Trockenheit hat Folgen: Stahlfirma reduziert Produktion – Trinkwasser-Ausnahmezustand und Verbote in NRW
Stand: 16.07.2026, 20:39 Uhr
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Es ist zu trocken in NRW. Die anhaltende Hitze sorgt in vielen Bereichen für Probleme und Einschränkungen. Es gelten Verbote – und eine Besserung soll vorerst nicht in Sicht sein.
Köln – Das Wetter, die anhaltende Hitze und Trockenheit, hat weitreichende Folgen fürs bevölkerungsreichste Bundesland. Trockenheit und Hitze führten zu einer Ausweitung der bestehenden Niedrigwassersituation des Rheins – und das hat auch wirtschaftliche Folgen, die bereits jetzt spürbar sind.

Das Niedrigwasser zwingt unter anderem die Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) zu Produktionseinschränkungen: Die Rohstoffversorgung des Duisburger Stahlwerks ist beeinträchtigt, die eigene Schubschifffahrt hat der Konzern bereits eingestellt. „Binnenschiffe können derzeit weniger Ladung aufnehmen als bei höheren Wasserständen“, erläutert Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Amtliche Sperrungen durch die Bundeswasserstraßenverwaltung (WSV) gebe es zwar nicht – doch die wirtschaftlichen Folgen seien bereits spürbar.
Trockenheit sorgt für Probleme in NRW – Schifffahrt beeinträchtigt
Unter anderem steht bereits in den Sternen, ob die Kirmesfähre, die nach sieben Jahren ihr Comeback auf der Düsseldorfer Rheinkirmes haben sollte, wegen des Niedrigwassers fahren kann. Vor dem offiziellen Start möchte der Betreiber der Fähre deshalb zunächst Testfahrten durchführen, denn ausgerechnet am Anleger auf der Kirmesseite ist das Wasser besonders flach – dort könnte sich die Fähre festfahren. Die niedrigen Pegelstände sorgten sogar dafür, dass ein Schiffswrack bei Emmerich wieder zu sehen ist.
Andreas Bartel vom Duisburger Hafen Duisport benennt das Problem konkret: „Die Folge sind geringere Transportmengen pro Schiff und damit steigende Transportkosten entlang der Lieferkette.“ Weil jedes Schiff weniger zulädt, braucht es für dieselbe Warenmenge mehr Fahrten. Das führt zu einem scheinbaren Paradoxon: „Daher ist bei Niedrigwasser häufig sogar ein höheres Schiffsaufkommen auf dem Rhein zu beobachten als unter normalen Bedingungen“, so Bartel. Teile der Branche weichen bereits auf den Schienenverkehr aus.
Besserung sei vorerst nicht in Sicht. Florian Krekel, Fachbereichsleiter Schifffahrt bei der WSV, prognostiziert zunächst weiter sinkende Pegel. „Für die nächsten Tage ist ein weiteres Fallen der Wasserstände prognostiziert. Ab dem 19.07. (Sonntag) wird ein vorübergehender Anstieg - vom dann nochmal niedrigeren Niveau aus - um circa 30 Zentimeter erwartet.“ Ein echter Umschwung sei erst möglich, wenn ergiebige Regenfälle im gesamten Rheineinzugsgebiet niedergehen – wann das passiert, kann nicht vorhergesagt werden.
Auch Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) fährt die Produktion zurück. Der Stahlkonzern begründet den Schritt mit der angespannten Niedrigwasserlage: Die Rohstoffversorgung des Duisburger Werkes leide darunter spürbar. Die eigene Schubschifffahrt habe man eingestellt. Mit Schubschifffahrt ist gemeint, dass ein Schiff schwimmende Behälter vor sich herschiebt, die keinen Motor haben. „Derzeit nutzen wir vorsorglich angemietete, externe Schiffe, die wegen ihres niedrigeren Tiefgangs auch bei den aktuellen Wasserständen eingesetzt werden können“, erklärte TKSE der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Kundenversorgung sei bislang nicht gefährdet.
Anhaltende Trockenheit in NRW: Trinkwasser und Verbote
Und die anhaltende Trockenheit macht auch in anderen Bereichen Probleme. Vier Kommunen aus NRW griffen bereits im Juni hart durch. Seit Mittwoch, 24. Juni, ist es in Hille, Hüllhorst, Bad Oeynhausen und Löhne verboten, Trinkwasser für den Garten, die Einfahrt oder den Pool zu nutzen. Erlaubt bleibt Trinkwasser künftig nur noch zum Kochen, Trinken und für die persönliche Hygiene. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld rechnen.
Zudem gilt in vielen Regierungsbezirken von NRW schon jetzt ein Verbot, was die Wasserentnahme betrifft. So zog etwa der Märkische Kreis die Notbremse: Dort werden Wasserentnahmen nun weitestgehend verboten. Auch in anderen Kreisen und Städten wurden bereits ähnliche Verbote ausgesprochen. (ak/dpa)