Verschollene Mumien von Prinzessinnen entdeckt, die man mit Waffen bestattete

Fähige Kämpferinnen?

Verschollene Mumien von Prinzessinnen entdeckt, die man mit Waffen bestattete

Ein Forschungsteam untersuchte die Überreste von fünf altägyptischen Prinzessinnen und einem König, die mit Dolchen oder Bögen beigesetzt wurden. Der Analyse zufolge konnten sie gut mit den Waffen umgehen

Julia Sica

Eine pyramidale Ruine im ägyptischen Wüstengebiet, umgeben von Sand und Vegetation im Hintergrund, mit verschwommenen Gebäuden und Palmen in der Ferne.
Die "Schwarze Pyramide" im ägyptischen Dahschur hat unter der Witterung gelitten. In der Nekropole wurden Prinzessinnengräber entdeckt, deren Mumien kürzlich untersucht wurden.

Die Pyramiden von Dahschur bilden eine Nekropole, an der der Zahn der Zeit ganz offensichtlich genagt hat. Besonders betroffen sind die Pyramiden der 12. Dynastie des Mittleren Reiches: Von der sogenannten "Weißen Pyramide" des Pharaos Amenemhet II. ist nicht mehr viel übrig, da man die Kalksteine weitgehend abgetragen und als Baumaterial recycelt hat. Auch die "Schwarze Pyramide" seines Urenkels Amenemhet III. sah einst anders aus, als der eigenartige Steinhaufen heute vermuten lässt: Hier fehlt ebenfalls die Außenverkleidung aus Kalkstein, die Witterung hat ihr im Laufe von gut 3800 Jahren eine unregelmäßige Form verliehen.

Dennoch bargen die Grabkammern erstaunliche Funde, als der Komplex ab dem 19. Jahrhundert erforscht wurde. Ein Schacht führte etwa in eine unterirdische Grabkammer, in der der Archäologe Jacques de Morgan 1894 auf den unberührten Sarkophag der Prinzessin Ita stieß. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Tochter des Königs Amenemhet II. Zu ihrer Mumie hatte man nicht nur Schmuck in den Sarg gelegt, sondern auch eine Keule, eine Geißel und einen prunkvollen Dolch, der mit Gold, Karneol und Lapislazuli verziert war.

Ein verziertes antikes Messer mit einer Klinge aus Metall, einem Griff mit buntem geometrischen Muster und einer halbmondförmigen Parierstange.
Mit diesem Dolch wurde Prinzessin Ita in ihren Sarkophag gelegt.

Waffen waren unübliche Ausstattungen für Frauengräber. Selbst bei Königinnen werden sie eher als Symbole für deren Macht interpretiert denn als Kampfwerkzeuge. Eine aktuelle Studie lässt jedoch vermuten, dass zumindest einige in Dahschur bestattete Prinzessinnen – darunter Königstochter Ita – fähig waren, mit unterschiedlichen Waffen umzugehen.

Zu diesem Ergebnis kam eine Forschungsgruppe um die Bioarchäologin Zeinab Hashesh von der Universität im ägyptischen Beni Suef. Wie sie im Fachblatt Frontiers in Environmental Archaeology beschreibt, untersuchte sie die körperlichen Überreste von sechs Mitgliedern der Königsfamilie, die etwa im Zeitraum zwischen 1850 und 1700 vor Christus lebten und bislang kaum analysiert worden waren. Tatsächlich galten ihre Mumien jahrelang als verschollen, bis sie 2020 im Keller des Ägyptischen Museums in Kairo wiederentdeckt wurden, heißt es in einer Aussendung.

Vier Schwestern

Bei den sechs untersuchten Toten dürfte es sich um vier königliche Schwestern, eine weitere Prinzessin sowie einen König handeln. Ita mit dem beeindruckenden Dolch wurde in einer unterirdischen Kammer neben Khenmet beigesetzt, Itaweret neben einer unbekannten Frau mit dem Namen Sathathormeryt, deren Sarg und Beigaben keinen Hinweis auf ihre Titel preisgeben, die aber womöglich auch zur Königsfamilie gehörte.

Nicht nur Ita wurde mit einer Waffe bestattet: In den anderen Gräbern war man bei der Entdeckung in den 1890er-Jahren ebenfalls auf Waffen gestoßen, darunter Pfeile und Bögen. Auch die anderen beiden Adeligen – Prinzessin Noub-Hotep und König Hor I., bekannt für eine beeindruckende Holzstatue, die im Ägyptischen Museum ausgestellt ist und in seinem Grab entdeckt wurde – wurden mit Pfeilen beziehungsweise mit Bögen, also ganz ähnlichen Beigaben, ausgestattet.

