Wie das Gehirn unsere Blicke steuert: Gesichtsmensch oder Textmensch?

Visuelle Rosinen :

Wie das Gehirn unsere Blicke steuert

20.07.2026, 06:00Lesezeit: 2 Min.

3D-Rekonstruktion des Gehirns einer Testperson, deren Blick sich gezielt auf Gesichter richtet: Das MRT zeigt, dass die zuständige Region im Schläfenlappen (gelb dargestellt) beim Betrachten von Gesichtern besonders aktiv ist.

Gesichtsmensch oder Textmensch? Forscher der Universität Gießen fanden heraus, dass spezialisierte Nervenzellverbände im Gehirn bestimmen, was wir anschauen.

Warum fixieren manche Menschen in einem Bild sofort bestimmte Gesichter, während andere auf Textelemente achten? Eine neue Studie von Forschern der Justus-Liebig-Universität Gießen zeigt: Das Blickverhalten ist kein Zufall. Die Augen richten sich auf die Informationen, die das individuelle Gehirn besonders effizient verarbeitet.

Das menschliche Gehirn verfügt über spezialisierte Nervenzellverbände, die gezielt auf bestimmte Reize wie Gesichter oder Wörter reagieren. Mittels Kernspintomographie lassen sie sich sichtbar machen und vermessen.

61 Erwachsene sind untersucht worden. Die Ergebnisse zeigen: Wer eine stärkere Neigung hat, Gesichter zu fixieren, bei dem sind auch die gesichtspräferierenden Areale im unteren Schläfenlappen des Gehirns ausgeprägter. Genau denselben Zusammenhang fanden die Forscher für die Neigung, Textelemente zu fixieren. Wer eher auf Wörter reagiert, bei dem ist das entsprechende Areal stärker ausgeprägt.

Präzisere Verarbeitung im Gehirn

Außerdem reagiert das Gehirn auf die jeweilige Präferenz präziser als auf andere Reize. Menschen, die eher auf Gesichter achten, können diese auch besser voneinander unterscheiden. Menschen, deren Gehirn auf Texte antwortet, lesen in der Regel schneller.

Warum dieser Zusammenhang besteht, konnte die Studie nicht klären. „Vielleicht trimmt unser Blickverhalten im Laufe des Lebens unser Gehirn auf die jeweiligen Inhalte, vielleicht ist es auch umgekehrt – vermutlich ist es ein Wechselspiel aus beiden“, sagt de Haas.

Sein Team ist Teil des vor Kurzem bewilligten Exzellenzclusters TAM (The Adaptive Mind), in dem unter Leitung der Uni „universelle Prinzipien der Anpassungsfähigkeit und Wahrnehmung“ untersucht werden.