„Sie war unglaublich präsent“: Pfarrerin Luisa Karge verlässt Langen und Egelsbach

Stand: 20.07.2026, 06:00 Uhr

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Gerne mitten in der Stadt präsent: Pfarrerin Luisa Karge beim diesjährigen Tauffest am Vierröhrenbrunnen vor der Langener Stadtkirche.

Gerne mitten in der Stadt präsent: Pfarrerin Luisa Karge beim diesjährigen Tauffest am Vierröhrenbrunnen vor der Langener Stadtkirche. © Thomas Bach

Die evangelische Theologin übernimmt zum 1. September eine Stelle in Frankfurt-Ginnheim. Ihr Abschiedsgottesdienst findet am 16. August in der Stadtkirche statt.

Langen/Egelsbach – Der Ruf der Heimat war laut, das Angebot verlockend: Die evangelische Pfarrerin Luisa Karge verlässt den Nachbarschaftsraum Egelsbach-Langen und übernimmt zum 1. September eine Pfarrstelle in Frankfurt. Am Sonntag, 16. August, 18 Uhr, wird Dekan Steffen Held die Theologin in einem Gottesdienst in der Langener Stadtkirche am Wilhelm-Leuschner-Platz offiziell verabschieden. Anschließend besteht die Möglichkeit, der beliebten Seelsorgerin persönlich Danke und Lebewohl zu sagen.

„Mit stets ganzem Herzen und voller Leidenschaft war Luisa Karge in Langen und Egelsbach aktiv. Ihre offene, freundliche und empathische Art hat sie schnell die Herzen vieler Menschen gewinnen lassen“, lobt Held. „Sie war unglaublich präsent, trotz täglicher Anreise, und hat mit ihrem moderaten, bedachten Temperament auch dem hauptamtlichen Team sehr gutgetan“, sagt der Dekan im Dreieich-Rodgauer Kirchenkreis.

Ich habe mich hier immer sehr wohlgefühlt und dieser Schritt fällt mir nicht leicht.

Die nun scheidende Geistliche ist 1985 in Frankfurt geboren und dort aufgewachsen. Ab 2005 studierte sie Theologie in Mainz, Oxford und Berlin. 2010 machte sie ihren Masterabschluss in moderner Theologie in Oxford, 2013 folgte das erste kirchliche Examen bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Ihr Vikariat absolvierte sie von 2013 bis 2015 in der evangelischen Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen. Nach ihrem zweiten theologischen Examen und einem Spezialvikariat bei Brot für die Welt in Berlin und Kenia 2015 forschte sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hans-von-Soden-Institut der Universität Marburg über Eberhard Bethge. 2017 erfolgte ihre Ordination und sie erfüllte bis 2021 neben ihrer akademischen Arbeit einen Predigtauftrag an der Frankfurter Petersgemeinde.

Im Januar 2023 trat Karge mit halber Stelle ihren Pfarrdienst in Langen an, wo sie ihren Arbeitsschwerpunkt in der Stadtkirche hatte. Nachdem sie dort schnell Fuß fasste, stockte sie nach einem Jahr auf eine volle Stelle auf. Seit Januar 2025 teilt sie ihre Zeit zwischen der Langener und der Egelsbacher Gemeinde. An ihrer Tätigkeit im „Dom der Dreieich“ schätzte sie nicht nur Kirchenkonzerte, musikalische Gottesdienste und den großen Gottesdienst am Reformationstag. Als weiteres Herzstück ihrer Arbeit nennt sie die Seelsorge. „Ich höre gerne zu“, erzählt sie, „und es erfüllt mich, Menschen bei Taufen, Trauungen und Bestattungen zu begleiten.“ Mit der Wallschule feierte sie regelmäßig ökumenische Schulgottesdienste, mit der Geschwister-Scholl-Schule multireligiöse Schulfeiern. Höhepunkte waren für Karge auch die Tauffeste an Waldsee und Vierröhrenbrunnen, die ökumenischen Gottesdienste auf dem Ebbelwoifest, der Fastnachtsgottesdienst mit der LKG, die Segensaktion im Riesenrad und nicht zuletzt die „Kerb im Parrehof“ in Egelsbach.