Fehlende Köpfe

Die Untersuchung der Körper gestaltete sich schwierig, da das Weichgewebe kaum erhalten blieb und manche Knochen ebenfalls fehlten – vornehmlich die Schädel der Prinzessinnen. Sie waren offenbar Anfang des 20. Jahrhunderts an das Anatomische Museum der Medizinschule in Kairo übergeben worden und kamen dann abhanden. Anhand der übrigen Skelette konnten die Forschenden dennoch Geschlecht, Größe sowie Todesalter abschätzen und die eine oder andere Verletzung finden.

Ita war vermutlich im Alter von 28 bis 34 Jahren verstorben, ihre Schwester Khenmet Ende 30 oder in ihren 40ern, die jüngere Itaweret wohl zwischen 20 und 34. Von Sathathormeryt sind die wenigsten Knochen übriggeblieben; auch Becken und Oberschenkelknochen, die beim Abschätzen der Parameter nützlich sind, fehlen großteils.

Dolchkämpferin und Bogenschützin

Bemerkenswert ist, dass die Prinzessinnen offenbar körperlich aktiv waren, was die Fachleute an den ausgeprägten Ansatzpunkten für Muskeln an den Knochen ablesen. Das passt laut Hashesh zu den Waffen, die ihnen in die Gräber gelegt wurden.

Prinzessin Ita beispielsweise hatte "kräftige Muskelansätze im Oberkörper, was darauf hindeutet, dass sie regelmäßig Waffen wie Keulen oder Dolche einsetzte", wird Hashesh in der Aussendung zitiert. Die ältere Khenmet zeigte bereits Anzeichen von Knochenschwund, verfügte aber über "sehr robuste Bänderansätze". Das Skelett der jüngeren Prinzessin Itaweret "zeigt, dass sie eine geübte Bogenschützin war", befindet die Bioarchäologin – ähnlich wie König Hor und Prinzessin Noub-Hotep. Itaweret hatte zudem allem Anschein nach gebrochene Rippen und Fußknochen überlebt.

"Diese Verletzungen wurden höchstwahrscheinlich durch Unfälle, Stürze, harte Schläge oder andere Stöße verursacht, die mit einem aktiven Lebensstil zusammenhingen, sei es durch die Jagd, militärische Ausbildung oder andere anstrengende Aktivitäten", nimmt Hashesh an. Die gut verheilten Spuren deuten darauf hin, dass ihre medizinische Versorgung relativ gut war.

Fehlbildungen der Wirbelsäule

Daneben zeigten die Knochen Anzeichen von Infektionen und Mangelernährung, die für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich waren. Auffällig war ein anderer Befund: An den Wirbelsäulen von fünf der sechs Toten fand das Forschungsteam unterschiedliche Fehlbildungen. Bei Ita diagnostizierten sie im Bereich des Kreuzbeins beispielsweise eine sogenannte Spina bifida occulta, was in der Regel für den unvollständigen Verschluss der hinteren Wirbelbögen steht, der jedoch von außen bei der lebenden Prinzessin nicht erkennbar gewesen wäre. Auf den Fotos in der Studie ist das Kreuzbein allerdings nur von einer Seite abgebildet, weshalb man die Beobachtung nicht nachvollziehen kann. Die Häufung dieser Entwicklungsstörungen bei den verschiedenen Mumien deutet für die Fachleute jedenfalls darauf hin, dass die Eltern potenziell eng miteinander verwandt waren.

Zeinab Hashesh träumt davon, wissenschaftliche Erkenntnisse zutage zu fördern, die über die bloße Identifizierung der Königsfamilie von Dahschur hinausgehen. "Wir wollen versuchen, ihre gesamten Lebensgeschichten, ihre Familien, ihre Gesundheit und sogar ihre politischen Rollen so detailliert wie möglich nachzuzeichnen." Dazu sollen auch weitere Tests beitragen, etwa Isotopenanalysen, die genauere Aussagen über die Mangelernährung zulassen würden.

Ob die Personen den genannten Tätigkeiten wirklich nachgingen, lässt sich so lange nach ihrem Tod kaum beweisen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es sich um symbolische Objekte handelt, wobei die individuelle Zuordnung verschiedener Waffen interessant ist. Dennoch macht die Studie auf bemerkenswerte Grabfunde aufmerksam und wirft angesichts der aktiven, trainierten Verfassung die Frage auf, inwiefern unsere Vorstellung des altägyptischen Adels von passiven Stereotypen – vor allem rund um Frauen – geprägt ist. (Julia Sica, 17.7.2026)

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