Übergewicht bei Vorschülern: Herkunft und Wohnort beeinflussen das Risiko

In sozioökonomisch benachteiligten Landkreisen sind mehr Vorschüler übergewichtig oder fettleibig. Das geht aus der Analyse von Daten aus Schuleingangsuntersuchungen hervor, die das Robert Koch-Institut (RKI) ausgewertet hat. Schon im Kindesalter sei ein zentraler Risikofaktor für Übergewicht und Adipositas, in einer sozial und wirtschaftlich benachteiligten Gegend zu leben.

In die im „Journal of Health Monitoring“ vorgestellte Auswertung hat das RKI Daten zu Kindern zwischen vier und sieben Jahren einbezogen. Berücksichtigt wurden Körpergröße und Gewicht von rund 4,3 Millionen Kindern aus 13 Bundesländern. Von den zwischen 2006 und 2024 eingeschulten Kindern hatten demnach 8,6 bis 13,4 Prozent Übergewicht. 3,7 bis 5,9 waren adipös, also fettleibig.

Unterschiede zwischen kleineren und großen Städten

Für das Jahr 2019 wurden die Werte mit Daten zu Siedlungsstruktur und sozioökonomischen Faktoren der jeweiligen Landkreise verknüpft. „Je höher die sozioökonomische Benachteiligung eines Landkreises war, desto häufiger waren Übergewicht und Adipositas bei den Kindern zu beobachten“, schreibt das RKI.

Mit Blick auf Wohnortstrukturen zeigte sich außerdem ein signifikanter Unterschied zwischen kleineren Städten, Großstädten und dem Land. In städtischen Kreisen waren weniger Kinder übergewichtig oder adipös als in großstädtischen oder ländlichen Kreisen.

In ländlichen Regionen seien es vor allem Kontextfaktoren, die zur Entstehung von Übergewicht beitragen: etwa ein Mangel an Gehwegen und öffentlichen Verkehrsmitteln sowie große Distanzen zu Freizeiteinrichtungen, so die Forschenden.

Während Corona tendenziell mehr übergewichtige Kinder

Die Datenverfügbarkeit zwischen den Ländern habe stark geschwankt und war für die Einschulungsjahre 2015 bis 2019 am größten, so das RKI. In diesem Zeitraum blieben die Übergewichts- und Adipositas-Häufigkeiten weitestgehend stabil.

Während der Corona-Pandemie mit den Einschulungsjahren 2020 bis 2022 war die Datenverfügbarkeit auf zwei bis fünf Länder beschränkt. Hier hatten sich tendenziell höhere Prävalenzen gezeigt. 2024 lagen sie wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie oder sogar darunter.

Die Forschenden fordern, zur Prävention gesundheitliche Ungleichheit im Kindesalter in den Blick zu nehmen und zu reduzieren. Aus den Daten könne man Maßnahmen ableiten, um zielgerichteter vorzubeugen und die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen auf regionaler Ebene zu überprüfen. (dpa)