Mit dem Postauto zu den schönsten Biketrails der Schweiz
Strategie gegen Muskelkrämpfe – per Postauto zum Bike-Spass
Wer mit dem Postauto in die Berge fährt, spart nicht nur Höhenmeter. Man kommt auch an Ausgangspunkte einiger der schönsten Naturtrails der Schweiz.
Andrea Freiermuth25.07.2026, 05.30 Uhr
4 Leseminuten

Illustration Jasmin Hegetschweiler / NZZ
Die schönsten Mountainbike-Touren beginnen dort, wo die Strasse endet. Und bis dorthin fährt in der Schweiz sehr oft auch ein Postauto. Beim Biken mit dem Postauto muss man zwar anders als im Bikepark meist noch ein paar Höhenmeter aus eigener Kraft bewältigen, doch die Bilanz fällt klar zugunsten der Abfahrt aus. Und weil selbst ein Postauto mit Anhänger nur rund zwanzig Bikes transportiert und höchstens stündlich verkehrt, trifft man auf dem Trail nur sporadisch auf andere. Unsere Tourenvorschläge ab Visp, Oberwald, Scuol und Küblis zeigen, was das Biken mit den gelben Bussen so besonders macht.
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Blick auf die Gletscherlandschaft
Route: Oberwald – Furkapass – Oberwald
Länge: 18,7 km
Höhenmeter: 136 m
Tiefenmeter: 1221 m
GPX-Track: Furkatrail
Der neue Trail am Furkapass ist sehr empfehlenswert: Von der Passhöhe führt die Route zunächst leicht bergauf bis unter den Muttgletscher, später durch eine Reihe kurzer Tunnel. Der höchste Punkt bietet einen atemberaubenden Blick auf den Rhonegletscher – beziehungsweise auf das, was derzeit noch davon übrig ist.
Danach beginnt eine abwechslungsreiche Abfahrt mit allem, was das Biker-Herz begehrt: Singletrails, die einen in den Flow bringen, technisch anspruchsvollere Passagen und immer wieder grandiose Ausblicke über das Goms. Nur vor dem Bergrestaurant Hungerberg gibt es auf einem kurzen Abschnitt Schiebepassagen. Die Sonnenterrasse des Bergbeizlis ist der ideale Ort für eine Pause, bevor die letzten Kilometer hinunter nach Oberwald folgen.
Hoch über dem Mattertal
Route: Visp – Moosalp – Embd – Stalden – Visp
Länge: 19,5 km
Höhenmeter: 140 m
Tiefenmeter: 1530 m
GPX-Track: Moosalp
Wer auf der Moosalp aus dem Postauto steigt, teilt die ersten Meter mit Ausflüglern. Doch schon bald kehrt Ruhe ein. Der Trail führt durch lichte Lärchenwälder und quert hoch über dem Mattertal aussichtsreiche Hänge mit Blick auf die Mischabelgruppe. Im Herbst gehört die Passage durch die goldenen Lärchen zu den schönsten Momenten der Tour. Zu allen anderen Jahreszeiten liegt der Höhepunkt auf der kurvenreichen Abfahrt ins verschlafene Embd.
Das einzige Restaurant im Dorf wartet derzeit auf einen neuen Pächter. Wer Hunger hat, wird im Dorfladen bedient. Der Schluss verläuft auf einer historischen Strasse nach Stalden, von wo man entspannt der Vispa entlang zurück nach Visp rollt.
Grenzfahrt zwischen Engadin und Münstertal
Route: Scuol – S-charl – Tamangur Dadaint – Pass da Costainas – Alp Champatsch – Alp da Munt – Fuorcla Funtana – S-charl – Scuol
Länge: 39 km
Höhenmeter: 940 m
Tiefenmeter: 1465 m
GPX-Track: Passcostainas
Das Postauto bringt Mountainbiker bis ins abgelegene Bergdorf S-charl und erspart ihnen die ersten Höhenmeter. Ganz ohne Muskelkraft geht es allerdings nicht: Auf die Alpstrasse entlang des Clemgia-Bachs folgt ein Singletrail durch einen dichten Föhrenwald bis zum Pass da Costainas. Nach der Abfahrt ins Münstertal wartet ein weiterer Anstieg zur Fuorcla Funtana.
