Trumps Iran-Desaster
Stand: 21.07.2026, 17:35 Uhr
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Statt zu verhandeln, versuchen die USA und der Iran, ihre Ziele militärisch zu erreichen.
Mit jedem Tag des wieder aufgeflammten Kriegs der USA gegen den Iran wird deutlicher, dass der militärische Konflikt so schnell nicht wieder enden wird. Statt erneut zu verhandeln, versuchen beide Seiten, ihre Ziele wieder militärisch durchzusetzen. In dieser Pattsituation spielt hauptsächlich das radikalisierte Mullah-Regime auf Zeit, die die US-Administration wegen der steigenden Energiepreise so kurz vor den Zwischenwahlen im November nicht hat.
Teheran ist der Weltmacht USA zwar militärisch unterlegen, hat aber mit der Straße von Hormus ein Machtmittel, das ihr die Regierung von US-Präsident Donald Trump nicht nehmen kann. Trump fehlen dafür trotz seiner martialischen Rhetorik die Optionen. Der Einsatz von Bodentruppen verbietet sich, und mit Luftangriffen alleine zwingt er weder die Machthaber in Teheran noch deren Verbündete Hisbollah oder Huthis in die Knie.
Die damit verbundenen schlechten Nachrichten werden also vorerst nicht abreißen. Die Ölpreise bleiben hoch. Die Zahl der Opfer steigt – auch im Iran und in den Golf-Staaten, die Teheran mit Angriffen terrorisiert. Und die Menschen im Iran leiden weiter sowohl unter den Folgen der US-Angriffe als auch unter den drakonischen Repressalien der Mullahs.
Ihnen wollte Trump ursprünglich zur Hilfe eilen. Das ist nicht das einzige gebrochene Versprechen Trumps. Er hat weder am Verhandlungstisch mit dem Iran den Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon befriedet, noch den Gazastreifen in eine Riviera verwandelt. Zudem hat er wohl den Einfluss auf den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu verloren. Der verfolgt im Schatten des US-Krieges gegen den Iran die Ziele seiner in Teilen rechten Regierung vorwiegend im Gaza㈠streifen und im Libanon, aber auch im Westjordanland nahezu ungestört und rigoros. Kurz gesagt: Trumps Nahost-Politik ist ein einziges Desaster, an dem der US-Präsident zunehmend das Interesse verloren hat.
Er hat in seiner Hybris unterschätzt, wie widerstandsfähig das Mullah-Regime mit seinen Stellvertretern und seinem Atomprogramm ist. Und als die Verhandlungen mit dem Iran immer zäher und schwieriger wurden, hat er einfach seinem Vize JD Vance alles übergeben.
Er hat damit weder für sich eine gesichtswahrende Vereinbarung herbeigeführt, noch für sein Land eine Exit-Strategie aus dem Schlamassel erarbeitet. Für sich selbst aber schon. Scheitert Vance, wird Trump ihn dafür verantwortlich machen. Ist er erfolgreich, schmückt er sich mit den Lorbeeren.
Dem Rest der Welt bleibt wenig übrig. Die Europäer haben mit sich selbst genügend zu tun und sind nicht einig genug, um den beratungsresistenten Trump auf seinem Alleingang zu beeinflussen. Die Golf-Staaten arbeiten an Ausweichrouten, auf denen sie Öl und Gas zu ihren Käufern bringen können. Auch sie rechnen nicht mit einem schnellen Ende des Krieges.
Gänzlich unklar ist, wie es mit den verschiedenen Konflikten weitergeht, wer sie deeskalieren soll. Das Mullah-Regime ist zwar angeschlagen und die wirtschaftliche Lage des Landes ist katastrophal. Dennoch sitzen die Machthaber in Teheran fest im Sattel. Ähnliches gilt für die Hisbollah im Libanon, die trotz aller Rückschläge noch nicht bereit ist, ihre Macht abzugeben. Ganz zu schweigen von den Palästinensern. In Gaza leiden sie unter den Folgen des Krieges, den die radikalislamistische Hamas mit ihrem Überfall auf Israel ausgelöst hat.
