Studie zu Meerestieren: Klimawandel lässt Gehirne schrumpfen
Wissenschaftler haben die Folgen der Ozeanversauerung auf Kopffüßler untersucht. Das Ergebnis: Saure Meere wirken sich dramatisch aufs Hirnvolumen aus.
Foto: ocean-images/imago
Eine wesentliche Nebenwirkung des menschengemachten Klimawandels ist die Ozeanversauerung: Die Weltmeere nehmen einen erheblichen Teil des vom Menschen freigesetzten Kohlendioxids auf. Das bleibt nicht ohne Folgen: Das im Wasser gelöste Gas reagiert im Meer zu Kohlensäure und je mehr Kohlensäure im Wasser ist, desto saurer wird es. Der pH-Wert sinkt, an der Oberfläche von früher 8,2 auf mittlerweile rund 8,1. Geht der Klimawandel so weiter, wird Ende des Jahrhunderts ein Wert von 7,8 erreicht sein.
Dass dies ein Problem für Kalkbildner ist, gilt seit Langem als erwiesen: Muscheln, Hummer, Krebse oder Korallen können in einer saureren Umgebung nicht mehr genügend Kalk aus dem Meerwasser extrahieren, um ihre Schalen aufzubauen.
Ein internationales Forscherteam hat nun untersucht, was die Ozeanversauerung für Kopffüßler bedeutet. Konkret experimentierten sie mit Großflossen-Riffkalmaren: In einem Becken ließen sie Jungtiere in einer Umgebung mit einem pH-Wert von 8,2 aufwachsen, in einem anderen mit einem pH-Wert von 7,8.
Kopffüßler sind eine Gruppe hoch entwickelter Weichtiere, zu der neben Kalmaren auch Tintenfische und Oktopusse gehören. Sie besitzen ein für Wirbellose außergewöhnlich leistungsfähiges Gehirn, die Anzahl ihrer Nervenzellen ist mit der von Hunden vergleichbar.
Sehzentrum besonders betroffen
Auch Kopffüßler können lernen, ihr Gehirn verarbeitet gleichzeitig visuelle Informationen, jene des Tastsinns und steuert dabei acht oder mehr Arme sowie eine hoch entwickelte Hautmuskulatur. Das funktioniert aber nicht mehr in einer Umgebung mit pH-Wert 7,8, so die Forscher. Nach 90 Tagen Aufzucht hatte sich das Hirnvolumen der Gruppe um rund die Hälfte kleiner entwickelt als im Meerwasser mit pH-Wert 8,2.
Im Sehzentrum schrumpfte das Volumen sogar um mehr als 60 Prozent. Das ist dramatisch, da die Fähigkeit zu sehen entscheidend für das Überleben der Großflossen-Riffkalmare ist: Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen Fischen, Garnelen und anderen Krebstieren, und die Jäger entscheiden visuell, wie sie ihre Beute mit einem plötzlichen Vorstoß der Fangtentakel ergreifen. Riffkalmare selbst dienen größeren Fischen, Meeressäugern und Seevögeln als wichtige Nahrung.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community!
Jetzt unterstützen
Schutzfunktion in Gefahr
Deutschlands Landschaften kühlen nicht mehr gut
Ein Index zeigt, wo Landschaften noch kühlen und Klimaextreme abfedern. Die Faktoren grün, feucht und kühl wurden gemessen. Der Trend ist negativ.
Walforscher über sterbenden Wal
„Es wird nach einfachen Lösungen gesucht“
Halb Deutschland nimmt Anteil am gestrandeten Wal Timmy. Meeresschützer Fabian Ritter würde sich wünschen, dass dabei auch Meeresschutz Thema wird.
Interview von Friederike Gräff
25.– 29. August 2026
Bremerhaven
mit Lena Kaiser, Journalistin und Produktentwicklerin bei der taz
- Kurzreise in die Hafenstadt an der Wesermündung, einst der größte Auswandererhafen nach Amerika - mit Besuch der berühmten Museen "Auswandererhaus" und "Klimahaus" sowie einem Ausflug ins Fischerdorf Wremen an der Nordsee
- 960 € (DZ/HP/ohne Anreise)
- mit 4 Übernachtungen im Hotel im-jaich Lloyd Marina Bremerhaven
- Reiseveranstalter Ventus-Reisen
Mehr erfahren
0 Kommentare