Teamplayerin mit Fingerspitzengefühl

An der Wallschule unterrichtete Karge drei Schuljahre lang evangelische Religion. Sie war aktiv in der Ausbildung von Lektorinnen und Lektoren, da ihr die Beteiligung von Laien am gottesdienstlichen Leben wichtig ist. Daneben leitete sie einen Besuchsdienstkreis und war bei unterschiedlichen Anlässen zu Gast bei den Menschen. Sie engagierte sich rund um den Weltgebetstag und leitete das Krippenspiel-Team der Stadtkirche. Darüber hinaus brachte sie sich in beiden Gemeinden beim Fundraising für die Orgel ein. Auch die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit ist Karge ein Anliegen: So steuerte sie als Teil des Redaktionskreises zahlreiche Artikel für die ökumenische Kirchenseite in unserer Zeitung bei.

„Obwohl sie zwischen Frankfurt und Langen, später auch nach Egelsbach pendelte, hat sich Luisa Karge hier sehr schnell bekannt gemacht“, stellt Rolf Müller anerkennend fest. „Mit ihrem teamorientierten Arbeiten hat sie die Gemeindeglieder und auch Menschen aus dem kirchennahen Umfeld integriert“, sagt der stellvertretende Langener Kirchenvorstandsvorsitzende. „Als erste Pfarrerin, die für beide Gemeinden im Nachbarschaftsraum zuständig ist, ist sie eine Vorreiterin für alle weiteren Pfarrpersonen, die diesen Schritt nun gehen.“

Uneingeschränkt positiv äußert sich auch Rebekka Adler: „Ich habe Luisa als eine Kollegin erlebt, auf die ich mich jederzeit verlassen konnte. Sie war eine große Bereicherung für unser Team“, betont die Egelsbacher Pfarrerin. „Mit ihrer freundlichen, ruhigen und besonnenen Art hat sie Menschen zusammengebracht und auch schwierige Situationen mit viel Fingerspitzengefühl begleitet. Die Zusammenarbeit war immer geprägt von Vertrauen und Wertschätzung.“

In Zukunft kürzere Wege

Sie selbst sieht sich als Teamplayerin, genoss die große Offenheit und Willkommenskultur in der Region und wusste die enge und gute Zusammenarbeit sowohl im Ehren- als auch im Hauptamt zu schätzen. Im Entwicklungsprozess der Gesamtkirchengemeinde Langen-Egelsbach, die zur Jahreswende an den Start gehen wird, war ihr wichtig, bei schwierigen Entscheidungen ausgleichend zu wirken, was wohl häufig gelang. Aus ihrem Erfahrungsschatz will sie wichtige Impulse für ihre künftige Gemeindearbeit mitnehmen.

„Ich habe mich hier immer sehr wohlgefühlt und dieser Schritt fällt mir nicht leicht“, gibt die 41-Jährige unumwunden zu. Doch als sich nach dem Ende ihres Probedienstes die Möglichkeit bot, zum 1. September in die Bethlehemgemeinde in Frankfurt-Ginnheim zu wechseln, habe der Familienrat getagt. Und nach reiflicher Überlegung entschied sich die Pfarrerin für eine berufliche Rückkehr in ihre Heimatstadt, wo Eltern und Schwester leben und sich bald Pfarramt und Familienleben stärker verflechten lassen. So liegt ihr künftiger Wirkungsort in unmittelbarer Nähe zur Heinrich-Kleyer-Schule, an der ihr Mann als Pfarrer im Schuldienst im Einsatz ist. Sie freut sich darauf, demnächst mit ihrer Familie, zu der neben achtjährigen Zwillingen auch zwei Töchter im Teenageralter gehören, mitten in ihrer Kirchengemeinde zu wohnen, direkt ansprechbar zu sein, kurze Wege zu haben und nicht mehr pendeln zu müssen. Eine Chance, die Luisa Karge einfach nicht ausschlagen konnte.