Britische Finanzministerin: Shabana Mahmood gilt als Favoritin

Der designierte britische Premierminister Andy Burnham hat laut Medienberichten vor, die derzeitige Innenministerin Shabana Mahmood als neue Schatzkanzlerin zu berufen. Das meldeten übereinstimmend die „Times“ und die „Financial Times“. Die eher zentristische Labour-Politikerin sei jetzt die Favoritin für das Amt. Am Anleihen- und Devisenmarkt sorgte die Nachricht für gute Stimmung. Mahmood stehe für mehr Budgetdisziplin und eine eher konservative Haushaltspolitik als andere, hieß es. Das Pfund wertete deshalb auf. Der Wechselkurs kletterte gegenüber dem Euro auf ein Einjahreshoch von zeitweilig 1,18 Euro, gegenüber dem Dollar auf ein Zweimonatshoch.

Der zuvor als Burnhams Favorit für das Schatzamt gehandelte Energieminister Ed Miliband vom linken Labour-Flügel scheint inzwischen aus dem Rennen zu sein. Aus Burnhams Umfeld hieß es allerdings, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Ein Sprecher sagte, man kommentiere „Spekulationen“ nicht. Der bisherige Premierminister Keir Starmer tritt an diesem Freitag zurück, wenn Burnham zum Labour-Vorsitzenden gewählt worden ist. Am Montag soll Burnham dann vom König mit der Regierungsbildung beauftragt werden.

Gegen Milibands Berufung zum Schatzkanzler gab es starke Vorbehalte und Widerstände in Wirtschafts- und Finanzkreisen, aber auch aus dem Gewerkschaftslager. Wochenlang machten Vertreter der City ebenso wie der organisierten Arbeiterschaft gegen seine Berufung ins Schatzamt mobil. Miliband steht in der Partei weit links und trägt den Spitznamen „Red Ed“. Mehrere Gewerkschaftschefs warfen ihm öffentlich vor, mit seiner Klimapolitik und der Ablehnung neuer Ölbohrungen in der Nordsee treibe er die Energiekosten in die Höhe und gefährde den Industriestandort und Arbeitsplätze.

„Fiskalische Glaubwürdigkeit soll Priorität behalten“

Die aus Birmingham stammende muslimische Labour-Politikerin Mahmood, deren Eltern aus Pakistan einwanderten, gilt als eher wertkonservativ und wirtschaftsfreundlich. Seit 2010 ist die in Oxford ausgebildete Juristin Mitglied des Unterhauses. 2024 berief Starmer sie zur Justizministerin, im September 2025 wurde sie Innenministerin. In dieser Position setzte sich Mahmood für eine schärfere Migrationspolitik ein. Diese soll Wähler von Nigel Farages rechter Reform-Partei zu Labour zurückholen. Bei vielen Labour-Linken machte sie sich damit aber unbeliebt. Dass Burnham nun die zentristische Politikerin für das wichtige Amt der Finanzministerin ins Auge fasst, kann als Zeichen verstanden werden, dass sein Team den Finanzmarkt beruhigen will.

Die Nominierung einer fiskalisch eher konservativen Politikerin würde ein Signal senden, dass Labour die Schuldenregeln einhalten will. Pierre Roke, Analyst der Finanzfirma Validus Risk Management, sagte dazu: „Mahmood dürfte als verantwortungsbewusstere Wahl angesehen werden als andere Kandidaten wie Ed Miliband. Ihr Ruf dürfte Investoren beruhigen, dass zurückhaltende Ausgabenpolitik und fiskalische Glaubwürdigkeit weiterhin Priorität haben.“ Wichtigste Aufgabe der neuen Schatzkanzlerin wird sein, den nächsten Haushaltsplan vorzubereiten. Viel Zeit ist dafür nicht mehr. Das Budget muss bis Ende Oktober oder spätestens November vorliegen.

Unterdessen deuten neue Konjunkturdaten darauf hin, dass die britische Wirtschaft sich trotz des Energiepreissprungs und des Inflations- und Zinsanstiegs infolge des Irankriegs bislang relativ gut gehalten hat. Im Mai wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent zum Vormonat, teilte das Statistikamt ONS am Donnerstag mit. Das lag über den Erwartungen von Ökonomen, die im Schnitt mit Stagnation gerechnet hatten.

„Die Wirtschaft konnte im Mai ein bescheidenes Wachstum verzeichnen“, sagte Ben Jones, Volkswirt im Unternehmensverband CBI. Die Hitzewelle vor dem Sommer habe den Einzelhandelsumsatz gestützt und auch einigen anderen konsumorientierten Branchen Auftrieb gegeben. Diese Konjunkturdaten könnten der Regierung Burnham etwas Rückenwind geben. Von einem Aufschwung kann aber noch keine Rede sein. „Die britische Wirtschaft ist noch nicht über den Berg“, sagte Andrew Wishart, Ökonom der Berenberg Bank in London. Im dritten Quartal sei eine schlechtere Konjunktur zu erwarten. Doch neuere Produktivitätszahlen könnten andeuten, dass die britische Wirtschaft mittelfristig mehr an Fahrt gewinne. Das könnte der Regierung Burnham helfen, wirtschaftlich etwas bessere Ergebnisse zu erzielen als sein Vorgänger Starmer.