Farnborough Airshow: Rüstungsbranche sticht zivile Luftfahrt aus
Farnborough Airshow
Steigende Sicherheitsrisiken weltweit lassen die Rüstungsindustrie bei der am Montag eröffneten Luftfahrtmesse im britischen Farnborough gegenüber dem zivilen Flugverkehr in den Vordergrund rücken. Den Organisatoren der fünftägigen Veranstaltung zufolge stammt die Hälfte der 1.600 Aussteller aus der Verteidigungsbranche, in früheren Jahren lag der Anteil bei rund 40 Prozent. Stark ist der Zuwachs vor allem an Unternehmen aus den Bereichen künstliche Intelligenz (KI) und Deep-Tech.
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Die Messe, die alle zwei Jahre alternierend mit jener im französischen Le Bourget stattfindet, ist eines der wichtigsten Treffen der Branche und somit auch Spiegel globaler Entwicklungen. Heuer ist vor allem der stärkste Anstieg der europäischen Verteidigungsausgaben seit dem Kalten Krieg prägend.
„Europa spielt auf dieser Farnborough-Messe eine wichtige Rolle, wahrscheinlich mehr als in den letzten zwanzig Jahren. Wir beobachten, dass zahlreiche führende Akteure, vor allem im Verteidigungsbereich, in ganz Europa an Bedeutung gewinnen“, sagte Rachel Expertin für Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung bei der in London ansässigen Unternehmensberatung Roland Berger.
KI-Systeme im Vormarsch
Fachleute gehen davon aus, dass Start-ups mit Drohnen und KI-gesteuerter Software den Markt aufmischen könnten. „Die jüngeren Unternehmen sind aggressiv und nicht risikoscheu“, sagte Tom Enders, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und Kovorsitzender des deutschen Rüstungs-Start-ups Helsing. „Beschaffungsbehörden und Streitkräfte verstehen zunehmend, dass dies der Weg für eine dynamische, schnelllebige Industrie ist“, hielt der ehemalige Airbus-Chef fest.
Zwar fließe der Großteil der militärischen Mittel weiterhin in aktuelle Kampfflugzeuge wie die Lockheed Martin F-35 und den Eurofighter, doch Start-ups wie Helsing und das US-Unternehmen Anduril würden trotz anfänglicher Rückschläge KI-gesteuerte Systeme wie unbemannte Kampfjets vorantreiben.
Ukraine als Innovationstreiber
Besonderes Augenmerk in Farnborough wird auf ukrainische Aussteller gerichtet: Sie gelten als führend in der Entwicklung von unbemannten Systemen, die unter realen Kriegsbedingungen entwickelt und erprobt wurden. „In der Ukraine gibt es eine beträchtliche Anzahl von Innovationen, die in einem für die Branche beispiellosen Umfang und Tempo entwickelt werden. Der Handlungszwang beschleunigt die Entwicklung neuer Technologien erheblich", sagte Expertin Hugo.
Internationale Zukunftsprojekte
Viel beachtet auf der Messe wird wohl auch das Global Combat Air Programme (GCAP), ein gemeinsames Vorhaben Großbritanniens, Italiens und Japans zur Entwicklung eines Kampfflugzeugs der nächsten Generation. Umso mehr, als das französisch-deutsche Kampfjetprojekt Future Combat Air System (FCAS) unlängst für gescheitert erklärt wurde.
Außerdem präsentieren Unternehmen Pläne zur Collaborative Combat Aircraft (CCA), also autonome Drohnen, die an der Seite bemannter Kampfflugzeuge fliegen. Sie sollen in gefährlichen Lufträumen die Reichweite, Sensorik und Feuerkraft erweitern, ohne Piloten zu gefährden.
Beschränkte Produktionskapazitäten
Im zivilen Sektor bleibt Farnborough zudem Schauplatz der Rivalität zwischen Airbus und Boeing, die Aufmerksamkeit richtet sich heuer aber eher auf Auslieferungen als auf neue Aufträge. Da die Produktionskapazitäten bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein ausgebucht sind, rechnen Brancheninsider mit lediglich rund 300 Flugzeugbestellungen auf der Messe – deutlich weniger als die im Vorfeld teils prognostizierten 800 Jets.
Die Luftfahrtindustrie kämpft seit der CoV-Pandemie mit Lieferkettenproblemen bei zahlreichen Komponenten von Triebwerken bis hin zu Kabinensitzen. Die Behebung dieser Engpässe ist entscheidend für das Ziel von Airbus, die Produktion von Kurz- und Mittelstreckenjets bis 2027 auf 75 Maschinen pro Monat zu steigern. Auch Boeing prüft eine Ausweitung der Fertigung, um den Abstand zu seinem europäischen Rivalen zu verringern und weitere Marktanteilsverluste zu stoppen.
Einen ersten Erfolg tat das US-Unternehmen kurz nach Messestart kund: Der Flugzeugfinanzierer SMBC Aviation Capital mit Sitz in Dublin habe 100 Stück des krisengebeutelten Mittelstreckenjets 737 Max bestellt. Mit der 737 Max war der Boeing-Konzern nach zwei tödlichen Abstürzen in den Jahren 2018 und 2019 und einem langen Flugverbot in eine Krise gesteuert.
Der Konzern verlor die Marktführerschaft und schrieb jahrelang hohe Verluste. Nach Produktionsbeschränkungen und strengen Kontrollen infolge eines Zwischenfalls im Jahr 2024 hat die US-Luftfahrtbehörde FAA die Zügel bei dem Hersteller zuletzt wieder ein Stück gelockert.