FIFA WM 2026: Tops, Flops und andere Aufreger
FIFA WM 2026
Die 23. Fußball-WM ist Geschichte. Mit dem Finalerfolg von Spanien am Sonntag ist die erste Weltmeisterschaft mit 48 Teilnehmern in Nordamerika zu Ende gegangen. 104 Matches wurden gespielt und brachten große Auftritte der Stars, aber auch viel Gesprächsstoff. Die Trinkpausen wurden ebenso diskutiert wie die Linie der Schiedsrichter und das Agieren des VAR. Der größte Aufreger war aber zweifellos der Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Präsident Gianni Infantino, der die Integrität des Sports auf ewig beschädigt hat.
Online seit gestern, 18.12 Uhr
Tops
Lionel Messi: Der argentinische Superstar ist und bleibt auch im stolzen Fußballeralter ein Phänomen. „Er ist der beste Spieler, den es jemals gegeben hat. Das hat er wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, sagte Österreichs Teamchef Ralf Rangnick nach der Gala des 39-Jährigen gegen das ÖFB-Team. Messi führte Argentinien ins Finale, stand mit acht Treffern zwischendurch an der Spitze der Torschützenliste des Turniers und ist mit 21 Treffern zweitbester Torschütze der WM-Geschichte.
Spanien: Der Star ist das Kollektiv. Keine andere WM-Mannschaft wirkte offensiv wie defensiv so in sich geschlossen wie das spanische Ensemble. Aus dem Team von Trainer Luis de la Fuente ragte niemand heraus, auch Lamine Yamal nicht. Taktgeber der Mannschaft war Rodri. „Ich habe noch nie eine so vorbildliche Gruppe erlebt, auf dem Platz und neben dem Platz“, erklärte de la Fuente.
Topstürmer: Die Superstars mit Torauftrag kannten keine Ladehemmung. Neben Messi feierten auch Kylian Mbappe (zehn Tore, ewiger WM-Rekord mit 22 Toren), Erling Haaland und Jude Bellingham (je sieben) und Harry Kane (sechs) persönliche Torfestivals. Nicht ganz mithalten konnte Cristiano Ronaldo, der 41-jährige Portugiese erzielte aber immerhin drei Tore und war der einzige seiner Mannschaft, der mehr als einen Treffer verbuchte.
Neue Regeln: Eine echte Wohltat waren die Maßnahmen gegen das Zeitschinden. Der Fünf-Sekunden-Countdown bei Einwürfen und Abstößen sowie die Zehn-Sekunden-Regel bei Auswechslungen führten zur erhofften Beschleunigung des Spiels. Auch das unwürdige Vortäuschen von Verletzungen wurde unterbunden, weil ein Spieler nach einer Behandlung auf dem Spielfeld erst eine Minute nach Spielfortsetzung wieder aufs Feld zurückdurfte.
Allerdings ahndeten viele Schiedsrichter zu viele klare Vergehen auch gar nicht, was zu „schmutziger“ Spielweise führte. Eine Gelbe Karte zum richtigen Zeitpunkt hätte hier so manche ungesühnte Foulorgie unterbunden.
Fans: Rudernde Norweger, feiernde Schotten, die Boston verzückten, und Südamerikaner, die die Stadien füllten: Aller Kritik zum Trotz war auch diese WM ein Event des kulturellen Austauschs. Die Stimmung passte auch auf den Rängen. Trotz Kritik an der Ticketpolitik der FIFA waren die Stadien gut ausgelastet, auch das Rundherum ging friedlich vonstatten. Pyrotechnikfestspiele gab es nur abseits des Feldes.
Underdogs: WM-Debütant Kap Verde schaffte mit einem 0:0 gegen Spanien die erste Sensation des Turniers, warf den zweifachen Weltmeister Uruguay aus dem Bewerb und zwang Argentinien im Sechzehntelfinale in die Verlängerung. Für weltweite Schlagzeilen sorgte auch Curacao. Das kleinste Land, das jemals an einer WM-Endrunde teilnahm, feierte mit einem 0:0 gegen Ecuador einen historischen Punktegewinn. Die DR Kongo kam bis ins Sechzehntelfinale und stand gegen England vor der ganz großen Sensation, ehe Kane in der letzten Viertelstunde zuschlug.
Torhüter: Unai Simon stellte einen neuen WM-Rekord auf. 649 Minuten blieb der spanische Schlussmann ohne Gegentreffer, erst im Viertelfinale beendete der Belgier Charles De Ketelaere diese Serie. Simon profitierte aber auch von der herausragenden spanischen Defensivarbeit.
Auch viele andere Torhüter sorgten für positive Schlagzeilen. Vozinha wurde zum Gesicht der Underdogs, der 40-Jährige führte Kap Verde sensationell zu einem 0:0 gegen Spanien und ins Sechzehntelfinale. Eloy Room aus Curacao stellte beim historischen ersten WM-Punktegewinn des Landes (0:0 gegen Ecuador) sogar einen Paradenrekord auf. Alexander Schlager war bester Mann im ÖFB-Team und erspielte sich damit einen Vertrag bei Werder Bremen.
