Schulstart: Was Erstklässler jetzt im Kinderzimmer brauchen

Stand: 17.07.2026, 06:08 Uhr

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Schulkind bastelt zu Hause

Mit dem Schulbeginn zieht ein neues Möbelstück ins Kinderzimmer: der Schreibtisch. © Mascha Brichta/dpa-tmn

Ergonomischer Arbeitsplatz oder Küchentisch? Viel Ruhe oder Spielchaos? Experten erklären, welche Veränderungen im Kinderzimmer zum Schulstart wichtig sind - und worauf Eltern gut verzichten können.

Berlin/Villingen-Schwenningen - Die Schultüte ist gepackt, der Ranzen auch: Mit der Einschulung steht für Kinder und ihre Familien ein großer Wandel an. „Die Kindergartenzeit war behütet, alles war vertraut“, sagt Innenarchitektin und Kinderzimmerplanerin Katrin Dzenus. „Mit dem Beginn der Schulzeit starten die Kinder in eine komplett neue Lebensphase, in der sie ganz anders gefordert werden.“

Ein Zeitpunkt, in dem Kinder nicht nur Veränderung erleben, sondern oft auch aktiv gestalten wollen. Für diese neue Welt gelte es, Platz zu schaffen, sagt Dzenus, und zunächst einmal das Alte auszumisten. „Plötzlich fühlen sich die Kinder groß. Spielsachen stehen oft nicht mehr so im Mittelpunkt. Beim Aussortieren sollte man ungefähr ein Drittel neue Staufläche schaffen.“

Das bedeutet der Kinderzimmerplanerin zufolge aber nicht zwangsläufig, dass die Kunstwerke und Erinnerungsstücke aus der Kindergartenzeit in den Mülleimer wandern müssen: „Ich empfehle eine Memory-Box anzulegen und dort die schönsten Erinnerungsstücke aus der Kindergartenzeit zu sammeln.“

Lernen am Küchentisch?

Hat man den nötigen Platz geschaffen, darf ein neues Möbelstück einziehen: der Schreibtisch. Hersteller werben oft mit ergonomischen und höhenverstellbaren Modellen, die sich auf die Bedürfnisse der Kinder anpassen lassen. Doch nicht alles, was es gibt, ist wirklich notwendig und sinnvoll. Dzenus plädiert etwa für einen großen Schreibtisch, der nicht unbedingt tief, aber möglichst breit sein sollte. Schräg stellen können, muss man den aber nicht unbedingt.

„Falls möglich kann man eine große Arbeitsplatte nutzen und diese vor dem Fenster platzieren“, so Dzenus. Wichtig sei, dass der Platz nicht negativ behaftet ist. Außerdem lohne sich beispielsweise die Investition in einen gemütlichen und verstellbaren Schreibtischstuhl. So schafft man einen großzügigen Arbeitsbereich, der dazu einlädt, die neue Lernwelt zu entdecken.

Allzu viel Gedanken um den Schreibtisch muss man sich aber womöglich gar nicht machen. „Meiner Meinung nach braucht es nicht das große Anschaffungspaket“, sagt die Integrative Lerntherapeutin Susanne Seyfried. Oft machten die Kinder ihre Hausaufgaben sowieso viel lieber am Küchentisch oder im Wohnzimmer. Das liege daran, dass gerade Erstklässler häufig noch die Nähe der Eltern suchen und die Gewissheit brauchen, dass bei Fragen jemand ansprechbar ist. „Das ist oft viel wichtiger als die perfekte Ausstattung im Kinderzimmer“, so Seyfried.

Ordnung und Organisation erleichtern

Und wie sieht es in puncto Selbstorganisation aus? Die lernen Kinder idealerweise bereits im Kindergartenalter, sagt die Lerntherapeutin. Nämlich indem die Kleinen spielerisch, aber aktiv in Entscheidungen einbezogen werden: Welche Kleidung brauche ich für diesen Tag? Was möchte ich zum Frühstück mitnehmen? Was auch hilft, ist eine gute und übersichtliche Organisation in den eigenen vier Wänden.

Katrin Dzenus empfiehlt etwa tiefe Regale an den Seitenwänden, um Schulbücher und Ordner einsortieren zu können. Idealerweise hat auch der Schulranzen seinen festen Platz. „Kinder lieben es, Dinge zu beschriften“, sagt die Kinderzimmerplanerin. „Je mehr Ruhe und Ordnung sie um sich herum haben, desto besser können sie mit dem Stress umgehen und sich in der neuen Welt zurechtfinden.“

Für die Bastel- und Malarbeiten der Kleinen empfiehlt die Einrichtungsexpertin eine Zimmerwand zur Magnettafel umzugestalten. Das geht mit Magnetfarbe, die man dann in der gewünschten Wandfarbe überstreichen kann. So lassen sich Kunstwerke, aber auch Stundenpläne und Co. schnell, einfach und sichtbar in Szene setzen.

Dzenus und empfiehlt außerdem, einen großen Müllbehälter in die Schreibtischgestaltung zu integrieren. „Es ist wichtig, dass die Kinder selbst Herr ihrer Dinge werden und eigenständig entscheiden können, was in den Mülleimer kommt und was nicht.“

Kinderzimmer in einem Fertighaus

Platz schaffen für den neuen Lebensabschnitt und Spielsachen aussortieren: Etwa ein Drittel des Stauraums im Kinderzimmer soll jetzt für Dinge rund um die Schule reserviert werden. © Laura Ludwig/dpa-tmn

Kein kleines Klassenzimmer nachbauen

Neben einem Arbeitsbereich brauchen Kinder aber auch Ruhe- und Spielzonen. „Kinder entwickeln jetzt ihre eigene Identität. Ihr Zimmer ist ein Teil ihrer selbst und es ist wichtig, dass sie stolz darauf sind“, sagt Dzenus. Sie rät deshalb zu einem möglichst großen Bett, auf dem auch mal mit Freunden gesessen werden kann.

Insgesamt spricht sich die Kinderzimmerplanerin für mehr optische Ruhe im Raum aus. Aber auch Spielsachen behalten ihre Existenzberechtigung. „Die Kleinkindsachen sollten nun konsequent aussortiert werden“, so die Kinderzimmerplanerin. „Spielsachen, die den Kindern jedoch noch wirklich am Herzen liegen, sollten selbstverständlich bleiben.“

In Sachen Lernatmosphäre brauchen Kinder ohnehin ganz unterschiedliche Gegebenheiten. „Manche Kinder brauchen Hintergrundgeräusche zum Lernen und kommen mit Stille nur schwer zurecht, andere wollen es ruhiger“, sagt Lerntherapeutin Seyfried. „Da gibt es keinen pauschalen Tipp“. Hier helfe es mit dem Kind ins Gespräch zu kommen und im Zweifel auszuprobieren, welche Rahmenbedingungen am besten funktionieren.

Aus dem Kinderzimmer ein kleines Klassenzimmer zu machen, hält Susanne Seyfried in den meisten Fällen aber für den falschen Weg. „In diesem Alter geht es viel mehr darum, die Neugierde der Kinder zu wecken. Zum Beispiel, indem man beim Spazierengehen Zahlen und Buchstaben entdeckt.“ Manche Eltern seien sehr engagiert, so die Lerntherapeutin. „Ich glaube, weniger ist mehr. Es müssen nicht die materiellen Dinge sein, sondern eher das Miteinander.“ dpa