Strandhaus in Kritzendorf: "Du musst lernen, dass die Natur hier dein Freund ist"

Wohngespräch

Strandhaus in Kritzendorf: "Du musst lernen, dass die Natur hier dein Freund ist"

Die Regisseurin und Filmeditorin Evi Romen wohnt in einem fast 100 Jahre alten Strandhaus in Kritzendorf, mit Blick auf die Donau

Bernadette Redl

Es gibt in ihrem Haus in Kritzendorf immer was zu tun, sagt die Regisseurin Evi Romen. Daher hat sie uns auch im Blaumann empfangen.

Eine Frau in einem blauen Overall steht in einem modern eingerichteten Zimmer und hält eine getigerte Katze im Arm. Im Hintergrund sind ein Sofa, ein Tisch mit Büchern und ein türkisfarbener Schrank zu sehen. Holzbalken trennen den Schlaf- und Wohnbereich.
In Kritzendorf trägt Evi Romen meistens die Blaufrau. Weitere unverzichtbare Kleidungsstücke: ein Badeanzug und ein Sommerkleid.

"Wenn ich hier draußen bin in Kritzendorf, habe ich meistens die Blaufrau an. Damit ist man erstens schnell angezogen und zweitens bequem unterwegs, wenn man wieder mal was zu tun hat, und hier draußen hat man immer was zu tun! Neben der Blaufrau habe ich noch zwei weitere unverzichtbare Kritzendorfer Kleidungsstücke – und zwar einen Badeanzug fürs Schwimmen und ein leichtes Sommerkleid fürs Wochenende. Damit füge ich mich dann perfekt in die Kulisse, wenn sich das Strombad an den Samstagen und Sonntagen mit Bobos füllt, die sich erst in der Donau treiben lassen und dann zur Fischerin was essen gehen. Aber so ein Wiener Bobo war ich selbst ja früher auch!

Ein modernes, mehrstöckiges Haus mit Holzfassade, umgeben von Bäumen, im Hintergrund. Im Vordergrund befindet sich ein Pool mit einer gestreiften, schwimmenden Liege. Gräser und Blumen rahmen den unteren Bildrand. Der Himmel ist teilweise bewölkt.
Gemeinsam mit einem Handwerker sanierte Evi Romen das alte, heruntergekommene Haus. Anhand historischer Fotos und Planunterlagen wurde die Fassade originalgetreu instand gesetzt.

Außerdem darf man das niemandem krumm nehmen, denn das Strombad ist ein wirklich wunderschönes Kulturdenkmal, und dann erst die vielen, zum Teil skurrilen Villen und Kabanen, die im Nordwesten und Südosten daran angrenzen. Ein Traum! Eine Riviera an der Donau! Ganze Bücher wurden schon darüber geschrieben! Auch meinen jüngsten Film Happyland habe ich zum Teil hier gedreht.

Ein Esszimmer mit einem großen Holztisch, umgeben von acht Holzstühlen mit dunkler Polsterung. Auf dem Tisch liegen Bücher, Dekorationsgegenstände und ein Spielzeug. Im Hintergrund bietet ein großes Fenster einen Blick auf eine naturnahe Landschaft mit Wasser und Bäumen. Der Boden ist mit einem Fischgrät-Holzparkett ausgelegt.
Außerdem erneuerten sie bei der Sanierung die gesamte Elektrik, strichen die Räume und entfernten spätere Einbauten aus den 1960er-Jahren.

Das Strandhaus, in dem ich wohne, wurde 1929 errichtet, und zwar nach einem Entwurf von Fritz Keller und Anton Potyka, die beide im Dunstkreis von Adolf Loos tätig waren. 1961 wurde das Haus von Hannes Lintl, dem Donauturm-Architekten, aufgestockt und erweitert.

Ein schlichtes Schlafzimmer mit Holzvertäfelung in hellem Grau. Das Bett ist mit weißer Bettwäsche mit blauen Streifen und rosa karierten Kissen ausgestattet. Eine blaue Wandleuchte und eine weiße Papierlampe mit grünem Muster hängen an der Wand und Decke.
Mittlerweile steht das Haus unter Denkmalschutz.

Ich habe das Haus, das mittlerweile unter Denkmalschutz steht, 2009 gekauft. Die Umstände waren sehr verzwickt, denn bis zuletzt wusste eigentlich niemand so genau, wem das Haus gehört. Grundbuch, Kaufverträge und irgendwelche Urkunden waren widersprüchlich und kaum kongruent. Die meisten Interessenten wollten sich daran nicht die Finger verbrennen, aber nachdem ich selbst aus einer Juristenfamilie stamme und das Risiko gut einschätzen konnte, habe ich zugeschlagen. Das Haus gehört nun mir, der Grund ist gepachtet. Der Pachtvertrag mit dem Stift Klosterneuburg läuft in 21 Jahren aus. Wie es danach weitergeht? Keine Ahnung!

