Neue Pflicht-Rente ab 2028: Arbeitgeber zahlt die Hälfte – aber an das Geld kommen Sie nie frei ran
„Schweden-Rente“ kommt: Was die neue Kapitalrente für Ihre Altersvorsorge bedeutet
Stand: 14.07.2026, 17:56 Uhr
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Eine neue Kapitalrente soll die gesetzliche Rente ergänzen. Wer 20 Jahre einzahlt, kann über 300 Euro mehr Rente im Monat erhalten. Was dahintersteckt.
Berlin – 2028 startet die neue Kapitalrente – zunächst mit einem Beitrag von 0,5 Prozent des Bruttogehalts, der bis 2031 schrittweise auf zwei Prozent anwächst. Damit steht Deutschland vor einer der größten Rentenreformen seit Jahrzehnten. Die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission hat im Juni 33 Empfehlungen zur Reform der Altersvorsorge vorgelegt – darunter als Kernstück die Einführung einer verpflichtenden Kapitalrente nach schwedischem Vorbild.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat bestätigt, dass die Regierung alle Empfehlungen noch bis Ende 2026 umsetzen will. Kanzler Friedrich Merz (CDU) betonte nach der Übergabe des Berichts in Berlin, das Reformpaket dürfe nicht auseinandergenommen werden: „Alle Elemente dieses Reformpakets, ich betone, alle Elemente dieses Reformpakets müssen jetzt zügig umgesetzt werden.“ Man könne es sich nicht erlauben, einzelne Maßnahmen herauszunehmen oder abzulehnen.
Rente nach dem Vorbild Schweden: So funktioniert das Modell
Ein elementarer Teil des Rentenpakets ist die Kapitalrente nach dem Vorbild Schweden. In dem skandinavischen Land fließen bereits seit über 20 Jahren 18,5 Prozent des versicherungspflichtigen Einkommens in die gesetzliche Altersvorsorge – 16 Prozent in eine umlagefinanzierte Einkommensrente und 2,5 Prozent in eine kapitalgedeckte Prämienrente, berichtet der Gesamtverband der Versicherer (GDV). Deutschland will sich ein Beispiel nehmen: Künftig soll ein Pflichtbeitrag in Höhe von zwei Prozent des Bruttogehalts in eine Aktienrente fließen – je zur Hälfte von Beschäftigten und Arbeitgeber getragen.
Doch was bedeutet das konkret für den Geldbeutel? Bei einem durchschnittlichen Jahresverdienst von 52.000 Euro gilt: Arbeitnehmerinnen und -nehmer zahlen 520 Euro mehr in die Kapitalrente ein – der Arbeitgeber schießt denselben Betrag dazu. In der Summe fließen so über 1000 Euro jährlich in den Kapitalmarkt, wie das Verbraucherportal Finanztip vorrechnet.
Tausende Euro mehr durch „Schweden-Rente“: Das müssen Beschäftigte wissen
Der Spiegel rechnet mit einem Durchschnittsverdienst von 54.000 Euro brutto pro Jahr: Für einen Beschäftigten mit 20 Jahren bis zur Rente sind demnach je nach Annahmen zwischen 149 und 329 Euro mehr Rente pro Monat drin. Nach Abzug der Inflation sind es noch zwischen 100 und 221 Euro zusätzlich. Die Rentenkommission selbst geht davon aus, dass ein durchschnittlicher „Eckrentner“ mit 20 Jahren Einzahlung nach Inflationsabzug auf rund 150 Euro Kapitalrente monatlich kommt.
Wer mehr verdient oder länger einzahlt, hat deutlich größere Chancen mit der „Schweden-Rente“: 40 Jahre als Spitzenverdiener mit gut 100.000 Euro Bruttojahreseinkommen können zwischen 950 und 6000 Euro mehr Rente pro Monat bringen – vor Abzug der Inflation, schreibt der Spiegel. Die großen Unterschiede bei diesen Zahlen erklären sich durch unterschiedliche Annahmen zu Lebenserwartung, Inflation, Gehaltsentwicklung und vor allem zur erwarteten Rendite der Aktienrente.
Kapitalrente kann auch Nachteile für Beschäftigte haben
Noch ist unklar, in welche Fonds Beschäftigte künftig investieren dürfen. Neben Produkten privater Anbieter schlägt die Kommission einen kostengünstigen staatlichen Standardfonds vor, der etwa vom staatlichen Atomfonds Kenfo verwaltet werden könnte, berichtet der Spiegel. Ein solches Modell gibt es in Schweden schon lange: Mehr als sechs Millionen Menschen sparen dort mit dem sogenannten AP7-Fonds. Dessen mittlere jährliche Rendite lag in den vergangenen Jahren bei elf Prozent – allerdings arbeiten die Fondsmanagerinnen und -manager dabei auch mit Derivaten und nehmen damit stärker ins Risiko.
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Trotz individueller Kapitalkonten, auf denen Versicherte jederzeit den Stand ihrer Vorsorge einsehen können, bleibt die Kapitalrente eine Sozialversicherung. Das angesparte Geld lässt sich nicht frei auszahlen – und das Vermögen kann auch nicht vererbt werden. Dennoch dürften fast alle Beschäftigten profitieren: Der Arbeitgeberzuschuss von einem Prozent macht die „Schweden-Rente“ laut Spiegel-Bericht trotz aller offenen Details für die meisten zu einem guten Geschäft.
Ein zentrales Risiko bleiben Kursschwankungen an den Finanzmärkten. In Schweden begegnet man dem, indem der staatliche Fonds die Gelder mit näher rückendem Renteneintritt zunehmend von Aktien in Anleihen umschichtet, erklärt BR24. (Quellen: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, BR24, Finanztip, Gesamtverband der Versicherer, Spiegel) (cln)