Tolle Natur, aber Jugendliche sehen kein Freizeitangebot für sich

Stand: 13.07.2026, 17:00 Uhr

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Maisacker mit untergehender Sonne

Die Naturnähe in allen Dörfern der Samtgemeinde Fintel wird von 97 Prozent der Befragten gelobt. © Tom Kreib

In der Samtgemeinde Fintel haben 557 Bürger an einer Onlineumfrage teilgenommen. Unter den Teilnehmern bis 20 Jahre liegt die Zustimmung zur Attraktivität der Freizeit- und Vereinsangebote für die eigene Altersgruppe bei null Prozent.

Lauenbrück – Die Samtgemeinde Fintel hat die Ergebnisse ihrer Bürgerbefragung online vorgestellt. Die Umfrage wurde Ende vergangenen Jahres durchgeführt. Von insgesamt 642 Teilnehmern flossen 557 vollständig ausgefüllte Fragebögen von Bürgerinnen und Bürgern aus der Samtgemeinde in die Auswertung ein. Das entspricht 6,95 Prozent der insgesamt 8.014 Einwohner.

Zur Frage der Aussagekraft dieser Beteiligungsquote betont die Verwaltung, dass es – ähnlich wie bei bundesweiten Umfragen – weniger auf die absolute Zahl als auf die Zusammensetzung der Befragten ankomme. Da die Online-Befragung für alle Bürger offenstand und eine breite Teilnahme ermöglicht habe, sei davon auszugehen, dass die Ergebnisse das Stimmungs- und Meinungsbild in der Samtgemeinde Fintel gut abbilden.

Die Auswertung des Teilbereichs Zukunftskompass zeigt ein sehr stabiles emotionales Fundament: 86 Prozent der Befragten geben an, insgesamt gerne oder eher gerne in der Samtgemeinde zu wohnen. Die emotionale Bindung zur Gemeinde liegt konstant bei 70 Prozent.

Bushaltestellenschild vor Schule

Der ÖPNV wird von vielen Bürgern als schlecht bewertet. © Tom Kreib

Deutlich zurück bleibt jedoch die positive Bewertung der konkreten Alltagsbedingungen wie Infrastruktur, Einkaufsmöglichkeiten und Mobilität. Hier kommen die Rahmenbedingungen nur auf 56 Prozent Zustimmung. Wie aus der Auswertung hervorgeht, öffnet sich damit eine spürbare Lücke zwischen Bauchgefühl und praktischem Alltag.

In Fintel leben die zufriedensten Einwohner

Die Zufriedenheit mit den Rahmenbedingungen variiert spürbar zwischen den Orten. Fintel erreicht mit 65 Prozent die höchste Zustimmung, dicht gefolgt von Helvesiek mit 64 Prozent. Lauenbrück liegt mit 53 Prozent im Mittelfeld. Stemmen kommt auf genau 50 Prozent, Vahlde bildet mit 47 Prozent das Schlusslicht.

Im Bereich „Versorgung und Infrastruktur“ schneiden die Bildungsangebote besonders positiv ab: Schulen und Betreuungseinrichtungen werden von 92 Prozent der Befragten als „sehr gut“ oder „eher gut“ bewertet und gelten damit laut Verwaltung als Aushängeschild der Samtgemeinde. Freizeit- und Sportanlagen erhalten 81 Prozent Zustimmung, die medizinische Versorgung 68 Prozent.

Problem bleibt der ÖPNV

Die digitale Infrastruktur – schnelles Internet und Mobilfunk – wird von den Bürgern als „extrem wichtig“ eingestuft und im Chancen-Radar zugleich mit einer hohen Erfüllungsquote verknüpft. Deutlich kritischer fällt das Urteil über den öffentlichen Nahverkehr aus: Nur 45 Prozent sind mit Bus- und Bahnangeboten zufrieden, 56 Prozent bewerten diesen Bereich ausdrücklich als schlecht.

Auch bei „Ortsqualität und Umwelt“ ergibt sich ein gemischtes Bild: Die Naturnähe (97 Prozent Zustimmung), Grünanlagen und Naherholung (88 Prozent) werden überragend bewertet. Umweltbelastungen wie Lärm oder Luftverschmutzung spielen für die Mehrheit kaum eine Rolle. Gleichzeitig zeigen sich aber deutliche Defizite bei der Alltagsinfrastruktur: 95 Prozent bewerten das Angebot an öffentlichen Toiletten als schlecht oder sehr schlecht, 46 Prozent sehen auch bei der Barrierefreiheit deutlichen Verbesserungsbedarf.

Das Freizeitangebot insgesamt erhält von 59 Prozent der Befragten eine positive Bewertung. Im Detail offenbart die Umfrage jedoch ein klares Problem bei jungen Menschen: Unter den Teilnehmern bis 20 Jahre liegt die Zustimmung zur Attraktivität der Freizeit- und Vereinsangebote für die eigene Altersgruppe bei null Prozent.

Da in den Vereinen tatsächlich ein breites Angebot für Jugendliche vorhanden sei, stelle sich aus Sicht der Verwaltung eher die Frage nach der Kommunikation nach außen als nach der Qualität der Angebote. Hier deutet die Auswertung auf einen Informationsmangel hin.

Viele Bürger wollen das Gemeindeleben aktiv mitgestalten.

Positiv fällt die Bilanz beim bürgerschaftlichen Engagement aus: Mit einer Ehrenamtsquote von 49 Prozent liegt die Samtgemeinde deutlich über dem deutschen Durchschnitt. Besonders hoch ist das Engagement in Helvesiek (73 Prozent) und in Stemmen (62 Prozent). Laut Verwaltung zeigt sich hier eine große Bereitschaft, das Gemeindeleben aktiv mitzugestalten.

Trotz hoher Wohnzufriedenheit: Nur 46 Prozent der Befragten fühlen sich nach eigenen Angaben wirklich stark als Teil der Samtgemeinde. Gleichzeitig äußern 67 Prozent ausdrücklich den Wunsch nach mehr Gemeinschaftsgeist in ihren Orten. Am stärksten ist dieser Wunsch in Lauenbrück (71 Prozent) und Fintel (69 Prozent) ausgeprägt. Laut Verwaltung wird hier ein wichtiges Handlungsfeld sichtbar – insbesondere mit Blick auf die Einbindung von Zugezogenen.

Die Ergebnisse der Onlineumfrage sollen als Grundlage für die weitere strategische Planung dienen. Konkrete Maßnahmen – insbesondere zur Verbesserung der Mobilität, zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und zur Ansprache junger Menschen – sollen in den kommenden Monaten ausgearbeitet und mit der Politik beraten werden.

Die gesamten Ergebnisse sind unter www.sgfintel.de abrufbar.