Eine Küche mit einer Spüle auf einer Holzarbeitsplatte. Auf der Arbeitsplatte steht dreckiges Geschirr, gestapelt auf einem Geschirrtuch, darunter Teller, Tassen und Töpfe. Darüber befinden sich zwei Regalbretter mit sauberen Gläsern, bunten Tassen, Krügen und Keramiken. Ein bunt bedrucktes Tablett mit einem Frauenporträt lehnt an der Wand.
Beim Hochwasser 2024 stand der Schlamm meterhoch im Garten, im Pool, in der Küche und im Wohnzimmer.

Mein erster Eindruck war fatal. Das Haus war ziemlich verkommen und abgerockt, mit unzähligen Satellitenschüsseln an der Fassade. Aber zum Glück gibt es den Wojtek, den besten Handwerker aus ganz Polen, und mit seiner Hilfe habe ich es geschafft, das Haus wieder in Schuss zu bringen. Wir haben die Fassade repariert, und zwar anhand historischer Fotos und Planunterlagen, wir mussten die gesamte Elektrik erneuern, dazu haben wir noch ausgemalt und die zum Teil hässlichen Einbauten aus den Sechzigern – zum Beispiel die Zwischenwände aus Eiche-Dekor und Butzengläsern – rausgerissen oder in einem sommerlichen Minz-Hellgrün lackiert.

Wohnzimmer mit Holzboden und sichtbaren Holzbalken. Eine orangefarbene Samtcouch steht vor einem Fenster mit Blick ins Grüne. Ein Couchtisch mit Büchern und eine blau-braune Kommode befinden sich im Raum. Zwei braune Sitzkissen liegen auf dem Boden, und eine auffällige, moderne Deckenlampe hängt von der Decke.
Das Ausräumen habe ewig gedauert, erzählt Evi Romen. Doch selbst das Hochwasser konnte dem Fischgrätparkett von 1929 nichts anhaben.

Was mich am meisten fasziniert: 2024 stand Kritzendorf unter Wasser, der Schlamm war überall, im Garten, im Pool, einen halben Meter hoch im Wohnzimmer und in der Küche. Das Ausbaggern und Ausräumen hat ewig gedauert. Man muss schon ziemlich hart im Nehmen sein, um keinen Nervenzusammenbruch zu kriegen. Du musst lernen, dass die Natur hier draußen dein Freund ist. Und wenn sie das nicht ist, dann macht sie sich dich zum Feind. Doch der historische Fischgrät-Parkettboden – noch der Originalboden aus dem Jahr 1929 – hat das alles überlebt. Er wölbt sich, formt 50 Zentimeter hohe Hügel, doch nach ein paar Wochen und Monaten ist das Holz wieder trocken gewesen, und alles ist so schön wie es immer schon war.

Zwei Katzen auf einem Holzboden. Eine Katze mit silbergrauem Fell und Streifenmuster steht, während die andere Katze mit braunem Fell und dunklen Fleckenmuster auf dem Boden sitzt. Sie scheinen miteinander zu interagieren.
Aktuell löst die Regisseurin gerade ihre Wohnung in Margareten auf.

So lange wie hier habe ich noch nie irgendwo gewohnt. Ich bin schon oft umgezogen, allein in Wien hatte ich schon 18 Meldezettel. Aktuell bin ich gerade dabei, meine Wohnung in Margareten aufzulösen. Das heißt: Nach vielen anni di raccolta kommen nun die anni di perdita, nach den Sammeljahren also die Jahre des Ausmistens und Verschenkens.

Auf dem Bild sind mehrere Gummistiefel zu sehen, die umgedreht auf einem Holzgestell zum Trocknen aufgestellt sind. Im Hintergrund befinden sich grüne Büsche und Gras, und daneben liegen rote und schwarze Ausrüstungsgegenstände.
Die Sommer verbringt Evi Romen in Kritzendorf, die Winter künftig in Rom.

In Zukunft werde ich den Sommer hier in Kritzendorf verbringen und die Winter in Rom, wo ich arbeite und an der Geschichte meiner Familie forsche. Ich fühle mich sehr wohl in Rom. Es gibt einem ein eigenartiges Gefühl, in dem Land zu leben, dessen Reisepass man in Händen hält. Und irgendwo, glaube ich, hat sich noch ein Kritzendorfer Reisepass versteckt." (PROTOKOLL: Wojciech Czaja, 27.7.2026)

Forum: 21 Postings

Ihre Meinung zählt.

Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.