Das "russische Amazon" brennt – Händler nach ukrainischen Attacken verzweifelt
Ukrainische Angriffe in Russland
"Das schiere Ausmaß war schockierend"
25.07.2026 - 16:59 UhrLesedauer: 4 Min.
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Ukrainische Drohnen haben binnen einer Woche mehrfach Lager des russischen Onlinehändlers Wildberries getroffen. Der Schaden trifft vor allem kleine Händler – mit verheerenden Folgen.
Zum dritten Mal innerhalb einer Woche haben ukrainische Drohnen am Freitag Lager des russischen Onlinehändlers Wildberries angegriffen. Die Zerstörung ist groß, mindestens acht Menschen wurden getötet. Kiew hält das Unternehmen, das für russische Verbraucher und Händler von großer Bedeutung ist, für wichtig im Hinblick auf die russische Militärlogistik.
Wichtig ist es allerdings auch für kleine bis mittelgroße Unternehmen. Wildberries wird oft als "russisches Amazon" bezeichnet und ermöglicht schnelle Lieferungen im gesamten Staatsgebiet Russlands. Dafür gibt es Zehntausende Abholstationen, selbst in abgelegenen Orten und kleinen Städten. Das Unternehmen gibt an, täglich mehr als 20 Millionen Transaktionen abzuwickeln.
Anders als Amazon dient Wildberries jedoch vor allem als Marktplatz für Unternehmen. Diese können ihre Produkte in Wildberries-Lagern unterbringen, die E-Commerce-Plattform kümmert sich dann um die Logistik. Eigene Produkte bietet Wildberries jedoch kaum an.
Die ukrainischen Angriffe treffen deshalb besonders jene kleinen und mittleren Unternehmen hart, deren Unterstützung sich Kremlchef Wladimir Putin eigentlich auf die Fahnen geschrieben hat. Analysten zufolge arbeiten bis zu 800.000 Händler mit Wildberries zusammen.
"Wir werden ohnehin schon von allen Seiten über den Tisch gezogen"
Die Bloggerin Marina Gorschkowa erzählte in einem Video, das im Internet verbreitet wurde: "Ich habe den ganzen Vormittag geweint, weil unser Geschäft möglicherweise schließen muss." Sie verkaufe seit Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Kosmetikartikel, und 35 bis 40 Prozent ihrer Bestände seien durch die Brände zerstört worden.
Der britische Sender BBC zitiert eine weitere russische Unternehmerin, die von den Zerstörungen bei Wildberries betroffen ist. "Ich bin Mutter eines behinderten Kindes und habe das Unternehmen selbst aufgebaut", beklagte sich die Frau. "Ich habe eine Million Rubel (rund 11.300 Euro) verloren. Wir werden ohnehin schon von allen Seiten über den Tisch gezogen."
Die Kleidungshändlerin Arina erklärte dem unabhängigen russischen Portal "Bereg", dass sie vom Brand im Lager in Elektrostal bei Moskau betroffen sei. "Da war dieses Gefühl, wieder mal im Stich gelassen worden zu sein", erklärte sie. Es sei ihr sehr "unangenehm" gewesen. Sie bezifferte den Schaden für ihr Unternehmen auf umgerechnet knapp 7.000 Euro.
