Eigene Bedürfnisse: Tiere bei Hitze auf Schutz angewiesen
Eigene Bedürfnisse
Auch am Dienstag klettert das Thermometer in weiten Teilen Österreichs wieder auf über 30 Grad, im Großraum Wien etwa sind bis zu 33 Grad prognostiziert. Wenn die Temperaturen wieder steigen, erhöht sich auch das Risiko von Gesundheitsbeeinträchtigungen bei Tieren. Das verschlossene Auto kann schnell zur tödlichen Falle werden, eine oft unterschätzte Gefahr ist zudem heißer Asphalt. Es gibt aber Abhilfen sowie Tipps und Tricks, um Haus- und Hoftier gut durch die Hitzewelle zu begleiten.
Online seit heute, 6.09 Uhr
Bereits im Mai gab es heuer die erste Hitzewelle, im Juni die nächste. Auch Tiere müssen mit veränderten Klimabedingungen zurechtkommen, auch wenn sie dafür körperlich gar nicht ausgestattet sind.
Wildtiere leiden mitunter stark unter Hitze, Tierschutz Austria versorgte etwa an einem Wochenende im Juni 250 Wildtiere, darunter Jungvögel, Rehkitze und Igel. Junge Mauersegler flüchten vorzeitig aus Nestern auf aufgeheizten Hausdächern und stürzen in die Tiefe – mehr dazu in wien.ORF.at.
Auch die Debatte über Fiakerpferde in der heißen Stadt ist wieder aufgeflammt. In Wien dürfen sie nicht eingesetzt werden, wenn bei der Wetterstation Innere Stadt mindestens 35 Grad gemessen werden. Für Tierschutzorganisationen wie den Verein gegen Tierfabriken (VGT) ist das zu wenig, er fordert Regelungen wie in Berlin, wo für Pferdekutschen hitzefrei ab 30 Grad gilt – mehr dazu in wien.ORF.at.
Schatten ist ein Muss
Aber auch Haustiere sind bei Hitze gefährdet. Im Gegensatz zum Menschen können sie sich meist nicht durch Schwitzen abkühlen, sondern vor allem durch Hecheln und Trinken. Ausreichend Flüssigkeit ist deshalb überlebenswichtig.
Zu häufigen Hitzeopfern gehören Kaninchen, Meerschweinchen und Ziervögel, wenn deren Käfige oder Freigehege der prallen Sonne ausgesetzt sind. Schatten ist daher ein Muss, hilfreich sind auch kühle Steinplatten und feuchte Handtücher über dem Gehege. Fensterplätze und Balkone sind für Vögel an heißen Tagen tabu.
Auch Fische sollten vor großer Hitze geschützt werden, denn das Wasser im Aquarium kann sich rasch lebensbedrohlich erwärmen. Notfalls sollte vorsichtig kaltes Wasser nachgefüllt werden.
Katzen leiden still
Katzen leiden oft unbemerkt. Um die Flüssigkeitszufuhr zu fördern, gibt es etwa eigene Trinkbrunnen. Auch Nassfutter und ungesalzene Suppe im Napf können zum Trinken animieren, Kühlmatten sind nur bei manchen Katzen beliebt.
Hat eine Katze einen Hitzschlag, erkennt man das an Unruhe, erhöhtem Herzschlag und erhöhter Temperatur sowie daran, dass die Tiere stark hechelnd auf dem Bauch liegen. Bei diesen Symptomen gilt es, schnellstens den Tierarzt aufzusuchen.
Hunde schon bei 28 Grad beeinträchtigt
Für Hunde gibt es im Sommer allerhand Gefahren, die den Menschen nicht immer bewusst sind. Ihr wichtigster Kühlmechanismus ist das Hecheln: Durch die Verdunstung von Speichel über die Atemwege wird Wärme abgeführt und das Blut gekühlt. Dieses System gerät jedoch schnell an seine Grenzen. Bereits bei Außentemperaturen über 28 Grad kann ein Hund seine Körpertemperatur nicht mehr ausreichend regulieren. Beim Beißkorb ist jedenfalls darauf zu achten, dass der Hund problemlos hecheln kann.
