Studie zu Meerestieren: Klimawandel lässt Gehirne schrumpfen

Wissenschaftler haben die Folgen der Ozeanversauerung auf Kopffüßler untersucht. Das Ergebnis: Saure Meere wirken sich dramatisch aufs Hirnvolumen aus.

Unterwasseraufnahme eines Kalmars, der bläulich schimmert und große Augen hat
Die Augen sind riesig: Entscheidend ist, dass der Kalmar damit auch sehen kann

Foto: ocean-images/imago

Nick Reimer

Eine wesentliche Nebenwirkung des menschengemachten Klimawandels ist die Ozeanversauerung: Die Weltmeere nehmen einen erheblichen Teil des vom Menschen freigesetzten Kohlendioxids auf. Das bleibt nicht ohne Folgen: Das im Wasser gelöste Gas reagiert im Meer zu Kohlensäure und je mehr Kohlensäure im Wasser ist, desto saurer wird es. Der pH-Wert sinkt, an der Oberfläche von früher 8,2 auf mittlerweile rund 8,1. Geht der Klimawandel so weiter, wird Ende des Jahrhunderts ein Wert von 7,8 erreicht sein.

Dass dies ein Problem für Kalkbildner ist, gilt seit Langem als erwiesen: Muscheln, Hummer, Krebse oder Korallen können in einer saureren Umgebung nicht mehr genügend Kalk aus dem Meerwasser extrahieren, um ihre Schalen aufzubauen.

Ein internationales Forscherteam hat nun untersucht, was die Ozeanversauerung für Kopffüßler bedeutet. Konkret experimentierten sie mit Großflossen-Riffkalmaren: In einem Becken ließen sie Jungtiere in einer Umgebung mit einem pH-Wert von 8,2 aufwachsen, in einem anderen mit einem pH-Wert von 7,8.

Kopffüßler sind eine Gruppe hoch entwickelter Weichtiere, zu der neben Kalmaren auch Tintenfische und Oktopusse gehören. Sie besitzen ein für Wirbellose außergewöhnlich leistungsfähiges Gehirn, die Anzahl ihrer Nervenzellen ist mit der von Hunden vergleichbar.

Sehzentrum besonders betroffen

Auch Kopffüßler können lernen, ihr Gehirn verarbeitet gleichzeitig visuelle Informationen, jene des Tastsinns und steuert dabei acht oder mehr Arme sowie eine hoch entwickelte Hautmuskulatur. Das funktioniert aber nicht mehr in einer Umgebung mit pH-Wert 7,8, so die Forscher. Nach 90 Tagen Aufzucht hatte sich das Hirnvolumen der Gruppe um rund die Hälfte kleiner entwickelt als im Meerwasser mit pH-Wert 8,2.

Im Sehzentrum schrumpfte das Volumen sogar um mehr als 60 Prozent. Das ist dramatisch, da die Fähigkeit zu sehen entscheidend für das Überleben der Großflossen-Riffkalmare ist: Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen Fischen, Garnelen und anderen Krebstieren, und die Jäger entscheiden visuell, wie sie ihre Beute mit einem plötzlichen Vorstoß der Fangtentakel ergreifen. Riffkalmare selbst dienen größeren Fischen, Meeressäugern und Seevögeln als wichtige Nahrung.

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