Ein ornithologischer WM-Rückblick

Übrigens – die SonntagsBlick-Kolumne

Ein ornithologischer WM-Rückblick

Eine Schwalbe macht keinen Frühling und kann für viel Verdruss sorgen. Die Kolumne von Felix Bingesser.

Publiziert: 17:04 Uhr

Embolo, die Schwalbe. Die Frage, ob eine Schwalbe einen Frühling macht, die hat schon den Philosophen Aristoteles beschäftigt. Eine Schwalbe, bekannt für ihre Flugkunst, kann aber auch einen Kater mit Verdruss und Wehklagen auslösen. Jedenfalls wurde der Sinkflug von Breel Embolo durch die Nacht von Kansas City zum Sturzflug für die Fussballnation Schweiz. Der liebenswerte grosse Bube Embolo, der sich weigert, erwachsen zu werden, tritt weiter in jedes Fettnäpfchen. Dass es ausgerechnet eine neue Regel der schamlosen und ständig tricksenden Fifa war, die ihn des Betrugs überführte, ist Ironie des Schicksals. Jedenfalls bleibt dieser Spielergeneration um den Pfau Granit Xhaka die ganz grosse Krönung verwehrt. Wer als 13. der Weltrangliste unter die besten acht kommt, der hat geliefert. Das ist sehr gut. Aber eben nicht der ganz grosse Coup, von dem man geträumt hat.

Infantino, die Elster. Die Elster ist eine Vogelart aus der Familie der Rabenvögel. Die Elster stibitzt alles, was glänzt und glitzert. Im Vergleich zu ihrer Grösse hat die Elster das gleich grosse Gehirn wie Schimpansen, Orang-Utans und Gorillas. Die Elster klaut dem Fussball bei einer über weite Strecken tollen WM das letzte Stück Unschuld. Nach Putin und Katar hat sich Infantino Trump an den Hals geworfen. 2034 küsst er den Saudis die Füsse, nachdem er dann wohl die Amtszeitbeschränkung ausgehebelt hat. Gut möglich, dass dort 64 Mannschaften während drei Monaten spielen und damit die ganze Qualifikationsphase endgültig der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Dazwischen dürfte die Klub-WM zur zweiten Geldmaschine ausgebaut werden. Und die Wettbewerbe der Kontinentalverbände torpedieren. Der Fussball mit den wahnwitzigen Ticketpreisen wird zum Premiumprodukt. Dabei sein können nur noch die Reichen. Die Elster gilt als unersättlich. 

Trump, das Alpenschneehuhn. Ginge es nach Infantino, müsste man Donald Trump nach Erhalt seines Friedenspreises als Friedenstaube bezeichnen. Aber er ist eher das gockelhafte Alpenschneehuhn. Dieses wechselt sein Gefieder wie keine andere Vogelart. Heute so, morgen so. Oder ist Trump doch eine Krähe, die jedem das Auge auspickt? Oder gar ein plappernder Papagei? 

Die Brasilianer, die Wellensittiche. Die bunten Vögel aus Südamerika pflegen ihr «Joga Bonito», bleiben aber ständig in ihrer Voliere gefangen. Obwohl die Wellensittiche als lebhaft und verspielt gelten. Höhenflüge sind immer seltener. 

Messi, der Spatz. Ein Phänomen ist Lionel Messi. Er ist ein Adler, der sich als Spatz getarnt hat. Und der König aller Vögel bleibt. 

Cucurella, der Specht. Der spanische Verteidiger mit dem lockigen Gefieder klopft derart hartnäckig auf jeden stämmigen Spieler ein, bis auch Scheichen wie Eichen einknicken und jeder entnervt das Handtuch wirft. Gelingt das auch gegen die argentinischen Krieger?

Rodri, der Wanderfalke. Der Spanier Rodri ist der prägendste Mittelfeldspieler dieser WM. Wanderfalken arbeiten bei der Jagd zusammen. Einige scheuchen den Gegner auf, andere fangen ihn dann ab. Rodri, das Superhirn des spanischen Teams, ist der Chef der Wanderfalken.