Traditionsbrauerei bringt Radler auf den Markt – mit 60 Prozent Bieranteil

Stand: 20.07.2026, 07:08 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Stolz auf das neue Produkt: Die Dachsbräu-Geschäftsführer Günter Klose und Ulrike Flassig mit dem neuen Radler.

Stolz auf das neue Produkt: Die Dachsbräu-Geschäftsführer Günter Klose und Ulrike Flassig mit dem neuen Radler. © Boris Forstner

Die Weilheimer Brauerei Dachsbräu hat ein Radler auf den Markt gebracht. Es besteht zu 60 Prozent aus Bier und zu 40 Prozent aus zuckerfreier Zitronenlimo.

Weilheim/Schongau – Günter Klose musste lachen, als er vor einigen Tagen las, dass das Tegernseer Brauhaus nicht mit dem Brauen ihres neuen Radlers nachkommt. „Bei uns gibt es keinen zweiwöchigen Turnus wie dort. Wenn wir Nachschub brauchen, machen wir das einfach“, sagt der Dachsbräu-Braumeister, der mit seiner Schwester Ulrike Flassig den Traditionsbetrieb leitet. Doch die Nachricht zeigt ihm auch, wie wichtig so ein Angebot ist. „Auch bei uns gab es immer wieder Nachfragen, ob wir nicht ein Radler anbieten“, sagt Flassig. „Ich wollte das schon länger machen, jetzt haben wir es umgesetzt“, so Klose.

Brauhaus expandiert

Nach dem Aus des Rössle-Biergarten in Schongau betreibt das Brauhaus um Stephan Albrecht derzeit in Tutzing zur traditionellen Fischerhochzeit einen Pop-up-Biergarten. In einem Bericht des Starnberger Merkur wird Albrecht zitiert, er suche im Ort eine geeignete Immobilie mit Biergarten und Gasthaus, wo man auch eine Brauerei einbauen könnte. Droht ein Weggang aus Schongau? „Nein, auf keinen Fall“, sagt Albrecht. Aber er wohne in Tutzing, seine Familie stamme von dort und habe bis 1974 auch Bier dort gebraut. Weil er bald mit seinem Jura-Studium fertig sei, könne er sich in der dortigen Region einen zusätzlichen Standort vorstellen. Auf Schongau habe das keine Auswirkung, im Gegenteil. „Wir werden im Herbst einen neuen Betrieb im Schongauer Umland übernehmen“, kündigt Albrecht an.

Vor drei Jahren hat er einen Maibock kreiert und ins Sortiment aufgenommen, doch beim Radler war er auf Unterstützung angewiesen. „Schließlich brauchen wir Zitronenlimo dazu“, sagt Klose. Man habe sich in der Region umgeschaut und sei bei Getränke Jocher in Peiting fündig geworden, der gleich interessiert war. Man habe sich, wie viele andere Brauereien auch, für zuckerfreie Limo fürs Radler entschieden.

Naturtrübes Ur-Hell statt normales Helles

Doch das war nicht die einzige Auswahl, die anstand. Normales Helles oder das beliebte Ur-Hell? Klose und Flassig wählten die naturtrübe Variante. Und auch das Verhältnis Bier-Limo ist natürlich wichtig. „Ein Radler darf höchstens 60 Prozent von einer Komponente haben“, sagt Klose. Der österreichische Marktführer Gösser, dessen Radler längst auch bei uns in den Regalen steht, hat 40 Prozent Bier, beim Dachsbräu ist es umgekehrt und hat 3,5 Prozent Alkoholgehalt.

Bei der Produktion wurde viel probiert, „das war gar nicht so einfach“, sagt Klose. Ein erster Test mit 60 Kästen des neuen Radlers ist zum Probieren an Stammkunden ausgegeben worden, die Reaktionen seien meist positiv gewesen, sagt Flassig. Bevor das Radler vergangene Woche auch in die Getränkemärkte ausgeliefert wurde, musste auch noch ein passendes Etikett her. Flassig machte ein Foto vom Weilheimer Hausberg Gögerl, dazu kam ein per KI erstellter Dachs, der auf einem Radl sitzt. „Dann wollten wir auch noch irgendwo Zitronen draufbringen. Aber meine Frau ist Grafikerin, die hat das gut hinbekommen“, sagt Klose.

Entalkoholisierung ist teuer

Der nächste Schritt nach dem Radler wäre das alkoholfreie Bier, doch da ist und bleibt Klose skeptisch. Allein wegen der Kosten: „Man braucht eine Entalkoholisierungsanlage, die kostet mehr als 100.000 Euro“, sagt Klose. Das sei nicht nebenbei zu leisten. Am Platz würde es nicht scheitern, aber der Prozess dauere lange und verbrauche eine enorme Menge Strom. Von der zweiten Möglichkeit, die Gärung zu unterbrechen, hält Klose nichts. „Diese alkoholfreien Biere schmecken meist nicht so gut“, ist er überzeugt.

Außerdem sieht Klose den Hype, der auch durch das bewusst knapp gehaltene alkoholfreie Augustiner befeuert worden sei, trotz steigender Marktanteile von mittlerweile zehn Prozent in Bayern am Abflauen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand am Stammtisch fünf Halbe alkoholfrei trinkt. Wo bleibt da die Geselligkeit?“, fragt Klose. Man biete immerhin seit Jahrzehnten alkoholfreies Bier von Tucher an.

Für Brauhaus ist Radler keine Option

Sehr wohl mit dem Thema alkoholfreies Bier beschäftigt sich dagegen Stephan Albrecht, Braumeister am Schongauer Brauhaus. „Da sind wir dran, auch wenn es viel Aufwand ist“, sagt er. Eine Anlage zur Entalkoholisierung „macht für uns als Kleinbrauerei keinen Sinn“, so Albrecht, deshalb setzt er auf die von Klose geschmähte Methode. „Es gibt mittlerweile gute Hefen, die den Alkoholgehalt unter 0,5 Prozent drücken können“, sagt Albrecht. Er könne sich da eine Zusammenarbeit mit einer anderen Brauerei vorstellen. Bisher bietet das Brauhaus als alkoholfreies Bier das König Ludwig Weißbier der Brauerei Kaltenberg an. Ein Radler wie beim Dachsbräu sei aber keine Option, „weil wir zu wenig in Flaschen abfüllen. Das lohnt sich nicht“, so Albrecht.