Gemeinde in Niedersachsen ist umtriebiger Großgrundbesitzer – manche Besitztümer überraschen

Scheeßel ist Großgrundbesitzer und lässt sich das einiges kosten – manche Besitztümer überraschen

Stand: 11.07.2026, 19:45 Uhr

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Hortensie vor einem Gebäude

Der Gemeinde Scheeßel gehören weit mehr als das Rathaus und die Schulen samt Sporthallen. Der aktuelle Wert des kommunalen Immobilienportfolios beträgt rund 77 Millionen Euro. Eine große Summe, die aber auch für Probleme sorgt: Denn alle Gebäude müssen unterhalten werden. © Tom Krei

Liegenschaften im Wert von 77 Millionen Euro gehören der Gemeinde Scheeßel. Aber: Der Unterhalt ist aufwendig und teuer. Und manche Besitztümer überraschen.

Scheeßel – Dass die Gemeinde Scheeßel mehr Gebäude sowie Grund und Boden besitzt als das Rathaus und die Schulen, ist klar. Zwei Meldungen auf der offiziellen Scheeßel-Website überraschen aber doch: In Westeresch hat die Kommune 12,55 Hektar Ackerfläche verpachtet und wenige Tage später eine Zweizimmerwohnung mit 46 Quadratmetern für 315 Euro angeboten – eine für Scheeßeler Verhältnisse niedrige Miete. Die Wohnung ging rasant weg und die Mediengruppe Kreiszeitung wollte wissen: Was gehört der Gemeinde eigentlich alles?

Für die begehrte Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus gab es viele Anfragen, berichtet Doreen Rönckendorf, die Fachbereichsleiterin für Finanzen und damit Herrin über alle kommunalen Liegenschaften ist. Das Haus befindet sich schon jahrzehntelang im Besitz Scheeßels. Wie es dazu kam, weiß heute niemand mehr. Die Finanzchefin hat nachgefragt und auch bei ehemaligen Mitarbeitern keine Antworten bekommen.

Äcker können Ausgleichsflächen werden – wenn die Gemeinde Scheeßel welche benötigt

Das sieht mit dem Acker in Westeresch anders aus: Der wurde erworben, um eine potenzielle Gewerbefläche zu bekommen. Bürgermeisterin Ulrike Jungemann (CDU) erklärt zudem, dass die Gemeinde an verschiedenen Stellen noch über Äcker und Weiden verfüge. „Die sind als Ausgleichsflächen gedacht.“ Wenn Bebauungspläne zur Flächenversiegelung führen, dann ist ein ökologischer Ausgleich vorgeschrieben. „Das geht am einfachsten, wenn es unser eigener Grund und Boden ist“, so die Verwaltungschefin.

Acker mit Getreide

Auch Äcker gehören zum Gemeindebesitz. Meistens sind sie potenzielle Ausgleichsflächen. © Tom Kreib

Dass die Kommune der mit uneinholbarem Abstand größte Grundbesitzer in Scheeßel ist, liegt schon daran, dass neben dem Rathaus auch die Schulen samt Sporthallen und Sportplätzen im Gemeindeeigentum sind. Die Beekschule und die Grundschule in Scheeßel sowie Hetzwege und auch das Stadion Waidmannsruh. Auch der Meyerhof ist im Besitz der Kommune. Hinzu kommen noch die Kläranlage sowie alle Dorfgemeinschaftshäuser und das Freibad. Im kommunalen Immobilienportfolio befinden sich außerdem elf Feuerwehrhäuser und zwölf Kita-Gebäude. Zudem 30 Bushaltestellen sowie 1.800 Straßenlaternen, denn auch die gehören der Kommune. Zusammengerechnet macht das 65 Liegenschaften in kommunaler Hand, über das gesamte Gemeindegebiet verteilt. „Das entspricht einem aktuellen Sachvermögen von rund 77 Millionen Euro“, hat Rönckendorf ausgerechnet.

Sanierungen werden immer teurer für Scheeßel

Was sich nach wertvollem Besitz in Zeiten leerer Kassen anhört, hat aber eine Kehrseite. „Wir müssen uns um alles kümmern“, sagt die Bürgermeisterin. Kümmern heißt: instandhalten, sanieren, pflegen. Das laufe oft nebenher und außerhalb des Rathauses bekäme fast niemand mit, wie hoch der Arbeitsaufwand ist. Hinzu kommt der Gesichtspunkt der finanziellen Belastung durch den Besitz: Die Kosten von Energie bis hin zur energetischen Sanierung steigen von Jahr zu Jahr. Jungemann: „Wir machen, was wir können, aber es geht eben nicht alles.“ Jungemann rechnet bei Sanierungen mit einer jährlichen Kostensteigerung von rund zehn Prozent.

Daher ist die Verwaltungschefin froh, dass derzeit die unsichtbaren Besitztümer der Gemeinde noch vergleichsweise kostengünstig saniert werden: die Kanäle. Seit einigen Wochen werden die von einer Fachfirma ausgebessert, bevor sie einbrechen und dann große und sehr viel teurere Schäden entstehen.

Würde es sinnvoll sein, wenn die Kommune ihren Besitz teilweise verkauft? Alte Feuerwehrhäuser sind bereits veräußert worden, das in Ostervesede wird bald auf den Markt kommen. Einige Spielplätze sind zudem an Anlieger verpachtet worden. Die sind raus aus der Unterhaltspflicht. Doch weder vom Rathaus noch von Schulen oder Kitas kann sich die Gemeinde trennen. Die Liegenschaften werden schlichtweg benötigt. Auch ein Outsourcing an eine gemeindeeigene Firma sei nicht unbedingt zielführend. „Das sind unsere Werte“, sagt Jungemann – und die stehen in der Bilanz. Den Bauhof aufzurüsten, um die Pflege von Eigentum auszubauen, sei auch nicht unbedingt der Königsweg: Das bedeute mehr Personal und damit höhere Personalkosten und zudem neue Fahrzeuge und Maschinen.

Der Grundsatz in Scheeßel: Qualität vor Quantität

Beim Blick auf die Vielzahl der kommunalen Besitztümer geht die Bürgermeisterin auch auf den Streit ein, der seit rund zwei Jahren zwischen einigen Sportvereinen und der Verwaltung schwelt. Es begann mit der Rasenpflege, die Scheeßel an die Vereine abgeben wollte, und setzte sich fort mit der Frage, wann endlich das Stadion Waidmannsruh saniert wird. „Wir beabsichtigen, niemandem etwas wegzunehmen, und vor allem nicht das Ehrenamt zu beschädigen“, betont Jungemann. In Zukunft sei es finanziell aber nicht mehr möglich, jeden Sportplatz, auch wenn er nur wenig genutzt wird, tipptopp instand zu halten. „Es geht nicht mehr alles“, sagt die Verwaltungschefin. Der Grundsatz, etwa bei den Spielplätzen, aber auch zukünftig bei Sportflächen: Qualität vor Quantität.

Übrigens: Zu der langen Liste gemeindeeigener Gebäude und Flächen kommen noch weitere 16 Hektar dazu. Das sind die Wegeseitenränder in der Feldmark, die teilweise im Laufe der Jahre und Jahrzehnte untergepflügt wurden und die jetzt stückweise ökologisch aufgewertet werden.