Rettungsmedaille in Düsseldorf verliehen: „Sie haben in einem entscheidenden Moment Verantwortung übernommen“
Rettungsmedaille in Düsseldorf verliehen „Sie haben in einem entscheidenden Moment Verantwortung übernommen“
20.07.2026 · 18:30 Uhr
Andreas Höing aus Raesfeld hat einem Freund vermutlich das Leben gerettet.
Foto: RPO/AH
Düsseldorf · Sie retteten Menschen aus brennenden Häusern oder stoppten Messerangreifer: Für ihren selbstlosen Einsatz sind 25 Frauen und Männer in Düsseldorf mit der Rettungsmedaille des Landes NRW ausgezeichnet worden. Das sind ihre Geschichten.
Pfingstmontag 2023: Andreas Höing aus Raesfeld im Münsterland hat seinen langjährigen Freund Menko zu Besuch. Der 50-Jährige will Höing eine Satellitenschüssel aufs Hausdach montieren. Plötzlich klagt Menko oben auf dem Dach über Schwindel. „Er rief: ‚Mir wird schwarz vor Augen‘, dann wurde er bewusstlos und rutschte das Dach hinab“, erzählt Höing. Das steile Dach hat eine Neigung von mehr als 50 Grad. Menko bleibt beim Sturz kurz mit den Schuhen in der Dachrinne hängen, überschlägt sich und stürzt kopfüber in Richtung Terrasse. Höing reagiert instinktiv. Der 68-Jährige läuft los, stellt sich in die Fallbahn seines Freundes, fängt ihn mit dem eigenen Körper auf und rollt sich mit ihm auf dem Boden ab.
Menko erlitt vier gebrochene Rippen, ein schweres Hämatom und eine stark blutende Platzwunde im Nacken. Höing selbst trug keine Knochenbrüche davon, kämpfte aber monatelang mit den Folgen des Aufpralls und muss wegen einer Schulterverletzung bis heute behandelt werden. „Wenn ich ihn nicht aufgefangen hätte, wäre er mit dem Kopf zuerst aufgeschlagen“, ist Höing überzeugt.
„Sie sind Vorbilder für uns alle“
Höing ist einer von 25 Menschen aus Nordrhein-Westfalen, die am Montagabend (20. Juli) in Düsseldorf von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) mit der Rettungsmedaille geehrt wurden. Alle Geehrten haben unter Einsatz ihres eigenen Lebens andere Menschen aus lebensbedrohlichen Notlagen gerettet. „Das entschlossene Handeln Einzelner kann Leben retten“, sagte Wüst. „Genau das haben diese Menschen eindrucksvoll bewiesen. Sie haben hingesehen und in einem entscheidenden Moment Verantwortung übernommen.“
Ihr Engagement stehe beispielhaft für die Mitmenschlichkeit und die Zivilcourage, die unsere Gesellschaft zusammenhalte. „Für dieses beeindruckende Handeln verdienen sie unsere höchste Anerkennung und unseren größten Respekt. Sie sind Vorbilder für uns alle.“
Auszeichnung für Ersthelfer nach Solingen-Anschlag
Robert Klohs wollte damals wie viele andere einen schönen Abend auf dem Stadtfest verbringen. Er und seine Freundin wurden Opfer des islamistischen Attentäters. Obwohl er um sein Leben bangen musste, setzte er zum Gegenangriff an: Mit Tritten hielt er den Täter auf Abstand. Die Gegenwehr verschaffte den umstehenden Menschen Zeit – sie konnten noch rechtzeitig vom Tatort flüchten. Und der Täter ließ ab und ergriff ebenfalls die Flucht.
Mit der NRW-Medaille wurden auch Arbrescha Lepaja, Albulenë Lepaja und Altona Pllana aus Neunkirchen geehrt sowie zwei weitere Retter aus Neunkirchen und Kreuztal. Sie griffen ein, als eine Frau in einem voll besetzten Linienbus in Siegen Fahrgäste mit einem Messer angriff und verletzte. Die Tat geschah nur eine Woche nach dem Messerangriff in Solingen. Die Frauen stellten sich der Täterin in den Weg und schafften es, sie zu entwaffnen und festzuhalten, bis die Polizei eintraf.
Drei Männer retteten Menschen aus brennendem Haus
Khuder Berhim, Khodr Fakhro und Tarek Saado aus Essen erhalten die Auszeichnung, weil sie Menschen aus einem brennenden Mehrfamilienhaus retteten. Die drei Männer eilten mit Leitern aus der Nachbarschaft zu dem brennenden Haus und konnten so Kindern und Erwachsenen die Flucht ermöglichen.
Die Polizisten Christian Lüke aus Bönen und Anthony Ulbrich aus Kamen bekommen die Medaille, weil sie mithilfe ihrer Kollegen einen 20-Jährigen gerettet haben, der nach einem Unfall in einem brennenden Auto eingeklemmt war. Christian Lüke gelang es, den Mann aus dem Auto zu ziehen. Anthony Ulbrich kam mit einem Kollegen zu Hilfe und sie brachten den Schwerverletzten aus der Gefahrenzone. Ulbrich versuchte, die brennenden Beine des Verletzten mit bloßen Händen und einem Sweatshirt zu löschen. Aus eigener Kraft hätte der Mann es nicht mehr aus dem Auto geschafft.
Andreas Höing aus Raesfeld freut sich über die Anerkennung aus Düsseldorf. „Vielleicht hilft die Aufmerksamkeit ja, damit andere in ähnlichen Situationen hinschauen und helfen“, sagt er. Für ihn persönlich ist das Wichtigste, dass sein Freund den Sturz vom Hausdach überlebt hat. Warum Menko damals plötzlich das Bewusstsein verlor, konnten Ärzte bis heute nicht klären. Die Freundschaft der beiden ist seitdem noch enger geworden. Menko sehe ihn als seinen Lebensretter, erzählt Höing. Er selbst würde in einer vergleichbaren Situation jederzeit wieder genauso handeln – trotz der eigenen Verletzungen. Auch die Rettungsmedaille wird ihn nun immer an seinen selbstlosen Einsatz erinnern.
-
Zur Startseite
-
Panorama NRW
-
NRW
-
Solingen
-
Robert Sesselmann
Meistgelesen
Aktuell wichtig