Strandhaus in Kritzendorf: "Du musst lernen, dass die Natur hier dein Freund ist"
Wohngespräch
Strandhaus in Kritzendorf: "Du musst lernen, dass die Natur hier dein Freund ist"
Die Regisseurin und Filmeditorin Evi Romen wohnt in einem fast 100 Jahre alten Strandhaus in Kritzendorf, mit Blick auf die Donau
Bernadette Redl
Es gibt in ihrem Haus in Kritzendorf immer was zu tun, sagt die Regisseurin Evi Romen. Daher hat sie uns auch im Blaumann empfangen.
"Wenn ich hier draußen bin in Kritzendorf, habe ich meistens die Blaufrau an. Damit ist man erstens schnell angezogen und zweitens bequem unterwegs, wenn man wieder mal was zu tun hat, und hier draußen hat man immer was zu tun! Neben der Blaufrau habe ich noch zwei weitere unverzichtbare Kritzendorfer Kleidungsstücke – und zwar einen Badeanzug fürs Schwimmen und ein leichtes Sommerkleid fürs Wochenende. Damit füge ich mich dann perfekt in die Kulisse, wenn sich das Strombad an den Samstagen und Sonntagen mit Bobos füllt, die sich erst in der Donau treiben lassen und dann zur Fischerin was essen gehen. Aber so ein Wiener Bobo war ich selbst ja früher auch!
Außerdem darf man das niemandem krumm nehmen, denn das Strombad ist ein wirklich wunderschönes Kulturdenkmal, und dann erst die vielen, zum Teil skurrilen Villen und Kabanen, die im Nordwesten und Südosten daran angrenzen. Ein Traum! Eine Riviera an der Donau! Ganze Bücher wurden schon darüber geschrieben! Auch meinen jüngsten Film Happyland habe ich zum Teil hier gedreht.
Das Strandhaus, in dem ich wohne, wurde 1929 errichtet, und zwar nach einem Entwurf von Fritz Keller und Anton Potyka, die beide im Dunstkreis von Adolf Loos tätig waren. 1961 wurde das Haus von Hannes Lintl, dem Donauturm-Architekten, aufgestockt und erweitert.
Ich habe das Haus, das mittlerweile unter Denkmalschutz steht, 2009 gekauft. Die Umstände waren sehr verzwickt, denn bis zuletzt wusste eigentlich niemand so genau, wem das Haus gehört. Grundbuch, Kaufverträge und irgendwelche Urkunden waren widersprüchlich und kaum kongruent. Die meisten Interessenten wollten sich daran nicht die Finger verbrennen, aber nachdem ich selbst aus einer Juristenfamilie stamme und das Risiko gut einschätzen konnte, habe ich zugeschlagen. Das Haus gehört nun mir, der Grund ist gepachtet. Der Pachtvertrag mit dem Stift Klosterneuburg läuft in 21 Jahren aus. Wie es danach weitergeht? Keine Ahnung!
Mein erster Eindruck war fatal. Das Haus war ziemlich verkommen und abgerockt, mit unzähligen Satellitenschüsseln an der Fassade. Aber zum Glück gibt es den Wojtek, den besten Handwerker aus ganz Polen, und mit seiner Hilfe habe ich es geschafft, das Haus wieder in Schuss zu bringen. Wir haben die Fassade repariert, und zwar anhand historischer Fotos und Planunterlagen, wir mussten die gesamte Elektrik erneuern, dazu haben wir noch ausgemalt und die zum Teil hässlichen Einbauten aus den Sechzigern – zum Beispiel die Zwischenwände aus Eiche-Dekor und Butzengläsern – rausgerissen oder in einem sommerlichen Minz-Hellgrün lackiert.
Was mich am meisten fasziniert: 2024 stand Kritzendorf unter Wasser, der Schlamm war überall, im Garten, im Pool, einen halben Meter hoch im Wohnzimmer und in der Küche. Das Ausbaggern und Ausräumen hat ewig gedauert. Man muss schon ziemlich hart im Nehmen sein, um keinen Nervenzusammenbruch zu kriegen. Du musst lernen, dass die Natur hier draußen dein Freund ist. Und wenn sie das nicht ist, dann macht sie sich dich zum Feind. Doch der historische Fischgrät-Parkettboden – noch der Originalboden aus dem Jahr 1929 – hat das alles überlebt. Er wölbt sich, formt 50 Zentimeter hohe Hügel, doch nach ein paar Wochen und Monaten ist das Holz wieder trocken gewesen, und alles ist so schön wie es immer schon war.
So lange wie hier habe ich noch nie irgendwo gewohnt. Ich bin schon oft umgezogen, allein in Wien hatte ich schon 18 Meldezettel. Aktuell bin ich gerade dabei, meine Wohnung in Margareten aufzulösen. Das heißt: Nach vielen anni di raccolta kommen nun die anni di perdita, nach den Sammeljahren also die Jahre des Ausmistens und Verschenkens.
In Zukunft werde ich den Sommer hier in Kritzendorf verbringen und die Winter in Rom, wo ich arbeite und an der Geschichte meiner Familie forsche. Ich fühle mich sehr wohl in Rom. Es gibt einem ein eigenartiges Gefühl, in dem Land zu leben, dessen Reisepass man in Händen hält. Und irgendwo, glaube ich, hat sich noch ein Kritzendorfer Reisepass versteckt." (PROTOKOLL: Wojciech Czaja, 27.7.2026)
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