im Einsatz.

Bitte an Urlauber und Touristen

Der Landkreis weist in dem Zusammenhang auch noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass das Brandgebiet weiträumig zu meiden ist. Aktuell besteht kein Zugang zum Aussichtsturm auf dem Käflingsberg, dieser ist für die Dauer des Einsatzes gesperrt. Wege sollten freigehalten und dafür auch Umwege in Kauf genommen werden, um den Einsatzkräften jederzeit ein schnelles Durchkommen zu garantieren. Das Feuer war offenbar in der Nähe des Aussichtsturms auf dem Käflingsberg entstanden und hatte sich wegen der Trockenheit und des Windes rasch ausgebreitet. Die Rauchwolke war aus mehreren Kilometern Entfernung zu sehen.

Munition erschwert die Löscharbeiten

Der Brand hat sich auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz ausgebreitet. Im Boden liegen noch Munitionsreste aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs und der DDR, darunter auch große Panzerabwehrminen. Deshalb dürfen die Einsatzkräfte das Brandgebiet nicht betreten und müssen einen Sicherheitsabstand von rund 1.000 Metern einhalten. Dadurch konnten die Einsatzkräfte das Feuer bisher nur indirekt bekämpfen und die Beregnungsanlagen außerhalb des Gefahrenbereichs aufbauen. Immer wieder ist es im Brandgebiet zu Explosionen gekommen.

Unterstützung aus mehreren Bundesländern

Bis zu 500 Helferinnen und Helfer waren zum Teil vor Ort, der Großteil von ihnen arbeitet ehrenamtlich. Unterstützung kommt unter anderem aus Bayern, Brandenburg und Sachsen. Auch das THW hat seine Kräfte verstärkt und übernimmt unter anderem die Versorgung der Pumpen, die Wasser zu den Kreisregnern transportieren. Aus Bayern sind zudem Spezialkräfte mit zahlreichen weiteren Kreisregnern angereist. Ein Team der Feuerwehr Adelsdorf betreut allein 60 Stück davon, die rund 6.000 Liter Wasser pro Minute fördern.

Große Solidarität mit den Einsatzkräften

Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist weiterhin groß. Viele Anwohner bringen Kuchen, Getränke oder andere Verpflegung zur Einsatzzentrale. Das Deutsche Rote Kreuz versorgt die Einsatzkräfte unterdessen mit Tausenden belegten Brötchen, warmem Essen und Getränken. Auch Mückenspray und Sonnencreme gehören inzwischen zum Repertoire der Feuerwehrleute. An mehreren Orten wurden zudem Schilder aufgehängt, die den Einsatzkräften für ihre Arbeit danken.

Natur und Tierwelt können sich erholen

Auch wenn die verbrannten Flächen derzeit ein verheerendes Bild abgeben, rechnen Fachleute langfristig mit einer Erholung der Natur. Das betroffene Gebiet sei nach der militärischen Nutzung innerhalb von rund 30 Jahren wieder zu Wald geworden. Eine ähnliche Entwicklung sei auch diesmal zu erwarten. "Verbrannte Fläche sieht natürlich immer sehr extrem aus. Das ist ein Bild, was uns als Mensch überhaupt nicht gefällt. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass sich die Natur doch wieder sehr schnell erholt", so der Amtsleiter des Müritz-Nationalparks, Ulf Zimmermann.

Auch für die Tierwelt sieht Zimmermann Chancen. "Alles, was laufen oder fliegen kann, zieht sich rechtzeitig zurück." Schwieriger sei die Situation für die Tiere nach dem Brand - viele Arten würden hier natürlich zunächst keine Nahrungsgrundlage mehr finden.

Bürgertelefon eingerichtet

Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hat für Betroffene und Anwohner unter den Nummern (0395) 57087-8230/ -8070/ -8190 ein Bürgertelefon eingerichtet.