"So warm war's noch nie in der Zschopau": Fischzüchter verliert alle Forellen

Fischsterben bei Hitze

Fische leiden in warmen Flüssen: Züchter in Döbeln hat "Totalschaden"

Stand: 14.07.2026 20:21 Uhr

Für Fischzüchter ist der August der Monat, in dem die meisten Fische sterben. Für Matthias Schnek ist das schon Ende Juni bittere Realität geworden. In seinem Familienbetrieb an der Zschopau bei Döbeln verendeten Forellen gleich tonnenweise. Auch andere Fischzuchtbetriebe haben Probleme wegen der Trockenheit und Hitze.

von MDR SACHSEN

Mit einem Hilferuf hat sich Familie Schnek aus Döbeln an MDR SACHSEN gewandt: "Uns ist bei der Hitze vor zwei Wochen der Bestand, also Besatzfische und fertige Speisefische, komplett gestorben", sagt Matthias Schnek. Dabei habe sein Familienbetrieb im Ortsteil Limmritz wirtschaftlichen Totalerschaden erlitten.

"Ich ziehe jedes Jahr um die 20.000 Forellen groß und verkaufe sie im Direktverkauf und an Gaststätten." Seit dem 29. Juni schwimmt keine Forelle mehr in Schneks Becken. Neun Tonnen Forellen verendeten bei 28,3 Grad Wassertemperatur der Zschopau, als in Sachsen Hitzerekorde von mehr als 40 Grad erreicht wurden.

Schneks Schwiegervater habe am Standort seit 1975 die Forellenanlage geleitet und in all den Jahrzehnten die Temperaturen aufgezeichnet. "28,3 Grad Wassertemperatur hat's in 51 Jahren nie in der Zschopau gegeben", sagt Matthias Schnek. Und weiter: "Für die Forelle ist das katastrophal. Sie hält maximal bis 27 Grad ab."

Gewitterwolken über einem Feld

Wirtschaftlicher Totalschaden

Der Fischzüchter hat seinen Betrieb im Juli und August geschlossen. "Mein Gesamtschaden beläuft sich auf weit über 100.000 Euro." Weil er beim Landesamt für Landwirtschaft und der Sächsischen Aufbaubank nach eigener Aussage keine Nothilfen erwarten kann, "habe ich mir keinen anderen Ausweg mehr gewusst, als an die Öffentlichkeit zu gehen."

Für unseren kleinen Familienbetrieb ist das ein existenzbedrohender Schicksalsschlag. Matthias Schnek | Fischzüchter in Limmritz

Amt: Kein außergewöhnilcher Notstand, nur Einzelfall

Auf Nachfrage von MDR SACHSEN teilt das Landwirtschaftsministerium mit: "Für einzelbetriebliche Schadensfälle liegen keine staatlichen Nothilfen vor". Hilfen für die Land- und Forstwirtschaft könne es nur geben, "wenn ein außergewöhnlicher Notstand von überörtlicher Bedeutung festgestellt wird. Dies ist derzeit nicht der Fall."

Deshalb hat Schnek einen Aufruf auf einer Online-Spendenplattform gestartet. Dem sind bereits Hunderte gefolgt, was den 53-Jährigen Fischzüchter sehr freut. "Es ist eine riesengroße Anteilnahme zu spüren, die Leute haben schon viel gespendet. Ich bräuchte rund 50.000 bis 60.000 Euro, um mir im Herbst einen neuen Fischbesatz zu kaufen, dass es irgendwie weitergehen kann."

Am Rand eines Fischhaltebackens schwimmen tote Forellen mit den Bäuchen nach oben.

Matthias Schnek und Helfer holten mit Keschern insgesamt neun Tonnen tote Forellen aus den Zuchtbehältern und brachten sie zur Tierbeseitigung.

Fischsterben auch in der Chemnitz

Die anhaltende Hitze und der fehlende Regen belasten auch andernorts in Sachsen die Fischbestände. Besonders betroffen sind - wie bei Familie Schnek - Forellen, aber auch Lachse in Flüssen und Bächen. Das teilte der Landesverband Sächsischer Angler mit.

In der Chemnitz kam es bereits zu einem kleineren Fischsterben von Bachforellen. Grund dafür seien niedrige Wasserstände und hohe Wassertemperaturen von über 20 Grad. Für einige Fischarten könne das gefährlich werden. Für Angler gibt es zwar keine offiziellen Einschränkungen. Der Landesverband empfiehlt aber, zum Beispiel aufs Angeln von Forellen vorerst zu verzichten.

Hechte und Störe in Wermsdorf betroffen

Auch die Teichwirtschaft Wermsdorf im Kreis Nordsachsen macht die Hitze zu schaffen, allerdings nicht existenzgefährdend. "“Wir hatten nicht unerhebliche Verluste bei Hechten und auch einige Verluste bei Stören. Bei den anderen Fischen konnten wir durch die Einstellung der Fütterung vorsorglich Schlimmers verhindern", sagte der Geschäftsführer Georg Stähler. Runbd eine Tonne Fisch sei verloren durch die Hitze,

Der Wiesenteich bei Wermsdorf hat sehr wenig Wasser, rund drei Viertel der üblichen Wassermenge fehlen am 14.07.2026.

Rings um Wermsdorf fehlt Wassser. 12 von 56 Teichen kann die Teichwirtschaft gar nicht mehr für die Fischzucht nutzen. Der Wiesenteich ist nur noch zu einem Viertel gefüllt.

Klimafolgen-Konsequenzen

Volumen ist auch für Matthias Schnek edas Stichwort: Ab nächstem Jahr will er an der Zschopau im Aufzuchtteich für die Forellen Karpfen mit reinsetzen "und viel, viel weniger Forellen züchten". So hat er es mit seiner Frau besprochen. Dann will er im Sommer nur noch maximal eine halbe Tonne Forellen als Bestand haben, um die Risiken zu verringern.

MDR (kk/klw)