Datenschutz: Schweizer Webcams senden oft live ins Internet
Sicherheitslücke Webcam Live im Netz: Private Webcams oft ohne Schutz
Überwachungskameras sollen eigentlich für Sicherheit sorgen. Eine SRF-Recherche zeigt: Viele Kameras in der Schweiz sind ungesichert und senden für alle sichtbar ins Internet.
14.07.2026, 06:25
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Viele Überwachungskameras in der Schweiz sind mit dem Internet verbunden. Das vereinfacht den Zugriff für die Betreiber – bei fehlenden Sicherheitsvorkehrungen aber auch für Dritte, die über das Web frei auf diese Kameras zugreifen können.
SRF hat mithilfe einer speziellen Suchmaschine für internetverbundene Geräte rund 75 Kameras in der Schweiz gefunden, deren Bilder durchgehend im Internet abrufbar sind. Das heisst: Es war eine direkte Verbindung möglich, ohne die Umgehung von Log-ins, Verschlüsselung oder Software-Schwachstellen.
Ist das erlaubt? So ist der Datenschutz schweizweit geregelt
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Der Schweizer Datenschutz regelt die Videoüberwachung durch Private. Demnach ist die Überwachung von Privatgrundstücken grundsätzlich erlaubt, wenn sie dem Schutz von Personen oder Eigentum dient und weder das Nachbarsgrundstück noch öffentlicher Raum gefilmt wird.
Personen müssen darauf hingewiesen werden, dass sie gefilmt werden und die Aufnahmen dürfen nicht ohne Einwilligung veröffentlicht werden.
Der Zugriff auf die Aufnahmen muss stark eingeschränkt sein und Daten dürfen nur so lange wie nötig gespeichert werden. Weniger einschneidende Massnahmen wie Alarmanlagen oder Bewegungsmelder sind deshalb vorzuziehen.
Gemäss dieser Kriterien operiert rund die Hälfte der gefundenen Kameras in einem rechtlich heiklen Bereich.
Feature oder Sicherheitslücke?
Viele Kameras erlauben per Webbrowser einen direkten Zugriff auf ihre Steuerung. So können motorisierte Kameras bewegt und gezoomt werden, die Bildeinstellungen manipuliert und teils sogar Aufnahmen gestartet, gestoppt oder abgespielt werden.
Tipps für sichere Webcams
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- Kamera mit starkem Passwort und Benutzername schützen.
- Das Netzwerk so konfigurieren, dass externe Verbindungen eingeschränkt werden.
- Regelmässig auf Software-Updates prüfen und diese installieren.
- Vorsicht bei nicht namhaften Billig-Anbietern von Webcams und zugehörigen Cloud-Lösungen.
- Zoom und Bewegungsfunktionen sowie das Mikrofon der Kamera deaktivieren.
- Schwärzung oder Verpixelung von sensiblen Bereichen in der Kamerasoftware.
Sind in den Kamerabildern geografische Merkmale, Gebäude oder Firmenlogos zu sehen, kann in Kombination mit dem ungefähren Standort der IP-Adresse ein Rückschluss auf die genaue Position der Kamera gezogen werden.
Kameras: So vielfältig wie die Schweiz
Privat-Immobilien: Diese Webcams sind im Aussen- und Innenbereich von Wohnhäusern installiert und überwachen Garten, Vorplätze, Eingang, Korridor oder Keller. Zweck ist es, Personen oder Eigentum zu schützen. Doch die Kameras können auch das Gegenteil bewirken: Bei zahlreichen Aussenkameras sind die Umgebung und Nachbarschaft sichtbar.
Screenshot einer ungesicherten Webcam, die den Hauseingang eines Mehrfamilienhauses überwacht. Teile der Umgebung wurden durch SRF unkenntlich gemacht.
SRF / Screenshot
Durch ein solches virtuelles Fenster lässt sich beobachten, ob das teure Auto gerade vor dem Haus steht, wer in Mehrfamilienhäuser ein- und ausgeht oder ob Kinder draussen im Pool spielen. Obwohl die Bewohnenden sich bewusst sind, dass gefilmt wird, gehören solche heikle und schützenswerte Informationen nicht ins Internet.
Privat-Areale: Diese Kameras überwachen primär Gewerbe-Einrichtungen auf Privatgrund. Auf den Bildern sind zahlreiche Drittpersonen zu sehen, die ihrem Beruf oder Alltag nachgehen. In den meisten Fällen ohne Bewusstsein, dass sie gerade live im Internet zu sehen sind – in einer Autogarage, auf der Dachterrasse eines Seminarlokals, im Innern eines Lebensmittelladens oder im Hinterhof einer Berg-Seilbahn.
Screenshot einer ungesicherten Überwachungskamera, die mehrere Felder eines Tennisclubs beobachtet.
SRF / Screenshot
Auch Orte für die Ausübung von Hobbys wie Tennis – und Golfplätze sowie Segelflugplätze – sind so im Internet zu sehen. Es finden sich aber auch unproblematische Streams, wie Wasser-Infrastruktur oder industrielle Plasma-Schnittmaschinen.
Öffentlichkeit: Hier werden Aufnahmen des öffentlichen Lebens gestreamt, auf denen Drittpersonen oder deren Fahrzeuge klar zu identifizieren sind und ohne deren Zustimmung live ins Internet übertragen werden.
Überwachung des Vorplatzes der Kathedrale St. Gallen – Menschen die an diesen Kameras vorbeilaufen sind eindeutig erkennbar und werden nicht verpixelt.
SRF / Screenshot
In vielen Fällen ist der Nutzen der Kameras nicht klar ersichtlich, vorwiegend im Verhältnis zur Verletzung der Privatsphäre: So finden sich Kameras, die aus unbekannten Gründen auf Nachbarhäuser zielen, befahrene Strassenkreuzungen abbilden, Hafenareale zeigen oder den Vorplatz einer prominenten Kirche streamen.
Landschaften: Am meisten verbreitet sind Kameras, die bewusst öffentlich streamen, um das Wetter vor der Bergreise zu prüfen, oder um für die Schönheit einer Stadt oder eines Sees zu werben. Auch für die Wild-, oder Nutztierbeobachtung eignen sich diese unproblematischen Kameras bestens.
Die Suchmaschine hinter der Recherche
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Die für die Recherche verwendete Suchmaschine findet Geräte, die mit dem Internet verbunden sind – von Kontrollsystemen industrieller Anlagen bis zu persönlichen Computern.
Sogenannte «Banner» kommunizieren Informationen wie installierte Software, geöffnete Ports, Zertifikate und Methoden für die Authentifikation. Der Suchdienst indexiert, kategorisiert und ergänzt diese Banner-Informationen mit Angaben zu Sicherheitslücken, IP-Adresse, geografischen Informationen und macht diese für den Benutzer durchsuchbar.
Diese Informationen sind für Personen aus den Bereichen Cybersicherheit, Journalismus, Forschung und Compliance von Bedeutung, können aber auch als Ausgangspunkt für illegale Hacking-Aktivitäten eingesetzt werden.
Radio SRF 1, Espresso, 14.7.2026, 05:20 Uhr