Deutsche stirb bei Flugunfall in Tirol: Expertin äußert sich zu Ursache und spricht von „verbotener“ Diszplin

Tragischer Unfalltod von junger Deutscher: Flugschule spricht von „ausdrücklich verbotener“ Disziplin

Stand: 13.07.2026, 20:52 Uhr

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Eine junge Hessin stirbt am Elfer in Tirol. Angenommen wird ein Unfall mit einem Gleitschirm. Eine Flugschule rechnet aber mit einer verbotenen Disziplin.

Neustift – Strahlender Sonnenschein lockte am 10. Juli 2026 zahlreiche Flugsportler an den Elfer im Stubaital. Gegen 10 Uhr morgens startete dort eine 28-jährige Pilotin aus dem hessischen Schwalm-Eder-Kreis ihren Flug. Doch wenige Minuten später geriet ihr Fluggerät außer Kontrolle. Die junge Frau stürzte in ein bewaldetes Gelände und prallte gegen einen Baum. Ein Wanderer entdeckte die leblose Pilotin in rund 40 Metern Höhe – eingeklemmt in einer Baumkrone. Die Bergwacht rückte aus und barg die Verunglückte. Für die 28-Jährige kam jede Hilfe zu spät.

Ein Paraglider am Abendhimmel

Eine junge Hessin stirbt am Elfer in Tirol. Angenommen wird ein Unfall mit einem Gleitschirm. Eine Flugschule rechnet aber mit einer verbotenen Disziplin. (Symbolbild) © dpa | Daniel Karmann

Die Tiroler Polizei konnte die Unfallursache zunächst nicht klären, vermutete jedoch einen Zusammenhang mit den Windverhältnissen. Das Unglück wurde als „Gleitschirmunfall“ eingeordnet. Doch diese Darstellung ist nach Angaben der Stubaier Flugschule falsch. Monika Eller von der Flugschule hielt gegenüber Ippen.Media fest: „Beim tragischen Flugunfall am Elfer handelt es sich nicht um einen Gleitschirmunfall, sondern um einen Speedgliding-Unfall.“

Verunfallte Hessin könnte deutlich schneller geflogen sein

Der Unterschied zwischen beiden Sportarten sei gravierend. Klassische Gleitschirme gleiten mit Geschwindigkeiten zwischen 28 und 38 km/h durch die Luft. Speedglider hingegen erreichen Tempo 60 bis über 100 km/h. Eller verdeutlicht die Konsequenzen: „Ein Zusammenstoß mit einem Hindernis kann beim Speedgliding aufgrund der hohen Geschwindigkeit innerhalb von Sekunden tödlich enden. Diese Risiken sind mit jenen des klassischen Gleitschirmfliegens nicht vergleichbar.“

Besonders brisant: Die Sportart ist am Elfer ausdrücklich untersagt. Die Flugschule weist laut Eller sowohl auf ihrer Homepage als auch durch Schilder und Transparente an der Talstation darauf hin. „Speedglider sind nicht zugelassen, es gibt dafür keine Schulung und auch keinen Versicherungsschutz“, betont Eller. Sie zieht einen drastischen Vergleich: „Speedgliding ist quasi das, was beim Klettern als ‚free solo‘ bezeichnet wird.“

Expertin äußert sich: „Ursache des Unfalls dürfte Flugfehler gewesen sein“

Zur Unfallursache äußert sich die Expertin ebenfalls: „Nach derzeitiger Einschätzung dürfte ein Flugfehler die Ursache des Unfalls gewesen sein. Die Pilotin hatte nach einer längeren Flugpause noch wenig aktuelle Flugpraxis.“ Die Polizei hat das bislang noch nicht bestätigt. Die Stubaier Flugschule pocht auf eine präzise Berichterstattung.

„Eine pauschale Bezeichnung als ‚Gleitschirmunfall‘ ist faktisch nicht zutreffend, vermittelt ein falsches Bild der tatsächlichen Ereignisse und wird den unterschiedlichen Sicherheitsprofilen der beiden Sportarten nicht gerecht“, erklärt Eller. Zeitgleich drückte sie ihr Beileid gegenüber des tragischen Ablebens der jungen Hessin aus: „Unser tiefes Mitgefühl gilt der Familie, den Angehörigen und allen Freunden der verunglückten Pilotin.

Am selben Wochenende ereignete sich in Tirol ein weiterer Unfall mit Flugsportlern. Ein 24-jähriger Paragleitpilot aus Nordrhein-Westfalen stürzte in den Achensee. Sein Schirm klappte aus ungeklärter Ursache zusammen, der Mann fiel aus rund 25 Metern Höhe ins Wasser. Zwei Bootsfahrer bargen ihn und brachten ihn ans Ufer. Ein Helikopter flog den Verletzten anschließend in eine Klinik. Die österreichische Statistikbehörde registrierte im vergangenen Jahr 78 Unfälle mit Gleit- und Hängefliegern. Sechs davon endeten tödlich. (Quellen: Eigene Anfrage an Stubaier Flugschule, DPA) (rd)