Während die normale Körpertemperatur eines gesunden Hundes zwischen 37,5 und 39 Grad Celsius liegt, kann sie bei Überhitzung in kürzester Zeit auf über 41 Grad steigen. Das kann zu Kreislaufversagen, Hitzschlag und schwerwiegenden Organschäden führen und tödlich verlaufen. Ein Hitzschlag zeigt sich etwa durch Hecheln mit gestrecktem Hals, Erbrechen und Bewusstlosigkeit. Auch hier ist sofortige Hilfe durch einen Tierarzt angezeigt.
Heiße Pfoten
Auch der Straßenboden kann für Hunde zur Gefahr werden. Asphalt und Pflastersteine speichern Hitze besonders gut: Bereits bei einer Lufttemperatur von 25 Grad kann sich der Asphalt auf über 50 Grad aufheizen und zu schweren Verbrennungen führen.
Hundeschuhe können hier Abhilfe schaffen, auch ein Handtest auf dem Boden ist sinnvoll. Noch besser ist es freilich, längere Spaziergänge in die Morgen- oder Abendstunden zu legen. Langes Fell sollte man kürzen, aber nicht komplett scheren, rät die Tierschutzombudsstelle Wien.
Zu Hause fördert der Einsatz von feuchten Tüchern auf dunklen Böden die Abkühlung ebenso wie Kühlmatten, die mit Gel oder Wasser gefüllt sind. Man sollte allerdings niemals ein Tier zwingen, solche Matten zu nutzen.
Ventilatoren können die Luftzirkulation verbessern, ersetzen jedoch keine aktive Abkühlung. Sie sollten auch nicht direkt auf den Hund gerichtet werden, um Augen- und Atemwegsreizungen zu vermeiden.
Nicht überhitzt ins kalte Wasser
Die ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit ist für Hunde im Sommer freilich überlebenswichtig. Mehrmals tägliches Erneuern des Trinkwassers ist insbesondere bei hohen Temperaturen wichtig, da sich Bakterien und Keime im warmen Wasser schnell vermehren.
Gibt es eine Bademöglichkeit für den Hund, muss auch Vorsicht walten. Überhitzte Hunde sollten nie in kaltes Wasser springen, sonst droht ein Aortenriss. Und kann man mit dem Hund nicht kurz einmal schwimmen oder in einen kühlen Wald gehen, sind „coole“ Räume eine Alternative.
Viele Städte und Organisationen bieten solche klimatisierten Räumlichkeiten zum Verweilen an. Hier sollte aber vorab geprüft werden, ob der Hund auch mitdarf. Die Kirche ist für ihn tabu, die „Cooling Centers“ des Roten Kreuzes erlauben hingegen die Begleitung durch das Haustier, sofern es den Betrieb nicht stört.
Todesfalle Auto
Das Auto kann schnell zur Todesfalle werden, Tiere sollten keinesfalls – auch nicht für kurze Zeit – allein im Pkw zurückgelassen werden. Bereits bei 20 Grad Außentemperatur kann der Innenraum eines Fahrzeugs nach einer Stunde 46 Grad erreichen. Bei längerer Standzeit können auch Armaturenbrett und Sitze in der prallen Sonne laut ÖAMTC bis zu 80 Grad erreichen, die Luft bis zu 60 Grad.
Ein geöffnetes Schiebedach oder Fenster reicht nicht aus, um für Abkühlung zu sorgen, auch dann nicht, wenn das Auto im Schatten steht. Bei unmittelbarer Gefahr ist das Einschlagen der Autoscheibe als letztes Mittel zulässig. Ist die Lage nicht akut lebensbedrohlich für das Tier, sollte man zuerst Polizei und Feuerwehr verständigen.
Doch selbst wenn ein Hund lebend aus einem überhitzten Fahrzeug geborgen werden kann, heißt das nicht, dass er außer Gefahr ist. Ein Hitzschlag kann noch bis zu 48 Stunden nach dem Vorfall zum Tod führen. Allein in Wien wurden im vergangenen Jahr 13 Anzeigen wegen im Auto zurückgelassener Hunde verzeichnet, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte, warnt auch der ARBÖ.