Vier Senioren im Nizza-Park eingesperrt – Feuerwehr befreit sie nach 45 Minuten
Stand: 18.07.2026, 12:00 Uhr
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Ein 78-Jähriger will mit drei Begleitern durch den Nizza-Park flanieren, doch beide Tore werden um 19.54 Uhr abgeschlossen. Die Notrufnummer 112 verweist sie an die Polizei, die 110 bleibt ratlos.
Frankfurt – Diesen Abend wird Claus Metz (78) aus Bad Vilbel wahrscheinlich nicht so schnell vergessen. Nach einem Restaurantbesuch will er mit seiner Lebenspartnerin und einem befreundeten Paar noch ein wenig durch den lauschigen Nizza-Park am Mainufer flanieren, um sich dort an exotischen Pflanzen wie Palmen sowie Feigen-, Erdbeer- und Bergmammutbäumen zu erfreuen.

Gegen 19.45 Uhr hätten sie den Park durch den westlichen Eingang betreten, erzählt er. Als das Quartett wenige Minuten später am Zaun an der Ostseite ankommt, wartet allerdings eine böse Überraschung: Dort ist das Tor versperrt – obwohl ein Hinweisschild verrät, dass das Areal nur zwischen 20 und 8 Uhr geschlossen ist. „Unsere Uhrzeiger zeigen aber erst 19.50 Uhr“, schreibt Metz in einer Mail an diese Zeitung.
Vier Senioren plötzlich im Nizzapark eingesperrt
So eilen die Vier rasch wieder zurück zum Westeingang, der inzwischen jedoch ebenfalls abgesperrt ist. Dabei habe seine Uhr erst 19.54 Uhr angezeigt, berichtet der gebürtige Frankfurter – „aber die Mausefalle hatte sich schon geschlossen“. Denn das Gelände ist von einem etwa zwei Meter hohen Zaun sowie – zur Mainuferstraße hin – von einer meterhohen Mauer umgeben. Hindernisse, die auch für jüngere Menschen nur schwer zu überwinden sein dürften – „wir aber gehen zum Teil forsch auf die 80 zu“, so Metz.
Zunächst bitten die Eingeschlossenen Angestellte des nahen Restaurants um eine Leiter, allerdings vergeblich. Deshalb versuchen sie ihr Glück bei der Notrufnummer 112, die auch auf dem Schild am Park angegeben ist. Dort aber seien sie abgewimmelt worden, sagt Metz: Es sei Aufgabe der Polizei, den Parkschließer zu finden, um das Tor zu öffnen. Unter der 110 seien sie aber auch nicht weitergekommen, schreibt der 78-Jährige. Der Beamte sei offenbar ebenso ratlos gewesen wie sie und habe sie nur mit vagen Auskünften abgespeist.
Feuerwehr rückt an und rettet das Quartett
20 Minuten passiert nichts. Wie es weitergeht, schildert Claus Metz so: „Auf weitere 110-Nachfrage erfahren wir, dass die Polizei nicht fliegen könne. Bescheidenerweise bekennen auch wir uns zu dieser beschämenden Unfähigkeit, sonst hätten wir sie ja nicht anrufen müssen. Unbescheidenerweise bitten wir aber erneut um eine Lösung im Sinne einer Befreiung. Wir seien ältere Leute und könnten nicht im Park übernachten.“
Umso größer ist die Erleichterung des Quartetts, als wenige Minuten später, um 20.30 Uhr, tatsächlich einige Brandschützer anrücken und einen Sicherheitsschlüssel zücken, mit dem sich das Tor nach einigem Geruckel öffnen lässt. „Jetzt sind doch alle ein bisschen enttäuscht, dass die Schlüsselszene der Befreiung derart unspektakulär verlaufen ist“, erinnert sich Metz mit einem Augenzwinkern. Doch die „wackeren Feuerwehrleute“ hätten sie rasch getröstet: „Wir können auch anders: Wir haben sechs Meter Leitern, Metallschneider und -Trennscheiben. Und wenn alle Stricke reißen, auch noch die Höhenrettungsseilschaft.“
Grünflächenamt zeigt sich ratlos nach der Aktion
Ein Rest von Ärger bleibt trotzdem. Wie könne es sein, dass die Tore schon vor 20 Uhr abgesperrt würden, ohne dass der Schließer den „gut einsehbaren“ Parkweg inspiziert habe, fragt Metz. Auch die „abweisende Haltung“ während der Anrufe bei Feuerwehr und Polizei stößt ihm sauer auf.