Die Mühe lohnt sich. Der lange Singletrail zurück nach Scuol beginnt flüssig, wird später steiler und ruppiger und bietet abwechslungsreichen Fahrspass. Wer den Tag gemütlich ausklingen lassen möchte, kehrt auf der Rückfahrt in einem der beiden Gasthäuser in S-charl ein.
Trailkino unter der Sulzfluh
Route: Küblis – St. Antönien – Bergli – Carschinahütte – Golrosa – Schesaplanahütte – Grüsch
Länge: 40 km
Höhenmeter: 1160 m
Tiefenmeter: 1950 m
GPX-Track: Praettigauer Hoehenweg
Nach der Fahrt mit dem Postauto nach St. Antönien beginnt die Arbeit: Rund 700 Höhenmeter führen auf Asphalt hinauf zum Bergli. Dort weicht die Strasse einem Singletrail, der vorbei an einem Bergsee zur Carschinahütte am Fuss der Sulzfluh führt. Es folgt einer der landschaftlichen Höhepunkte der Tour: der Prättigauer Höhenweg mit seinen markanten Felszinnen und spektakulären Tiefblicken.
Wer beim Schweizertor den offiziellen Biketrail verlässt und die Schiebepassage zur Golrosa in Kauf nimmt, wird mit weiteren aussichtsreichen Trails unter der Schesaplana belohnt. Den Abschluss bildet eine lange, abwechslungsreiche Abfahrt nach Grüsch – erst technisch, zum Schluss herrlich flüssig und verspielt.
Alle vier Touren: hier herunterladen.
So funktioniert die Mitnahme von Bikes in Postautos
Auf vielen Postautolinien ist der Platz für Velos während der Sommersaison (Mai bis Oktober) knapp. Deshalb gilt in Graubünden, der Zentralschweiz, dem Berner Oberland, dem Wallis sowie auf einzelnen Linien der Romandie und der Ostschweiz eine Reservationspflicht. Das Tessin ist davon derzeit noch ausgenommen. Die Reservation kostet zwei Franken pro Strecke – zusätzlich zum Velobillett oder Velo-GA – und garantiert die Mitnahme. Wer mehrere Verkehrsmittel auf derselben Reise nutzt, bezahlt die Reservationsgebühr nur einmal.
Am einfachsten reservieren Sie den Veloplatz gleich beim Kauf des Billetts in der SBB-App: Verbindung auswählen, auf «Billette ab CHF . . .» tippen und anschliessend das Bleistift-Symbol antippen. Damit öffnet sich eine neue Seite, auf der Sie ein Velo hinzufügen können. Die Reservation wird automatisch berücksichtigt.
Besitzen Sie ein Velo-GA oder möchten Sie das Billett später kaufen, absolvieren Sie zunächst die gleichen Schritte wie oben. Danach scrollen Sie ganz ans Ende der Seite. Hier finden Sie die Option «Nur Reservierung». So buchen Sie ausschliesslich den Platz fürs Velo. Können Sie die Fahrt wider Erwarten nicht antreten, stornieren Sie den gebuchten Platz. Sie erhalten dann nicht nur Ihr Geld zurück, sondern machen den Platz frei für andere. Die Stornierung ist bis 30 Minuten vor Abfahrt möglich.
Vor Ort laden Sie Ihr Velo selbst auf den Heckträger oder in den Anhänger. Auf einzelnen Linien ist kein Velotransport möglich. Diese Verbindungen sind im Online-Fahrplan entsprechend gekennzeichnet. Wer an Wochenenden oder in den Ferien unterwegs ist, sollte den Veloplatz möglichst früh reservieren.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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