Tour: Van der Poel feiert im Zentralmassiv Ausreißer-Sieg

Mathieu van der Poel

Stand: 12.07.2026 • 18:29 Uhr

Mathieu van der Poel hat die 9. Etappe der Tour de France gewonnen. Der Niederländer setzte sich in Ussel souverän im Sprint einer vierköpfigen Ausreißergruppe durch - ganz knapp vor dem Feld mit den Klassementfahrern.

Von Ralf Schloßmacher

Van der Poel war den letzten Kilometer komplett von vorne gefahren, hatte den Sprint des Quartetts 250 Meter vor dem Ziel eröffnet und war auch auf den letzten Metern eindeutig der Stärkste. Bereits 25 Kilometer vor dem Ziel hatte der 31-Jährige für eine Selektion der ehemals acht Ausreißer gesorgt.

Zweiter wurde nach einer weiteren Hitzeetappe Tobias Johannessen, Dritter Tom Pidcok. Alex Baudin musste sich mit Platz vier begnügen. Nur sechs Sekunden dahinter rauschte das Hauptfeld mit Tadej Pogacar im Gelben Trikot über die Ziellinie. Mads Pedersen im Grünen Trikot baute dabei als Sechster seine Führung in der Punktewertung aus.

Mathieu van der Poel jubel auf der Zielgeraden

Dritter Etappensieg für van der Poel

Für van der Poel war es nach 2021 und 2025 der dritte Etappensieg beim größten Radrennen der Welt. Bei seinem Team Alpecin-Premier Tech dürfte der Erfolg für Erleichterung sorgen, nachdem es bei den Flachetappen bislang nicht für einen Sieg von Top-Sprinter Jasper Philipsen gereicht hatte. Im Sieger-Interview sagt van der Poel: "Es war ein brutal harter Tag. Die Tour war bis jetzt noch nicht erfolgreich für unser Team. Aber wir haben eine super Gruppe hier und haben immer dran geglaubt, dass wir das Ruder noch rumreißen können."

Die 9. Etappe war wegen einer Hitzewarnung um 30 Kilometer verkürzt worden. Für den ersten Teil der Strecke, der etwas tiefer im Zentralmassiv lag, waren bis zu 40 Grad vorausgesagt. Auf den ersten Kilometern wurde daher eine kürzere Route gefahren. Vor der ersten von vier Bergwertungen ging es zurück auf die ursprünglich geplante Strecke. Die 154 Kilometer von Malemort nach Ussel blieben sportlich auch so anspruchsvoll. Es ging stetig bergauf und bergab, 2690 Höhenmeter summierten sich dabei.

Rasantes Anfangstempo

Vorgezogen wurde auch die Sprintwertung, die kam nun schon nach 13,2 Kilometern. Die 25 Punkte auf ansteigender Straße holte sich locker Pedersen. Danach ging das Rennen so richtig los. Und es gab nach zwei Flachetappen wieder großes Interesse, in die Ausreißergruppe zu kommen.

Aber auch nach 50 Kilometern hatte sich noch keine Spitzengruppe gefunden. Die vielen Attacken und Konter-Attacken sorgten für ein rasantes Durchschnittstempo von 47 km/h nach einer guten Rennstunde. Das Feld mit dem Gelben Trikot wurde dabei immer kleiner und dahinter hatte das Gruppetto mit den meisten Sprintern schon mehr als fünf Minuten Rückstand.

Nach mehr als 60 Kilometern hatten es dann doch 16 Fahrer geschafft, sich abzusetzen. Mit nur 20 Sekunden Vorsprung ging es für die Spitzengruppe in den schwersten Anstieg des Tages. Am 3,8 Kilometer langen Suc au May sortierte sich die Gruppe dann neu. Pidcock führte die nun achtköpfige Rennspitze bei der Bergwertung der 2. Kategorie an und holte sich seine ersten fünf Berpunkte. Die Mitstreiter des Briten: Johannessen, van der Poel, Baudin, Quinn Simmons, Lennert Van Eetvelt, Derek Gee-West und Pablo Castrillo.

Die Ausreißergruppe mit Tom Pidcock bei der 9. Etappe

Van der Poel attackiert an kurzer Rampe

Die vorletzte Bergwertung 56 Kilometer vor dem Ziel gewann auch Pidcock, er sammelte damit zwei weitere Punkte. Mit nur noch 30 Sekunden Vorsprung ging es in die letzte Bergwertung 25 Kilometer vor dem Ziel. Auf der nur 900 Meter langen Rampe ging van der Poel in die Attacke und fuhr als Erster über die Kuppe. Jetzt ging es vor allem bergab in Richtung Ziel. Und der Niederländer hatte die Gruppe mit seiner Attacke verkleinert: Johannessen, Pidcock und Baudin waren noch dabei.

Zehn Kilometer vor dem Ziel hatte das Quartett an der Spitze 42 Sekunden Vorsprung, dahinter kam nur noch das Feld. Dort beteiligte sich jetzt auch Lidl-Trek für Pedersen an der Tempoarbeit. Aber die Ausreißer harmonierten gut, drei Kilometer vor dem Ziel waren es immer noch 30 Sekunden - und der Sieg war ganz nah.

Bergetappe durch die Auvergne nach dem Ruhetag

Weiter geht es bei der Tour am Dienstag. Nach dem Ruhetag steht am französischen Nationalfeiertag ein anspruchsvolles Teilstück durch die Vulkanberge der Auvergne an. Bei der 10. Etappe geht es über 167 Kilometer von Aurillac nach Le Lioran. Sieben Bergwertungen stehen dabei an - und die Fahrer werden am Ende 3.800 Höhenmeter in den Beinen haben.