Im Frankfurter Grünflächenamt, das für den Nizza-Park zuständig ist, zeigt man sich ratlos. Um die Öffnung und Schließung der Tore kümmere sich ein Wach- und Schließdienst. Und am betreffenden Abend sei „gemäß digitalem Schließprotokoll“ um 20.01 Uhr das erste Tor geschlossen, um 20.05 Uhr in der Mitte der Anlage ein Kontrollpunkt abgescannt und um 20.09 Uhr das zweite Tor geschlossen worden. „Dass Personen im Nizza eingeschlossen werden, ist uns bisher nicht bekannt“, teilt ein Mitarbeiter der Behörde mit. „Ebenso hatten wir bisher mit dem beauftragten Wach- und Schließdienst gute Erfahrungen gemacht, Unregelmäßigkeiten (zum Beispiel an Schlössern) wurden uns stets gemeldet.“ Und: „Mit Blick auf die genannte Uhrzeit des Vorfalls, die überschaubare Größe der Anlage und der erfolgten Patrouille des Wachpersonals gegen 20 Uhr können wir leider nicht so ganz nachvollziehen, was geschehen ist.“
Abend hat „ein beruhigendes Ende“ gefunden
Eine Sprecherin der Frankfurter Branddirektion wiederum bestätigt die Angaben von Claus Metz. Tatsächlich sei an jenem Abend um kurz vor 20 Uhr ein Anruf eingegangen, dass die vier Senioren in dem Park eingeschlossen seien. Den Vorwurf, dass sie abgewimmelt worden seien, weist sie zurück. Weil aber „keine direkte Notlage“ und „keine medizinische Zwangslage“ zu erkennen gewesen sei, habe man die Anrufer an die Polizei verwiesen, die Kontakt zu „Schließberechtigten“ habe. Später seien trotzdem Feuerwehrleute losgeschickt worden, um das Quartett zu befreien. Das Fazit der Sprecherin: „Von unserer Seite aus lief der Einsatz gut.“
Auch bei der Frankfurter Polizeidirektion wehrt man sich gegen die Kritik des 78-Jährigen. Im ersten Notrufgespräch, das fast vier Minuten gedauert habe, sei „der Sachverhalt gewissenhaft aufgenommen und ohne Zeitverzug über die polizeiliche Leitstelle an das örtlich zuständige Polizeirevier sowie die Feuerwehr“ weitergegeben worden. Und weiter: Entgegen der Aussage von Claus Metz „erfolgte gemäß unseres Protokolls bereits nach 12 Minuten der zweite Anruf der Mitteilerin mit der Nachfrage, wann mit dem Eintreffen der Polizei zu rechnen sei. Aufgrund der vehementen Nachfrage der Anruferin kam es zu der geschilderten Spontanäußerung der Notrufsachbearbeiterin, die damit auf die Anfahrtszeit Bezug genommen hatte. Danach wurde das Gespräch von der Anruferin unmittelbar und abrupt beendet, sodass keine weitere Kommunikation möglich war.“ Zu diesem Zeitpunkt habe sich die Feuerwehr bereits auf dem Weg befunden und sei kurze Zeit später am Nizza-Park eingetroffen.
Im letzten Satz seiner Mail zeigt sich Claus Metz übrigens wieder einigermaßen versöhnlich: Nach einer „Kette ärgerlicher Nachlässigkeiten“ habe der Abend doch noch „ein beruhigendes Ende“ gefunden.