Flops
Leandro Paredes: Hässliche Szenen gab es unmittelbar nach dem Spielende des WM-Finales: Argentiniens Leandro Paredes ließ sich nach der 0:1-Niederlage gegen Spanien zu einer Tätlichkeit hinreißen. Der Spieler von den Boca Juniors griff bei Rangeleien Spaniens Gavi am Leibchen, traf ihn mit der Hand im Gesicht und schubste ihn zu Boden. Der Argentinier stand schon während des Spiels mit einer Gelben Karte vorbelastet kurz vor dem Platzverweis.
Argentiniern brennen Sicherungen durch
Der Frust über die 0:1-Niederlage im WM-Finale gegen Spanien saß bei Argentinien nach Abpfiff tief. Während Spanien seinen zweiten Titel feierte, kam es nach dem Schlusspfiff zu unrühmlichen Szenen: Leandro Paredes stieß Gavi zu Boden. Lionel Scaloni verhinderte eine Eskalation.
Schiedsrichter: Die Politik der FIFA, nicht ausschließlich die besten Unparteiischen zu nominieren, sondern Referees aus allen Kontinenten, rächte sich. Einige Schiedsrichter waren heillos überfordert, am offensichtlichsten der Usbeke Ilgiz Tantaschjew im Achtelfinale Frankreich gegen Paraguay. Tantaschjew ließ den Südamerikanern übertriebene Härte und mehrere klare Fouls durchgehen und zeigte den Spielern von Paraguay keine einzige Gelbe Karte, Frankreich aber gleich drei.
Deutschland: Nach dem Vorrunden-Aus 2018 und 2022 ging auch in Nordamerika das Achtelfinale ohne das DFB-Team über die Bühne. „Es wäre vermessen, wenn wir nach dem dritten großen Turnier sagen, wir gehören noch zur Weltspitze, das tun wir einfach nicht“, erklärte Julian Nagelsmann nach dem Aus im Elfmeterschießen gegen Paraguay. Wenige Tage später war Nagelsmann als Teamchef Geschichte, Jürgen Klopp soll die Deutschen wieder titelfähig machen.
Asien: Von den neun Teams des größten Kontinents schafften es nur Japan und Australien aus der Gruppenphase. Im Sechzehntelfinale war für beide Schluss.
Preise: Abseits des Rasens sorgte vor allem die Kostenentwicklung für Kritik. Dynamische Ticketpreise, teils mehrere tausend Dollar für K.-o.-Spiele und das spielerisch enttäuschende Finale, hohe Park- und Transportgebühren sowie deutlich teurere Speisen und Getränke (25 Euro für einen Becher Bier) in vielen US-Stadien ließen den Stadionbesuch für zahlreiche Fans zu einem teuren Spaß werden.
Gesprächsstoff
Fall Balogun: Mit einem Kniefall vor den Mächtigen zog sich die FIFA mit ihrer Entscheidung in der Causa Folarin Balogun weltweite Empörung zu. Der US-Stürmer war im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina ausgeschlossen worden, was normalerweise eine automatische Sperre nach sich zieht. Nach einem Anruf von US-Präsident Trump bei FIFA-Präsident Infantino setzte der Weltverband die Sperre aber auf Bewährung aus, Balogun durfte im Achtelfinale gegen Belgien spielen. Nicht nur der Europäische Fußballverband (UEFA) zeigte sich „fassungslos über diese beispiellose, unbegreifliche und ungerechtfertigte Entscheidung“.
Hydration Break – Trinkpause: Das vermeintliche Unwort der WM. Unter Pfiffen und Buhrufen der Fans gab es für die Spieler zwei zusätzliche Pausen pro Partie. Die offizielle Begründung: Es soll für das Wohlbefinden der Spieler während der WM gesorgt werden. Hinter der Pause standen aber wohl auch kommerzielle Interessen. Schließlich wurden während jeder der dreiminütigen Spielunterbrechungen im TV Werbungen geschaltet. Die Meinungen der Protagonisten über die Kunstpause waren gespalten. So manches Spiel nahm nach der künstlichen Unterbrechung eine neue Wendung.
VAR: So wie die Schiedsrichter gerieten auch die Videoassistenten (VAR) in die Kritik. Es mag einer gewissen österreichischen Perspektive geschuldet sein: Nicht zuletzt Rangnick kritisierte den VAR für einen uneinheitlichen Einsatz, weil sich Österreich bei der 0:2-Niederlage gegen Argentinien benachteiligt sah. Rangnick äußerte den „unguten Verdacht“, dass sich der VAR gegen größere Nationen weniger einzuschreiten traue. Tatsache ist aber auch, dass dank der Eingriffe des VAR viele Fehlentscheidungen verhindert wurden.