„So viele Notabfischungen wie nie“: Bayerns Fischretter im Rekordeinsatz – dramatische Szenen an Gewässern
Stand: 17.07.2026, 17:53 Uhr
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Zurzeit kommt es in Oberbayern zu dramatischen Szenen an Bächen und Seen: Fische müssen vor der Trockenheit gerettet werden. Problem: Kleine Biotope sind oft nicht im Blick.
München/Bad Tölz – Ausgetrocknete Bäche und Biotope, seichte Flüsse, ja sogar Seen, die allmählich verlanden: Mitglieder von Fischereiverbänden sind derzeit im Dauereinsatz, um zu retten, was noch zu retten ist. Von „Fischbergungen auf Rekordniveau“ berichtet der Fischereiverband Oberbayern. Es gebe „so viele Notabfischungen und Rettungseinsätze wie nie zuvor“.
Trockenheit in Bayern wird zu gefährlichem Problem: Fischretter im Rekordeinsatz
Sogar der Sylvensteinspeicher südlich von Bad Tölz ist von der Trockenheit betroffen. Am riesigen Speichersee, der den Flusspegel der unteren Isar reguliert, ist der Wasserstand zuletzt binnen einer Woche um über einen Meter abgefallen. Das zeigen die Aufzeichnungen des Niedrigwasser-Informationsdienstes, die das Landesamt für Umwelt (LfU) veröffentlicht. Mit mehreren Mitgliedern war Vorstand Michael März vom Fischereiverein Lenggries im Einsatz. Mit Keschern wurden Fische aus Senken befreit, die im Westen am Zufluss der Walchen aufgrund der Trockenheit vom Hauptgewässer abgeschnitten waren. „Das waren mehrere Aktionen“, berichtet März, der die Situation schlicht als „nicht gut“ beurteilt. In den Senken steigen die Temperaturen rasch an. Die Tümpel werden zur Fischfalle. Hechte, Barsche, Schleien und Weißfische wurden daher zwangsweise in die tiefere Stellen des Sees umgesiedelt. Eine mühsame Arbeit. Manche Senken sind schwer zugänglich, das Wasser ist trüb und heizt sich schnell auf – jede Minute zählt.

Neben der Trockenheit aus Sicht der Fischer das Hauptproblem: Aus der oberen Isar wird über den Rißbach Wasser in den Walchensee geleitet – seit jeher ein Streitpunkt zwischen den Fischern und dem Kraftwerksbetreiber Uniper. Gerade jetzt in der Trockenheit müsse das gestoppt oder gedrosselt werden, fordert März.

Auch an vielen weiteren Gewässern waren die Fischretter im Einsatz: an der Oberen Ilm im Landkreis Dachau, wo der ehrenamtliche Fischretter Günter Schön Elritzen und Muscheln quasi in letzter Sekunde umsiedelte, oder auch am Gröben- und Starzelbach im Landkreis Fürstenfeldbruck (wir berichteten). Große Flüsse wie Isar und Amper hätten bedrohlich hohe Temperaturen von über 20 Grad. „An allen Ecken und Enden fehlt es an Wasser“, berichtet Thomas Schiffler, Vizepräsident der Oberbayern-Fischer. Die Amper erreichte in Fürstenfeldbruck „Niedrigwasserstände, die uns so noch nie bekannt waren“.
Auf Biotopen treiben die toten Fische
Die Zahl der Bäche und Biotope in Oberbayern geht in die Hunderte. Manche Tümpel sind auch als ökologische Ausgleichsmaßnahme für Bauprojekte von der Autobahn GmbH oder der Deutschen Bahn angelegt. Das Problem: Hier fehlt es an Kümmerern. Viele sind nicht an Fischereiverbände verpachtet und werden als Gewässer dritter Ordnung auch vom Messsystem des LfU nicht erfasst. Diese „unbewirtschafteten“ Gewässer, wie die Fischer sie nennen, geraten oft aus dem Blick.
Oft alarmieren zufällig vorbeikommende Spaziergänger die Fischer und Behörden erst, wenn es schon zu spät ist und tote Fische an der Oberfläche treiben. Der Fischereiverband regt an, diese Gewässer künftig stärker in den Blick zu nehmen.