Trotz Kritik: Gemeinderat stimmt Bebauungplan für Netto-Markt in Fischbach zu
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Trotz Kritik Gemeinderat stimmt Bebauungplan für Netto-Markt in Fischbach zu
Quierschied/Fischbach-Camphausen · Die Edeka-Gruppe lehnt einen möglichen Alternativstandort für den geplanten Einkaufsmarkt ab. Weiterhin gibt es scharfe Kritik vom Fraktionsvorsitzenden der Fraktion Freie Wähler.
12.07.2026 , 18:36 Uhr
Um dieses Gelände dreht sich die Diskussion.
Foto: Heiko Lehmann
Mit der Zustimmung des Quierschieder Gemeinderates kann die Verwaltung das planungsrechtliche Verfahren bezüglich des Bebauungsplans mit der Bezeichnung F301 „Verbrauchermarkt Fischbach“ in die Wege leiten. Der entsprechende Beschluss wurde einstimmig gefasst, wobei der zuletzt einzig verbliebene Kritiker des Bauvorhabens auf dem Marktplatz des Quierschieder Ortsteils Fischbach-Camphausen, Gernot Abrahams (Freie Wähler), aus beruflichen Gründen nicht bei der Ratssitzung zugegen sein konnte.
Gibt es eine Alternative?
Mit seinen in den vergangenen Monaten eingebrachten Alternativ-Vorschlägen, die von einer Drehung des geplanten Gebäudes über eine andersartige Gestaltung der Parkflächen bis zu einem völlig anderen Standort für den Verbrauchermarkt oder der Ansiedlung eines Automatenladens nach dem Vorbild der „Friedas24“-Selbstbedienungsläden reichten, war Abrahams jeweils an der überwältigenden Mehrheit der Befürworter im Rat gescheitert. Mitunter auch bei den eigenen Fraktionskollegen.
Abrahams erneuert seine Kritik
Seine Ablehnung für den Verbrauchermarkt, der nach den vorliegenden Plänen direkt auf dem Marktplatz in Fischbach-Camphausen platziert werden soll, begründete Abrahams jetzt erneut im Gespräch mit einem SZ-Mitarbeiter. „Ich bleibe dabei, dass wir mit dem Verkauf des Marktplatzes an einen privaten Investor unser Tafelsilber verscherbeln und den Marktplatz verschandeln“, sagt Abrahams. „Die Frage ist doch, was passiert, wenn der Netto-Markt nicht laufen sollte. Dann steht womöglich in zehn oder 15 Jahren ein riesiger toter Betonklotz leer auf dem Markt herum. Dazu kommt, dass die erforderlichen Parkplätze ein gutes Stück weit in die Waldparkanlage hineinreichen und dafür ein hoher Altbestand an Bäumen und Grünbewuchs weichen muss. Ganz abgesehen von den Lärm- und Lichtbelastungen für die Anwohner durch die an- und abfahrenden Autos versiegeln wir auch noch zusätzlich mögliche Auslaufflächen für den Fischbach, was den Bürgerinnen und Bürgern irgendwann noch so richtig um die Ohren fliegen könnte.“
Abrahams nahm auch Bezug auf die aktuellen Vorgänge im Zentrum von Quierschied, wo seiner Meinung nach „gerade die bittere Vorlage für ein mögliches Scheitern des Netto-Marktes in Fischbach zur Wahrheit geworden ist“. Vor knapp einer Woche hatte die Rewe GmbH die Schließung der Quierschieder Verkaufsfiliale bekannt gegeben (wir berichteten). „Wenn im Quierschieder Zentrum schon ein Rewe nicht mehr weitermachen kann, wie soll es dann erst in Fischbach-Camphausen werden“, so seine eher rhetorische Frage.
Im Vorfeld zur Abstimmung ging Bürgermeister Lutz Maurer (parteilos) auf die alternative Möglichkeit ein, statt des Neubaus auf dem Marktplatz die jüngst freigewordene Fläche und das Gebäude des ehemaligen Motorradhandelsgeschäftes Sven van Essen in der Talstraße als neuen Standort für den Discountermarkt zu nutzen. Er reagierte damit auf entsprechende Diskussionen in den sozialen Medien, in denen diese Variante einige Befürworter gefunden hatte.
Mögliche Alternative ist zu klein
„Man hätte es sich einfach machen und sich das Gebäude und die Grundstücksfläche dort ansehen können, dann hätte man schnell erkannt, dass der Discountermarkt dort nicht reinpasst“, wie Maurer sagte. Trotzdem, und um gleichzeitig möglichen Vorwürfen entgegenzutreten, dass „die Gemeindeverwaltung nicht nach Alternativen suchen würde“ habe die Verwaltung diesbezüglich bei der Edeka-Gruppe, zu der die Netto-Märkte gehören, angefragt.
Diese habe mitgeteilt, dass sie an dem alternativen Standort keinen Markt in einer kleineren Dimension errichten wolle. Am Tag der Sitzung sei außerdem ein Schreiben des Investors GVG Grundstücksverwaltung GmbH eingegangen, in dem es ebenfalls hieß, dass „der Bau dort zu klein sei“, so Maurer weiter.
Pläne bis 31. Juli einsehbar
Für den geplanten Discountermarkt ist eine Ladenfläche von 800 Quadratmeter vorgesehen. Da es sich bei dem Bebauungsplan um eine sogenannte „Nachverdichtung im Innenbereich“ handelt, kann er nach den Bestimmungen des Baugesetzbuches (BauGB) im beschleunigten Verfahren aufgestellt werden und erfordert darüber hinaus keine Umweltverträglichkeitsprüfung. Der Bebauungsplan ist noch bis zum 31. Juli im Büro des Fischbacher Ortsvorstehers Marcus Jung in der Fischbachhalle öffentlich einsehbar. (jöw/leis)