US-Spritpreise: Wird die Wahl an der Zapfsäule entschieden?

Ein Mann tankt sein Auto auf an einer Tankstelle bei New York, USA.

Midterm Elections Wie der Spritpreis die US-Wahl beeinflussen könnte

Stand: 16.07.2026 • 18:00 Uhr

Die Spritpreise in den USA sind enorm in die Höhe geklettert. Muss Trump dieses Problem lösen, damit seine Partei eine Chance bei den nächsten Wahlen hat?

Von Paula Protzen, ARD-Finanzredaktion

Das Leben ist teuer geworden für die Menschen in den USA. Besonders eindrücklich spüren Amerikanerinnen und Amerikaner das an einem Ort: an der Tankstelle. Seit Kriegsbeginn hat sich der Preis pro Gallone Sprit (3,785 Liter) um mehr als einen Dollar erhöht.

Das treffe die Menschen in einem Land, das sehr stark aufs Autofahren ausgelegt ist, so Stormy-Annika Mildner, Leiterin der deutschen Denkfabrik Aspen Institute, gegenüber der ARD-Finanzredaktion. In den USA könne man Stunden fahren, ohne den nächsten Ort zu erreichen oder ein anderes Auto zu sehen.

Außerdem gebe es mit Ausnahme größerer Städte kein flächendeckendes öffentliches Transportnetz, auf das man zurückgreifen könne. "Das heißt, um zur Arbeit zu kommen, brauchen die meisten ein Auto. Deswegen schlagen sich die steigenden Preise für Benzin auch unmittelbar in den Haushalten nieder und belasten die Menschen", sagt Mildner.

Verbraucherpreise auf Drei-Jahres-Hoch

Das wiederum ist ein Problem für US-Präsident für Donald Trump. In seinem Wahlkampf hatte er immer wieder zur Priorität gemacht, die Lebenshaltungskosten für Bürgerinnen und Bürger zu senken. Die Spritpreise werde er innerhalb von zwölf Monaten unter zwei Dollar bringen, versprach Trump.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Der Benzinpreis kletterte im März über die Marke von vier Dollar pro Gallone, die US-Inflation kurz darauf auf den höchsten Stand in drei Jahren. Zwar hat sich der Anstieg der Verbraucherpreise im Juni zuletzt verlangsamt, doch das dürfte auch an der Aussicht auf ein Ende des Kriegs im Iran gelegen haben. Inzwischen ist der Konflikt wieder aufgeflammt.

Zusätzlich müsse man auch bedenken, dass das Preisniveau ohnehin sehr hoch sei, sagt Mildner. "Wir haben ja einen enormen Preisanstieg während der Covid-Pandemie gesehen. Und seitdem sind die Preise nicht zurückgegangen."

Problemlösung im Trump-Stil

Anfang Juli wirbt Trump auf seinen Plattformen für eine neue Tankstellenkette. "Ein sehr kluger Händler" werde die Preise senken, lobt Trump. Freedom Fuel Network heißt die Kette, dazu gehören 25 Tankstellen in den Bundesstaaten Pennsylvania und New Jersey, berichten unter anderem CBS News und die New York Times.

Tatsächlich kostet das Benzin dort deutlich weniger, 3,47 Dollar pro Gallone sind es zu Anfang. Deutlich unter dem Durchschnittspreis in Pennsylvania, der zum gleichen Zeitpunkt nach Angaben des Automobilclubs AAA bei 4,96 Dollar liegt. Inzwischen sind die Preise bei den Freedom-Fuel-Tankstellen gestiegen, heißt es in Medienberichten - bei den meisten aber lediglich um zehn Cent.

Damit rangieren sie immer noch weit unter den Preisen der Konkurrenz. Experten zweifeln allerdings daran, dass das Preismodell auf Dauer tragbar ist. "Man kennt solche Rabatte von Feiertagen oder zu bestimmten Anlässen", sagt Mildner. "Dann sind das aber wenige Stunden oder ein Tag."

Viele Details unklar

Generell ist über das Unternehmen wenig bekannt. Der Eintrag ins Handelsregister erfolgte am 23. Juni. Die Tankstellen operierten vor wenigen Wochen noch unter der Marke anderer großer Anbieter.

Ob es eine Verbindung zu Trump gibt, ist undurchsichtig. Einerseits heißt es in einem Post des Weißen Hauses auf der Plattform X, der Preis von 3,47 Dollar stehe "für unseren 47. Präsidenten".

Gegenüber dem US-Sender CNN betonte ein Sprecher des Weißen Hauses kurz nach Start des Netzwerkes jedoch, dass die Trump-Administration mit Freedom Fuel nichts zu tun habe. Auch sonst subventioniere "niemand" die Preise bei der Tankstellenkette, sagt der Offizielle weiter.

In den Köpfen entsteht die Verbindung trotzdem

Dennoch zeigt ein Video des Weißen Hauses zufriedene Kunden, die sich bei Donald Trump für die günstigen Preise bedanken. Auch US-Medien berichten von solchen Aussagen aus Gesprächen, die sie an Freedom Fuel-Tankstellen geführt haben.

"Das ist kommunikationsstrategisch super klug und ein Gewinn für Trump", sagt auch Rachel Tausendfreund, USA-Expertin bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, gegenüber der ARD-Finanzredaktion. Für eine Weile sprächen die Menschen dann nicht mehr über die hohen Spritpreise, sondern über die Tankstellen, die er ins Spiel gebracht habe. Um einen großen Einfluss zu haben, sei die Anzahl und Verbreitung der Tankstellen aber zu begrenzt, schätzt sie.

Einfluss auf Wahlen im Herbst

Die Stimmung im Land ist wichtig - denn im Herbst sind Wahlen, die sogenannten Midterm Elections. Dabei werden das Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu gewählt. Traditionell habe es die Partei des amtierenden Präsidenten immer schwer, beschreibt Tausendfreund. Der Präsident werde für die Probleme des Landes verantwortlich gemacht, deshalb schneide meist die Opposition besser ab.

So auch aktuell: Nur 34 Prozent der Amerikaner sind zufrieden mit der Politik von Donald Trump, ergab eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters. Das ist ein historischer Tiefstwert.

In der Vergangenheit haben Studien einen Zusammenhang zwischen dem Spritpreis und den Umfrageergebnissen für den Präsidenten ausmachen können: Eine Erhöhung von zehn Cent koste 0,6 Prozent bei den Zustimmungswerten, beschrieb ein Forscherteam der Universität Stanford 2016.

Bei Trump sei dieser Effekt aber in beiden Amtszeiten geringer - das zumindest ergab eine Analyse des auf Wahlanalysen spezialisierten Datenjournalisten G. Elliott Morris aus dem April. Unter Obama und Biden seien der Zusammenhang stärker gewesen.

Trump-Wähler häufig loyal

Die Leiterin der deutschen Denkfabrik Aspen Institute, Mildner, hat dafür einen Erklärungsansatz: Selbst wenn Trump-Wähler in Gesprächen ausdrückten, dass sie mit der aktuellen Situation unzufrieden seien, so bleibe das Vertrauen in Trump hoch. Sie sagten dann so etwas wie: "Auch wenn es jetzt temporär schwer wird, macht er das Richtige für uns."

Rachel Tausendfreund geht davon aus, dass die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren werden. Gerade im Rennen um den Senat sei die Partei von Donald Trump aber noch nicht abgeschlagen, ordnet Stormy-Annika Mildner ein. Noch ist die Loyalität der Basis mit dem Präsidenten nicht gebrochen.