Spürbare Entlastung durch Fahrverbot für Touristenautos in Salzburg

Zona Traffico Limitato

Der Start der neuen Sommerregelung verlief friktionsfrei. Es gab weniger Stau, die Parkplätze am Stadtrand werden besser angenommen

21. Juli 2026, 13:05

Bauarbeiten am Neutor in Salzburg vor einer steilen Felswand des Mönchsbergs. Ein großer gelber Baukran ragt in die Höhe. Im Vordergrund sind Gebäude, Verkehrsschilder, Autos und Fußgänger zu sehen. Das Bild zeigt die Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten für das Festspielzentrum und den Festspielbezirk.
Die Autokolonne am Herbert-von-Karajan-Platz wird bald der Vergangenheit angehören. Das Neutor wird ab September für den Verkehr gesperrt.

Seit Anfang Juli ist die Salzburger Innenstadt eine Zone mit beschränktem Verkehr. Nur Autos mit Kennzeichen aus Salzburg und den Anrainerbezirken dürfen zwischen Neutor und Staatsbrücke und den Salzachkais durchfahren. Für alle anderen Autos heißt es: am Stadtrand parken. Die rot-rot-grüne Stadtregierung zog am Dienstag eine erste Zwischenbilanz zur Sommerregelung: Die Verkehrssituation habe sich laut Stadt an besonders belasteten Tagen spürbar verbessert. Die ersten drei Wochen seien weitgehend ruhig und friktionsfrei verlaufen, berichtet die Polizei.

Bürgermeister Bernhard Auiniger (SPÖ) zeigt sich zufrieden. "Als Bürgermeister ist mir wichtig zu betonen, dass die Sommerregelung funktioniert, Salzburg jederzeit erreichbar bleibt und wir gleichzeitig die Lebensqualität in unserer Stadt verbessern. Das vielfach angekündigte Verkehrschaos ist ausgeblieben." Im Gegenteil: Gerade in Maxglan und Riedenburg zeige sich deutlich, dass die Sommerregelung Druck aus dem Verkehrssystem nehme und spürbare Entlastung bringe, betont der Bürgermeister.

ÖVP und FPÖ lehnten die Maßnahme von Anfang an ab und sahen eine Ungleichbehandlung für die Bezirke aus dem Innergebirg. In einem Antrag im Landtag forderten sie die Ablehnung der Regelung - obwohl die Zuständigkeit bei der Stadt liegt und der Landtag den Beschluss freilich nicht aufheben kann.

Parkplätze am Stadtrand gut ausgelastet

Die Park-and-Ride-Plätze werden sehr viel besser angenommen als bisher. Mit dem Fahrverbot in der Innenstadt wurde auch ein attraktives Angebot eingeführt: Das P&R-Ticket kostet 7,50 Euro und gilt für 24 Stunden. Darin enthalten ist ein Tagesticket für die Öffis in der Stadt für bis zu fünf gemeinsam reisende Personen. Dieses Angebot hat zu deutlich höheren Auslastung der Parkplätze am Stadtrand gesorgt: Beim Designer Outlet Center wurden 117 Prozent mehr Tickets als im Vorjahr ausgegeben. Am Flughafen wurde in den ersten beiden Juliwochen bereits der gesamte Verkaufswert des Juli 2025 erreicht und auch der Messeparkplatz und das Park-and-Ride Salzburg Süd haben mehr verkaufte Kombitickets. Um über das Angebot zu informieren und die Autofahrer zu den Parkplätzen zu leiten, hat die Stadt auch fünf Personen als Wachdienst im Stadtgebiet positioniert.

"Die deutlich bessere Auslastung zeigt, dass unser Park-and-Ride-Angebot bei den Menschen ankommt", sagt Verkehrsstadträtin Anna Schiester von der grünen Bürgerliste. "Gleichzeitig halte ich verstärkte Kontrollen im August für wichtig – auch als klares Signal, dass die Verkehrsregeln eingehalten werden müssen." Laut Polizei erfolgen die Kontrollen im regulären Streifendienst. Der Schwerpunkt liege derzeit auf Information und Bewusstseinsbildung. Bei Verstößen werden entsprechende Strafen verhängt.

Ziel sind 1000 Autofahrten weniger

Die neue Innenstadtzone mit Verkehrsbeschränkung umfasst im Stadtkern die Salzachkais, die Staatsbrücke und das Neutor. Konkret gilt ab den Zufahrten über den Müllner Hügel, der Imbergstraße und der Schwarzstraße ab dem Landestheater ein Fahrverbot für Kraftfahrzeuge. Ausgenommen sind Autos mit den Kennzeichen Salzburg, Salzburg Land, Hallein sowie jenen des Rupertiwinkels (Berchtesgaden, Bad Reichenhall und Laufen). So soll es rund 1000 Pkw-Fahrten weniger pro Tag durch die Stadt geben. Im Schnitt fuhren zuvor rund 12.000 Autos pro Tag durch das Neutor in der Salzburger Innenstadt, das ab September dann ohnehin wegen der Festspielbaustelle für den Verkehr gesperrt wird.

Konkrete Daten oder Verkehrszählungen konnte die Stadt am Dienstag noch nicht präsentieren. Für belastbare Aussagen sei es nach den ersten Wochen noch zu früh. Die laufend erhobenen Verkehrsdaten werden derzeit ausgewertet. Ende des Sommers werde die Stadt dann eine umfassende Bilanz mit konkretem Zahlenmaterial vorlegen.

Die chaotischen Zustände aus den vergangenen Jahren blieben diesen Sommer bislang aus. Aber auch heftige Regentage, ab denen in der Vergangenheit viele Urlauber aus dem Seengebiet für Stau im gesamten Stadtgebiet sorgten, gab es heuer noch nicht wirklich. Die Belastungsproben stehen noch bevor: Im August kommen erfahrungsgemäß besonders viele Tages- und Ausflugsgäste nach Salzburg. Die Stadt beobachte die Entwicklung genau, werte die Erfahrungen laufend aus und verbessere Informationen und Angebote dort, wo es notwendig ist.

Festspielgäste ausgenommen

Bei den Kommunisten sorgte die Verordnung für die Verkehrsberuhigung in der Innenstadt, die Vizebürgermeister Florian Kreibich (ÖVP) noch vor seinem Rückzug aus der Politik veröffentlichte, für Verwunderung. Denn die Verlautbarung weicht in einem Punkt vom mehrheitlich beschlossenen Gemeinderatsbeschluss ab: Neben den Ausnahmen für die Bewohnerinnen der Stadt und der umliegenden Bezirke sind auch Festspielgäste eine Stunde vor und nach jeder Aufführung vom Fahrverbot ausgenommen.

Kreibich erfinde Ausnahmeprivilegien für die Festspiele, ärgerte sich die Klubvorsitzende der KPÖ, Cornelia Plank. "Damit setzt er sich über den Gemeinderat hinweg und verstärkt das Klischee, dass für die Festspiele alles gerichtet wird." (Stefanie Ruep, 21.07.2026)