Rödergewann Mörfelden-Walldorf: Schafe und Ziegen haben Hitze gut überstanden
Stand: 20.07.2026, 06:00 Uhr
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Seit sechs Wochen sind die mehr als 280 Ziegen und Schafe von Schäferin Nicole Jackwert nun schon auf dem Areal zwischen den Stadtteilen unterwegs und fleißig am Kauen. Noch bis Oktober fungieren sie dort als natürliche Landschaftspfleger. Doch wie ergeht es den Tieren, insbesondere bei den anhaltend hohen Temperaturen?
Mörfelden-Walldorf – Während der Hitzewelle Ende Juni haben die Wiederkäuer insgesamt 2.000 Liter Wasser am Tag getrunken, berichtet Jackwert – versetzt mit Elektrolyten, um die beim Schwitzen verloren gegangenen Mineralstoffe auszugleichen. „Ich musste den Tank zweimal am Tag auffüllen“, erzählt die Schäferin.
Hitzebedingt habe das ein oder andere Tier gelegentlich zwar einen kleinen Schwächeanfall gehabt, ernstere gesundheitliche Probleme seien jedoch ausgeblieben. Die meiste Zeit hätten sie ohnehin im Schatten gelegen. Da es sich bei einem Großteil der Tiere um Haarschafe handelt, die gerade ihr Haarkleid verlieren und deshalb eher wie „aufgeplatzte Schafskissen“ aussehen, müssen diese nicht geschoren werden. Auch in wärmeren Regionen, etwa im Süden Europas, würden Schafe nicht zwangsläufig im Sommer geschoren, da Wolle nicht nur gegen Kälte, sondern auch gegen Wärme isoliere, erklärt Jackwert.
Ärger wegen umgeworfener Zäune
Die Tiere machen der Schäferin also keine Probleme, im Gegensatz zu manch einem Spazier- oder Gassigänger. Insgesamt 357 Grundstücke mit Größen zwischen 9 und 4.500 Quadratmetern beweiden die Schafe und Ziegen nacheinander – beim Besuch dieser Zeitung waren sie gerade in der Nähe der Bertha-von-Suttner-Schule stationiert – und müssen dementsprechend regelmäßig umgesetzt werden. Dazu muss Jackwert bestimmte Wege sperren, damit die Tiere nicht ausbrechen können. Ein Prozess, der ihren Angaben zufolge 10, maximal 15 Minuten dauert. Dennoch gebe es ungeduldige Menschen, die sich beschweren oder gar Zäune umschmeißen würden, um weitergehen zu können. Eine Gruppe Jugendlicher hätte den konkreten Fall kürzlich beobachtet, ihr Bescheid gegeben und anschließend beim Aufstellen geholfen, berichtet die Schäferin.
Hinsichtlich der Absperrungen hat auch den Ortsverband des BUND bereits eine Beschwerde erreicht, erzählt Vorstandsmitglied Dirk Kieselstein. In einer E-Mail, die der Redaktion vorliegt, moniert ein Gassigänger unter anderem die großflächig abgesperrten Trampelpfade und dass nicht mehr verwendete Zäune nicht direkt abgebaut, sondern teilweise noch zwei bis drei Tage stehen gelassen würden. Dies erschwere das Miteinander und sei rücksichtslos.
Während Kieselstein verstehen könne, dass es ärgerlich ist, wenn plötzlich die gewohnten Wege versperrt sind – Menschen seien schließlich Gewohnheitstiere –, animiert er Spaziergänger dazu, neue Wege zu gehen und das FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. „Im Rödergewann gibt es insgesamt nur drei offizielle Wege: In Nord-Süd-Richtung, in Ost-West-Richtung gibt es nur den Fußweg entlang der südlichen Bebauung Walldorfs sowie die Wageninger Straße. Alles andere sind Trampelpfade“, sagt Kieselstein. „Die Besitzer der Parzellen mit den Trampelpfaden dulden derzeit diese Nutzung durch die Bevölkerung, jedoch könnten sie jederzeit und dauerhaft das Betreten ihrer Grundstücke verbieten.“
Die offiziellen Wege versuche Jackwert bei Möglichkeit freizuhalten, betont die Schäferin und bittet ihrerseits ebenfalls um Rücksichtnahme. Das gilt auch in Bezug auf die Tiere: Die Ziegen und Schafe sollen weder gefüttert noch gestreichelt werden, damit sie ungestört grasen können.
