Schwerpunkt Rüstung: Regierung legt Start-up-Strategie vor

Die Bundesregierung will junge, innovative Unternehmen künftig gezielt in der Wachstumsphase unterstützen. Dabei steht erstmals der Bereich Sicherheit und Verteidigung im Fokus der staatlichen Förderung. Das ist der Kern der neuen Startup- und Scaleup-Strategie der schwarz-roten Koalition, die das Bundeskabinett verabschiedet hat. Damit solle verhindert werden, dass erfolgreiche Gründungen bei ihrer internationalen Expansion ins Ausland abwanderten, heißt es in dem Strategiepapier.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte, mit der neuen Strategie lege man das „Fundament für die nächste Generation deutscher Weltmarktführer“. Sie verfolge drei Ziele: „Gründen erleichtern, Wachstum beschleunigen und Innovation in Deutschland halten.“

Dafür will die Regierung bürokratische Hürden senken, mehr privates sowie öffentliches Wagniskapital mobilisieren und Gründungen direkt aus der Wissenschaft heraus erleichtern. Die Bundesregierung nehme zudem erstmals auch Start-ups aus dem Bereich der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in den Blick.

Schub durch veränderte sicherheitspolitische Lage

Reiche sagte, der grundlegende Treiber für die gestiegene Bedeutung des Sicherheits- und Verteidigungsbereichs sei die seit dem russischen Angriff auf die Ukraine veränderte sicherheitspolitische Lage. Diese habe der gesamten Branche einen enormen Schub verliehen.

Deutschland sei es im vergangenen Jahr 2025 gelungen, das meiste Kapital europaweit in diesen Sektor zu lenken. Unternehmen wie Quantum-Systems, Tytan Technologies, Stark Defense oder Helsing verzeichnen mittlerweile Finanzierungsrunden und Bewertungen weit über der 100-Millionen-Euro-Schwelle.

Technologisch stehen laut der Ministerin vor allem moderne Einsatzmittel wie Drohnensysteme, Hyperschallwaffen sowie Raumfahrt- und Satellitentechnologien zur Überwachung und Geodaten-Erfassung im Fokus, deren Grundlagen oft aus zivilen Anwendungen stammen. Ein entscheidender Erfolgsfaktor für diesen Markt sei die Rolle des Staates als sogenannter „Ankerkunde“. Wenn das Verteidigungsministerium Produkte verlässlich abnehme, sichere dies die wirtschaftliche Tragfähigkeit und die Finanzierung bei Banken und Investoren ab, ganz ohne direkte staatliche Fördermittel. „Der Staat mag nicht der beste Unternehmer sein, aber ist ein guter Ankerkunde.“

Nadelöhr bei der Finanzierung öffnen

Um das Nadelöhr beim Zugang zu dringend benötigtem Wachstumskapital zu weiten, plant der Bund unter anderem den Ausbau des Deutschlandfonds. Der Deutschlandfonds ist ein Förder- und Absicherungsprogramm der Bundesregierung, das durch staatliche Garantien gezielt das Investitionsrisiko abfedert, um bis zu 130 Milliarden Euro an privatem Kapital für Zukunfts- und Infrastrukturprojekte in Deutschland zu mobilisieren.

Laut dem Strategiepapier sollen Wagniskapital-Investitionen auch in der Altersvorsorge eine größere Rolle spielen. Außerdem soll es Stiftungen erleichtert werden, verstärkt in Start-ups zu investieren.

Bei der Start-up-Förderung beabsichtigt die Bundesregierung zudem, Bürokratie abzubauen. Das Projekt Schneller Gründen soll Verwaltungsprozesse durchgängig digitalisieren. Auf europäischer Ebene soll eine einheitliche Rechtsform für die Unternehmen dafür sorgen, dass grenzüberschreitende Aktivitäten spürbar erleichtert werden.

Studie: Finanzierungsrunden für Start-ups sinken

Dass dieser politische Handlungsbedarf dringend geboten ist, untermauert das aktuelle Start-up-Barometer der Beratungsgesellschaft EY. Zwar verzeichnete der hiesige Markt im ersten Halbjahr 2026 mit rund 5,3 Milliarden Euro an eingesammeltem Risikokapital einen Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, jedoch sank die Anzahl der Finanzierungsrunden parallel um elf Prozent.

Da Investoren ihr Geld zunehmend in vermeintlich sichere Wetten und wenige Mega-Deals mit einem Volumen von über 50 Millionen Euro stecken, haben junge und kleine Start-ups im harten Wettbewerb um das Kapital derzeit oft das Nachsehen.

Genau hier setzt die Strategie der Regierung an, um das Fundament der Gründerszene in der Breite zu stärken und den Kapitalzugang entlang aller Wachstumsphasen robuster aufzustellen.

Zustimmung aus der Wirtschaft

Die neue Strategie der Bundesregierung wurde vom Startup-Verband begrüßt. Entscheidend sei aber jetzt, was daraus folge. „Aus dem Papier muss schnell Realität werden. Denn angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage und hohen Jobverlusten in der klassischen Industrie müssen wir uns viel stärker für Neues öffnen“, sagte Helmut Schönenberger, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbandes.

Auch in der traditionellen Industrie stießen die Pläne der Bundesregierung auf Zustimmung. Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), sagte, die Zusammenarbeit zwischen dem automobilen Mittelstand und Start-ups sei ein zentraler Erfolgsfaktor für die Transformation der Branche. Während Start-ups als schnelle Innovationstreiber – etwa bei der Software – agierten, bringe der Mittelstand industrielle Skalierungskraft ein. „Es ist deshalb gut, dass die Start-up-Strategie auch auf eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Mittelstand zählt.“

(wpl)